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Subversives Volkstheater in Konstanz

«Wer hat Angst vorm weissen Mann» nach der gleichnamigen Filmkomödie spannt in der Konstanzer Spiegelhalle ein Walhalla zwischen Weisswurst und Rassismus auf.
Brigitte Elsner-Heller
Antonia Jungwirth als Zita, Ramsès Alfa als Asylbewerber Alpha. (Foto: Bjørn Jansen)

Antonia Jungwirth als Zita, Ramsès Alfa als Asylbewerber Alpha. (Foto: Bjørn Jansen)

«Ja sauber! Als Metzgermeister Franz, Münchner und Grantler, nach einem Schlaganfall in seine Metzgerei zurückkommt, muss er feststellen, dass Tochter Zita den Asylbewerber Alpha als Hilfe eingestellt hat – schwarz auch noch. Was freilich nicht das Schlimmste gewesen wäre. Aber der Kontrast zwischen Weisswürsten und einem «Bimbo», das geht ja gar nicht! Gut, dass es in einem bayerisch verorteten Stück Volkstheater auch noch einen Engel gibt, der schon auf seinen Auftritt wartet. Mit Lederhose und Tuba, diesem brachial wirkenden Blasinstrument, das in Bayern die Schalmeien der himmlischen Heerscharen locker aussticht.

Ramsès Alfa als Asylbewerber und Hilfsmetzger Alpha, Odo Jergitsch als Metzger Franz, Antonia Jungwirth als gutmütige Metzgerstochter. (Bild: Bjørn Jansen)

Ramsès Alfa als Asylbewerber und Hilfsmetzger Alpha, Odo Jergitsch als Metzger Franz, Antonia Jungwirth als gutmütige Metzgerstochter. (Bild: Bjørn Jansen)

Und während Franz dem Alpha noch den gemeinsamen Blick in den Fernseher missgönnt, ereilt beide ein Stromschlag – Alpha kommt davon, während Franz auch schon aufgebahrt liegt. Zumindest im Prinzip. Denn so ganz ist er dem Engel mit der Tuba noch nicht gefolgt, wobei natürlich in einem guten Plot nur Alpha derjenige sein kann, der noch in Kontakt mit Franz steht: eine schicksalhafte Verbindung.

Ein schöner Ort für subversives Volkstheater

Die Komödie «Wer hat Angst vorm weissen Mann» nach dem gleichnamigen Film ist in der Konstanzer Spiegelhalle angekommen. Ein schöner Spielort für subversives und unterhaltsames Volkstheater. Und um mit Helden zu beginnen, die oft im Hintergrund bleiben: Ausstatter Christian Schlechter hat die Metzgerei mit überdimensionierten Weisswürsten möbliert, dass es eine Freude ist. Das kritische Volkstheater ist auch für moderne Märchen gut. Nachdem Alpha afrikanische Beschwörungsriten nichts geholfen haben, um den Geist vom Franz ins Jenseits zu verbannen, bilden die beiden eine Zweckgemeinschaft, um Zita zu helfen, die von ihrem Bruder um ihr Erbe betrogen werden soll. Wie im Kindertheater werden die Figuren dabei zum Teil so überzeichnet auf die Bühne gebracht, dass es mitunter auch hölzern wirkt. Dennoch hat das Publikum Spass daran, wie sich Odo Jergitsch als grantelnder Franz im schwarzen Beerdigungsanzug und Ramsés Alfa, der als Hilfs-Metzger immer mehr Spass an der nicht nur bayerischen Gaudi findet, ihre geschliffen doppeldeutigen Wortgefechte liefern.

Bernhard Thomas Klein als Engel, Odo Jergitsch als Metzger Franz. (Bild: Bjørn Jansen)

Bernhard Thomas Klein als Engel, Odo Jergitsch als Metzger Franz. (Bild: Bjørn Jansen)

Politisch korrekt muss das nicht ausfallen. Daneben können sich Georg Melich und Sarah Siri Lee König, die als gierige Gattin des Sohnes auftritt, auf die Rolle der Bösen konzentrieren, Antonia Jungwirth als bodenständig ehrliche Metzgerstochter auf die der Guten. Zum Schluss ist aber alles gut, sogar die Weisswurst. Und um den letzten kleinen Rest an Rassismus, der dem Franz vielleicht doch verblieben sein könnte, kümmert sich dann der Himmel. Basst scho.

Vorstellungen bis 25.1.2019

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