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Volksmusiker liefern süffigen Soundtrack zur frühen Moderne

Das Musikwerk Luzern thematisierte den Aufbruch in die Moderne unter populärem Vorzeichen: Die ungarische Folklore-Truppe Muzsikás macht Ernst aus Bela Bartóks Begeisterung für osteuropäische Volksmusik.
Urs Mattenberger
Volksmusik-Truppe aus Ungarn zu Gast im Maihof: Muzsikas. (Bild pd)

Volksmusik-Truppe aus Ungarn zu Gast im Maihof: Muzsikas. (Bild pd)

Wieso hat kein Komponist der klassischen Moderne nach 1900 dieselbe Popularität erreicht wie bildende Künstler wie Picasso oder Klee? Das Musikwerk Luzern, das sich dieser musikalischen Epoche widmet, hat die Probe aufs Exempel schon mit Schönberg oder Strawinsky gemacht. Aber die laufende fünfte Saison bildet einen Höhepunkt auch unter diesem Aspekt: Im Zentrum steht Béla Bartók, der sich zum Aufbruch in die Moderne von der gerade heute wieder aktuellen Volksmusik Osteuropas inspirieren liess.

Dass Bartóks Musik für viele heutige Hörer dennoch vergleichsweise spröder klingt, mag auch daran liegen, dass in ihr diese Verbindung nicht immer unmittelbar hörbar wird. Genau da setzte am Samstag das zweite Musikwerk-Konzert dieser Saison an. Auf der Bühne im voll besetzten Maihof-Saal stand das ­bekannte, auf sieben Musiker ­erweiterte ungarische Volksmusikquartett Muzsikás und spielte neben Volksmusik eben auch Bartók.

Tänze brechen über die Kunstmusik herein

Entscheidend war, wie dabei beide Sphären eigenständig zur Geltung kamen und gleichzeitig verschmolzen. Der Pianist Baláz Fülei stellte in drei ungarischen Volksliedern das heraus, was Bartók an der Bauernmusik wohl als modern empfand: die in Arabesken aufgelösten Melodielinien, unregelmässig pulsierende Begleitrhythmen oder das hier schroff herausgestellte Spiel mit Akzenten und Gegenakzenten. Das wirkte in dieser dynamisch in die Extreme getriebenen Deutlichkeit wie Kunstmusik, über die die traditionellen Tänze der Muzsikás ungestüm hereinbrachen.

Im weiteren Verlauf wurde beides immer enger verwoben. Wenn nach Bartóks geisterhafter Nachtmusik «Im Freien» Mihaly Sipos eine traditionelle Geigenklage in einen repetitiv taumelnden Groove überführte, projizierte sich der Muzsikás-Sound gleichsam zurück auf Bartóks abstrakte Klaviermusik. Im bekannten «Allegro Barbaro» hörte man die perkussive Volksmusikbegleitung gar als Teil des Klavieroriginals. Und Bartóks Rumänische Tänze für Klavier wird man künftig nicht mehr ohne den süffigen Soundtrack hören können, den die Muzsikás mit Schmiss und Melancholie (Gesang: Hanga Borbála Kacsó) dazwischenschoben oder unterlegten.

Da staunte man, wie eng die Verbindung von Bartóks Moderne zu Volkstraditionen war. Diese vertrat im Konzert eine spontan angereiste ungarische Volkstanzgruppe aus Zürich, die im Rücken des Publikums spontan zu tanzen begann. In einem Konzert, das derart Grenzen überschreitet, hätten sie vorne vor die Bühne gehört.

Nächstes Musikwerk-Konzert: «Natur, Folklore und Avantgarde», Samstag, 22. Juni, 19.30, Maihof, Luzern, www.musikwerkluzern.ch.

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