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Superhelden mit Grössenwahn

In «Glass» bittet der Regisseur M. Night Shyamalan die Protagonisten aus «Unbreakable» und «Split» zum finalen Stelldichein. Ein reflektierter Beitrag zur popkulturellen Superhelden-Diskussion
Irene Genhart

Angetrieben vom Wettkampf zwischen den Filmstudios DC und Marvel überrascht Hollywood seit den 1990er-Jahren mit immer bombastischeren Superhelden-Filmen. Seit er 2000 «Unbreakable» vorstellte, tummelt sich im Olymp der Superheldenfilmmacher auch M. Night Shyamalan. Der Amerikaner ist bekannt für seine eigenwilligen Genre-Interpretationen: Seit ihm mit «The Sixth Sense» 1999 der Durchbruch gelungen ist, hat er eine Reihe nicht immer erfolgreicher, aber faszinierender Filme vorgestellt.

Und nun zeigt M. Night Shyamalan mit «Glass» sein drittes Superhero-Movie, de facto handelt es sich um den letzten Teil seiner mit «Unbreakable» und «Split» begonnen Trilogie um Menschen mit übernatürlichen Fähigkeiten. Im Zentrum stehen aus diesen Filmen die bereits bekannten Figuren: Sicherheitsmann David Dunne (Bruce Willis), der in «Unbreakable» als Einziger ein Zugunglück überlebt und in der Folge seine übermenschlichen Kräfte und seherischen Fähigkeiten zu akzeptieren beginnt; ebenfalls aus «Unbreakable» stammt der an der Glasknochenkrankheit leidende, hochintelligente Galerist Elijah Price (Samuel L. Jackson). Aus «Split» bekannt ist Kevin Wendell Crumb (James McAvoy), der an einer Identitätsstörung leidend 24 verschiedene Persönlichkeiten hat, darunter die von «Beast», eine Bestie, die wie eine Fliege Wände hochklettern und kopfüber an Decken laufen kann.

Der unzerbrechliche David Dunn (Bruce Willis) im Film Glass. Bild: Universal Pictures

Der unzerbrechliche David Dunn (Bruce Willis) im Film Glass. Bild: Universal Pictures

Drei Patienten für die Psychiaterin Elli Staple

Nachdem Dunne zum Anfang von «Glass» bei einer seiner Sicherheits-Touren an Crumb gerät, landen die beiden nach einer blutigen Auseinandersetzung im selben Krankenhaus, in dem Price sich schon befindet. Als vierte Person führt Shyamalan die ehrgeizige Psychiaterin Dr. Ellie Staple (Sarah Paulson) ein, die felsenfest überzeugt ist, dass Dunn, Glass und Crumb keine Superhelden sind, sondern an Grössenwahnsinn leiden. Die Story, etwas wirr, wild und nicht sonderlich vom Hocker reissend, steuert über weite Strecken auf ein Finale zu, das als bombastisches Duell zwischen Dunne und Crumb von der ganzen Welt verfolgt dem höchsten Wolkenkratzer von Philadelphia spielen soll.

Lächerlich kleines Budget

Doch Shyamalan, wie gesagt, ist ein eigenwilliger Filmemacher und er hat «Glass» mit dem vergleichsweise lächerlichen Budget von geschätzt 20 Millionen Dollar gedreht. Da ist nichts mit Bombastik. Was aber noch lange nicht heisst, dass «Glass» nicht faszinierend ist. Im Gegenteil. Kameramann Mike Gioukalis findet immer wieder überraschende Einstellungen. Und wie James McAvoy mitunter mitten in einer Szene Gestik, Mimik, Tonfall umstellt und seine Identität wechselt, ist schlicht sensationell.

Was «Glass» vor allem auszeichnet, sind die frech eingestreuten Gedankenspielereien, mit denen er sein Genre selbstreflexiv hinterfragt. Und so ertappt man sich nach einem fulminant um die Ecke gedachten Finale verdattert beim Gedanken, ob man sich nun lieber trauernd von der Superhelden-Idee verabschiedet, oder auf weitere solche Filme freut.

Die drei Superhelden in Glass: (von links) James McAvoy, Bruce Willis und Samuel L. Jackson. Bild: Evan Agostini/Invision/AP)

Die drei Superhelden in Glass: (von links) James McAvoy, Bruce Willis und Samuel L. Jackson. Bild: Evan Agostini/Invision/AP)

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