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SWISS MUSIC AWARDS: Viermal Nemo und einmal Crimer

Gestern feierte sich die Schweizer Musikszene im Zürcher Hallenstadion. Grosser Gewinner war dabei der junge Pop-Rapper Nemo aus Biel.
Michael Graber, Zürich
Crimer wurde als «Best Talent» ausgezeichnet. (Bild: Ennio Leanza/EPA (Zürich, 9. Februar 2018))

Crimer wurde als «Best Talent» ausgezeichnet. (Bild: Ennio Leanza/EPA (Zürich, 9. Februar 2018))

Michael Graber, Zürich

Grosser Jubel bei Crimer: Der Ostschweizer räumte den Swiss Music Award als «Best Talent» ab. Der sympathisch-verschro­bene Jünger der Achtzigerjahre konnte damit einen der mittelschönen Betonklötze nach Hause nehmen, die es für die Sieger gibt. Vielleicht hatte Crimer aber auch einfach Glück, dass er in einer der wenigen Kategorien nominiert war, in denen Nemo es eben nicht war (Crimer setzte sich gegen Panda Lux und Stereo Luchs durch). Gleich vier der Preise nahm der junge Bieler mit heim («Best Hit», «Best Breaking Act», «Best Male Solo Act», «Best Live Act»).

Die Swiss Music Awards sind eigentlich ein zwiespältiger Anlass. Der wichtigste Schweizer Musikpreis krankt am Gigantismus, den ihm seine Macher ­auferlegt haben. Hallenstadion, ­roter Teppich und Fernseh-Liveübertragung. Einfacher macht man es nicht. Und auch wenn sich alle Musiker und Musikerinnen in feines Gewand gehüllt hatten: Es wirkt halt doch irgendwie alles ein bisschen provinziell. Auch weil nicht ausschliesslich die Qualität der Musik ausgezeichnet wird, sondern auch die Verkäufe eine zentrale Rolle spielen (plus ein Publikumsvoting). Darum kann man bereits jetzt sagen: Im nächsten Jahr wird der Nemo dann (wieder) Trauffer heissen.

Die Swiss Music Awards sind nicht am Puls der Schweizer ­Musikszene, sondern hängen am Tropf der Hitparade. Das macht den Preis etwas gar überraschungsarm und damit auch nur bedingt sexy. Das versuchen die Macher mit Pomp und dem besagten Gigantismus zu kaschieren. Gelingt oft, aber nicht immer.

Wie einst Simon Ammann

Das soll keineswegs die Leistung von Nemo schmälern. Mit seiner unbekümmerten Art hat er sich die Awards verdient. Zwei hätten auch genügt, aber das sind Details und mit einem Cüpli hat man das schnell weggespült. Was Nemo Mettler zu einem würdigen Sieger macht, ist die Freude, die er nach jedem einzelnen Preis ausstrahlt. Preis-Routine ist beim 18-Jährigen noch Fehlanzeige. Es ist ein bisschen wie bei Simon Ammann, als er Olympiagold in Salt Lake City gewann – man muss sich einfach mit ihm freuen. Und auch Nemos Outfit hatte gestern Abend doch gewisse Ähnlichkeiten mit jenem von Gold-Simi 2002.

Seine starken Momente hat dieser Award ohnehin, wenn es menschelt. Etwa wenn sich Züri West etwas ratlos anschaut, wer denn jetzt auf die Bühne geht, um den Preis für das beste Album in Empfang zu nehmen – es gingen dann alle. Und wenn «Best Talent» Crimer sagt, der Betonklotz sei sein Grundstein für sein erstes Haus, ist das tatsächlich (ein bisschen) witzig – zumindest witziger als vieles, was Moderator Stefan Büsser sagt. Eliane («Best Fe­male Solo») kommen fast ein bisschen die Tränen. Am erfrischendsten an diesem Abend wirkt Danitsa, die den Preis für «Best Act Romandie» gewinnt. Und Faber, der den «Artist Award» erhält, ist einfach eine ehrliche Haut: Er getraut sich, den Award und auch sonst recht vieles zu kritisieren.

«Ich mache es nicht für die Awards»

Und sonst? Grossmehrheitlich Nemo! Dazwischen funkt noch einmal Züri West als «Best Group» (Kuno Lauener dazu komplett euphorisiert: «Hey super!»). Nemo schafft es kaum ab der Bühne, schon wird er ­wieder raufgerufen. Vom dritten Preis erfährt er kurzerhand beim Siegerinterview für den zweiten Award. «Ich mache es aber nicht wegen der Awards», versicherte er sogleich, «ich mache es, weil ich die Musik liebe.» Die feierlichen Worte beherrscht er trotz der Jugendlichkeit schon ganz gut.

Beim vierten Preis (den für den besten Hit) war Nemo dann endgültig fast ein bisschen sprachlos. Zusammen mit seiner Songschreiber-Truppe (darunter Dodo und Lo von Lo & Leduc) fabulierte man ein bisschen über Musik und die Liebe. Alles nett – und harmlos.

So richtig bewegend wurden die Swiss Music Awards aber einzig, als Martin «Ain» Stricker posthum den Award für sein Lebenswerk erhielt. Der Zürcher hat Prügelmetal mit grosser internationaler Ausstrahlung gemacht, wurde aber in der Schweiz nur innerhalb seiner Szene wirklich bekannt.

Eigentlich wäre es doch Aufgabe eines solchen Preises, solche Leistungen schon zu Lebzeiten zu ehren, denkt man kurz. Dann rollt die Award-Maschine unerbittlich weiter.

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