Superhelden in der Stube

Villa Kunterbunt

Roger Berhalter
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«Gecko!» – «Catboy!»: So tönt es seit neustem bei uns zu Hause. Meine zwei Buben springen vom Polstersessel aufs Sofa, flitzen auf allen Vieren über den Teppich, strecken die Fäuste in die Luft und rufen: «Gecko!» – «Catboy!». Sie sind jetzt Superhelden. Pyjamahelden. «PJ Masks», so wie in der gleichnamigen Zeichentrick­serie, in der sich drei Primarschüler nach Sonnenuntergang in Superhelden verwandeln.

Als ich die zwei kleinen Helden in meiner Stube zum ersten Mal sah, dachte ich: Vielleicht sollten wir den Netflix-Konsum etwas drosseln. Schliesslich fühlt es sich falsch an, wenn meine Kinder Figuren verkörpern, die sich eine Unterhaltungsfabrik ausgedacht hat, um möglichst viele Produkte zu verkaufen. (Auch unser Weihnachtswunschzettel ist leider voll von diesem Merchandising: «Was wünschst du dir vom Christkindli?» – «Gecko!» – «Catboy!»)

Insgeheim aber freut es mich auch, dass meine zwei Jungs zum ersten Mal ein bisschen cool sind. Um beim Fernsehen zu bleiben: In den altersgerechten Serien ging es bisher immer nur um Kätzli, Elefäntli und Lastwägeli. Jetzt aber tauchen Superkräfte, Tarnanzüge und Bösewichte auf. Ich mag noch gar nicht daran denken, was meine Söhne dann in 15 Jahren cool finden werden. Intim-Tattoos? Synthetische Drogen? Volkstümlichen Schlager? Da lasse ich sie lieber noch ein bisschen Pyjamahelden spielen.

Roger Berhalter