Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

STREICHQUARTETT: Das Musizieren zu viert ist nicht tot

Man kann ohne Wehmut an die grossen alten Quartette zurückdenken. Denn auch heute gibt es wunderbar agierende Ensembles, die diese hohe Kunstform weitertragen. Eine Konzertreihe in Zürich beweist es.
Streichquartettkunst neu definiert: Das Belcea Quartet. (Bild: PD)

Streichquartettkunst neu definiert: Das Belcea Quartet. (Bild: PD)

Alban-Berg-Quartett, Amadeus- Quartett oder Smetana-Quartett: Sie spielen nicht mehr. Und ein Ensemble wie das Schweizer Carmina-Quartett ist schicksalhaft auseinandergebrochen. Aber eine hochkarätige Konzertreihe, die in der Zürcher Kirche St. Peter bis Sommer sechs Streichquartette der aktuellen Generation präsentiert, kann beruhigen: Meisterhafte Interpretationen in der vielleicht anspruchsvollsten Kunstform der klassischen Musik, dem geistvollen Gespräch auf sechzehn Saiten, kann man auch heute erleben.

Doch auch hier braucht es die sensibel auswählende Hand der Veranstalter. Streichquartette, die technisch und klanglich auf Spitzenniveau musizieren, gibt es viele. Aber zur Perfektion, die heute im Klassikbusiness Standard ist, muss das gewisse Etwas der wirklich durchdachten und eben gerade in die Tradition der grossen Ensembles sich einfügen könnenden Interpretationen hinzukommen.

Beim Belcea Quartet, das letzten Sonntag in Zürich das zweite Konzert der Reihe bestritt, ist das in höchstem Masse der Fall. Zeitgemäss sind nur die ­Partituren: Das Quartett spielt ab grossen Tablets. Zeitlos sind die Interpretationen. Nichts vom oft kühlen, stromlinienförmigen oder im virtuosen Windkanal gestylten modernen Ton, sondern bei Mozarts B-Dur-Quartett KV 589 ein seidig-erdferner Ton, ein konsequentes Ausleben des Gesanglichen. Die «irdischeren» Akzente dieser sehr persönlichen späten Quartettsprache Mozarts kommen in diesem Kontext dann entsprechend hintergründig und subtil.

Eine gemeinsame und vier individuelle Kulturen

Das Belcea Quartet spielt seit den gemeinsamen Studienjahren in London zusammen, über zwanzig Jahre. Eine altbekannte Weisheit, aber: Diese lange Zeit macht es immer wieder aus, sie entscheidet, ob der Viererklang wirklich gemeinsam atmet. Bei den Belceas tut er das traumwandlerisch. Zum kollektiven Empfinden paaren sich hier aber zusätzlich vier musikalische Kulturen, die dem Gemeinsamen spezielle Farbnuancen hinzufügen. Die wunderbar führende Primgeigerin Corina Belcea aus Rumänien mit innerer glutvoller Leidenschaftlichkeit, der Bratscher Krzysztof Chorzelski aus Polen mit warmem Ton und der Hingabe «östlichen» Musizierens. Axel Schacher, zweiter Geiger aus Frankreich, mit frischem, bisweilen charmantem Ton. Und Cellist Antoine Lederlin, ebenfalls Franzose, mit einem speziellen Schuss Eleganz und Feinsinn.

Nein, man braucht den alten grossen Quartettzeiten nicht nachzutrauern. Das Belcea Quartet erreicht auch bei Leoš Janáceks «Kreutzersonate» und bei Antonín Dvoráks «Amerikanischem Streichquartett» eine höchst beeindruckende Stringenz, eine intelligente und musikantisch völlig durchgestaltete Emotionalität und Farbigkeit, die auch an die grossen Interpretationen tschechischer Quartette beglückend anknüpfen kann und Streichquartettkunst sehr hoffnungsvoll in die Zukunft führt.

Martin Preisser

Weitere Konzerte: 8.4. (Schumann-Quartett), 27.5. (Chiaroscuro-Quartett), 17.6. (Cuarteto Casals), 8.7. (Armida-Quartett); jeweils 17 Uhr, Kirche St. Peter, Zürich; Infos: hochuli-konzert.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.