Strelitziasunsun Huang Corliano, Modedesignerin

Am meisten Mühe hat sie mit dem Filmplakat. «Das kann man doch so nicht machen, das Plakat vermittelt einen völlig falschen Eindruck!», sagt Strelitziasunsun Huang Corliano. Viel zu ernst, viel zu langweilig und wie von vorgestern wirke die Werbung zum Film «Win Win – Chinesisch im Jura».

Roger Berhalter
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«Das Filmplakat ist schrecklich!», findet die chinesische Designerin. (Bild: Roger Berhalter)

«Das Filmplakat ist schrecklich!», findet die chinesische Designerin. (Bild: Roger Berhalter)

Am meisten Mühe hat sie mit dem Filmplakat. «Das kann man doch so nicht machen, das Plakat vermittelt einen völlig falschen Eindruck!», sagt Strelitziasunsun Huang Corliano. Viel zu ernst, viel zu langweilig und wie von vorgestern wirke die Werbung zum Film «Win Win – Chinesisch im Jura». Dabei handelt es sich bei der Westschweizer Komödie um einen witzigen Streifen, der im Jetzt spielt: Der Bürgermeister von Delémont hat die glamouröse Idee, das Halbfinale der Miss-China-Wahlen im Jura stattfinden zu lassen – nicht zuletzt, um seine serbelnde politische Karriere zu retten.

Hongkong, Paris, St. Gallen

Modedesignerin Strelitziasunsun Huang Corliano hätte die Geschichte ganz anders verkauft. Seit bald sechs Jahren wohnt die aus Hongkong stammende Chinesin in der Schweiz. Zunächst lebte sie in Zürich, dann in Biel und seit rund einem Jahr in St. Gallen. Doch wo immer sie wohnt: Die 37-Jährige ist international ausgerichtet, das zeigt sich schon in ihrem Namen. Ihr halbes Leben schon ist sie unterwegs. Sie hat in Japan Modedesign studiert, später Haute Couture in Paris entworfen, 2008 ihre eigene Firma gegründet und gestaltet heute Schmuck, Kleider und Accessoires (www.strelitziasun sun.com). Den Nachnamen hat sie von ihrem Ehemann übernommen, der italienische und kroatische Wurzeln hat.

Ins Geschäft kommen

Die Geographie im Film «Win Win» ist simpler. Kichernde chinesische Schönheiten schlafen im jurassischen Heustock, schunkeln auf dem Bielersee und stülpen sich Schweizer Armeehelme über den Kopf. Der Bürgermeister und seine Entourage versuchen derweil emsig, ihnen die Vorzüge der ländlichen Schweiz zu vermitteln. «Das Thema des Films ist interessant und sehr aktuell», kommentiert Strelitziasunsun Huang Corliano. Er zeige im Kleinen, was derzeit im Grossen passiere: Dass nämlich die Schweiz mit China ins Geschäft kommen möchte. Und es sei tatsächlich so, dass die Schweiz als Tourismusdestination für Chinesen immer interessanter werde. St. Gallen-Bodensee Tourismus habe sie sogar schon als Dolmetscherin angefragt, immerhin spricht sie nicht nur Chinesisch (Kantonesisch und Mandarin), sondern auch Japanisch, Französisch, Englisch und Deutsch. «Doch zum Dolmetschen habe ich im Moment keine Zeit», sagt die Mutter eines kleinen Sohnes und lacht.

Auch Chinesen sagen Nein

Chinesen sagen immer Ja und nie Nein – so lautet eines der Klischees, die in «Win Win» zementiert werden. Zu Unrecht, sagt Strelitziasunsun Huang Corliano. «Wenn es ums Geschäft geht, sehen wir immer eine Möglichkeit, deshalb lehnen wir nicht ab.» Fast so wie die daueroptimistischen Amerikaner, die das Scheitern nicht scheuen. Auch die Chinesen hätten stets den (schnellen) Erfolg vor Augen und suchten, wenn sich ein Problem stelle, sofort nach einer Lösung. «Wir halten uns nicht mit Sätzen wie <Das geht nicht> auf», sagt die Modedesignerin. Nur deshalb würden Chinesen beim Verhandeln nicht Nein sagen. «Mit Lügen hat das nichts zu tun.»

Zur Schweiz befragt, sagt eine der chinesischen Schönheitsprinzessinnen im Film: «Es ist fast niemand hier. Das Land hat nur sieben Millionen Einwohner.» So drastisch würde es Strelitziasunsun Huang Corliano nicht ausdrücken, und doch weiss sie, welche Welten die chinesischen Metropolen und das beschauliche St. Gallen trennen. «In Hongkong läuft alles sehr schnell. Man muss ständig konsumieren. Ein sehr kompetitives Umfeld.» Einige Exil-Chinesen würden das in der Schweiz vermissen. Huang Corliano erzählt von einer Freundin, die wieder nach Shanghai zurückgekehrt sei. Sie selber schätze die Ruhe hier– auch wenn es manchmal fast «zu friedlich» sei, sagt sie und lacht. Dafür geniesse sie hier mehr Freiheiten als im engen sozialen Gefüge Chinas: «Hier kann ich selbständig und kreativ sein.»

«Win Win – Chinesisch im Jura» läuft heute zum letzten Mal im Kino Rex Studio (14.45 und 20.30 Uhr)

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