Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Sturm und Drang

Der junge Frauenfelder Filmemacher O'Neil Bürgi stellt morgen im Kinok seine Videodokumentation «Dancing with the Storms» vor. Er porträtiert eine Gruppe von Schweizer Sturmjägern und ihre Leidenschaft für Gewitter.
Andreas Stock
Bei Gewittern packen die Sturmjäger ihre Kameras aus. (Bild: pd)

Bei Gewittern packen die Sturmjäger ihre Kameras aus. (Bild: pd)

Wenn sich vor allem im Sommer die Wolken zu Gewitterfronten zusammenschieben, der Himmel sich verdunkelt und sich Hagel, Sturm und Blitze ankünden, sind manche Menschen nicht mehr zu halten. Nicht etwa, weil sie rechtzeitig eine Gartenparty unter ein schützendes Dach retten oder von der Badi trocken ein schützendes Dach erreichen wollen, sondern weil sie im Gegenteil dem Naturgeschehen so nah wie möglich sein wollen.

Zieht ein Gewitter auf, dann studieren und interpretieren sie Satellitenaufnahmen, kalkulieren den Verlauf einer Front – und jagen, ausgerüstet mit Laptop, Videokamera und Fotoapparat, dem Gewölk nach. Sturmjagd nennt sich das ungewöhnliche meteorologische Hobby, das vor ein paar Jahren die Schweiz erreichte und mittlerweile von einem freundschaftlich miteinander bekannten Grüppchen gepflegt wird.

Der Hollywood-Katastrophenfilm «Twister» erzählte 1996 von sogenannten Sturmjägern, die den Tornados in den USA folgen; danach wuchs die Faszination für diese stürmische Freizeitbeschäftigung. Als der Frauenfelder O'Neil Bürgi auf den 31jährigen Softwareingenieur und Sturmjäger Christian Matthys aufmerksam wurde, beschloss er, einen Dokumentarfilm über Sturmjäger zu machen. Der 28-Jährige ist Kameramann, Autor, Regisseur, Cutter und Produzent von «Dancing with the Storms».

Keine Katastrophentouristen

Im Sommer 2008 begleitete er Matthys und eine Handvoll weiterer Sturmjäger auf ihren Expeditionen. Man erfährt mehr über ihre Begeisterung für Wetterphänomene und wie sie im Auto Hunderte von Kilometern zurücklegen, um einen möglichst spektakulären Blick auf das Wetterereignis zu haben. Weil genauer Ort und Zeit nur schwer vorherzusagen sind, fahren die Sturmjäger oftmals den ganzen Tag einer Gewitterzelle hinterher und stehen am Schluss buchstäblich

nur im Regen, ohne einen Blitz dokumentieren zu können: «Die Fehlerquote ist enorm», sagt Matthys im Film, doch darin liege gerade der Reiz – etwas zu jagen, das völlig unberechenbar sei. Sie selber finden ihr Hobby im übrigen nicht ungewöhnlich und distanzieren sich von Katastrophentouristen und Voyeuren, die im Gegensatz zu ihnen an den Folgen eines Unwetters interessiert sind, während sie sich lediglich für die Schönheit und die Kräfte der Stürme an sich interessieren.

Wie bei einem Actionfilm

Der kurzweilige Film versucht dieser Faszination nachzuspüren, ohne den Protagonisten aber wirklich nahe zu kommen; er erzählt aber einiges über Wetterphänomene und Meteorologie. Die Leidenschaft, mit der Matthys und seine Kollegen den Naturkräften nachjagen, spürt man hingegen auch in der filmischen Herangehensweise des jungen Regisseurs: Bürgi will seine Dokumentation möglichst spektakulär und dramaturgisch erzählen, wobei dann die Montage gelegentlich etwas aus dem Tritt gerät.

Und der omnipräsente, pompös-orchestrale Soundtrack à la Hans Zimmer (eine beeindruckende Komposition des jungen Daniel Laufer) scheint eher einem Action- denn Dokumentarfilm angemessen. Sturm und Drang beschränken sich in «Dancing with the Storms» eben nicht auf die Sturmjäger – was den Videofilm durchaus sympathisch macht.

Morgen Do, Kinok St. Gallen, 20 Uhr, mit O'Neil Bürgi; weitere Vorführung am 29.1., 17.30 Uhr

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.