Der Schweizer Musikmarkt erholt sich – wo er besonders stark wächst

Der Schweizer Tonträgermarkt hat gegenüber dem Vorjahr um satte 7,5 Prozent zugelegt. Damit setzte er im letzten Jahr seine 2016 begonnene Erholung fort.

Stefan Künzli
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Der Verkauf von CDs ist weiter zurückgegangen und ist bei einem Marktanteil von 17 Prozent.

Der Verkauf von CDs ist weiter zurückgegangen und ist bei einem Marktanteil von 17 Prozent. 

Werner Schelbert

Der Musikmarkt macht mit dem Wachstum von 7,5 Prozent den grössten Wachstumssprung seit zwanzig Jahren (Umsatz von 183,5 Mio. Franken). Wie Lorenz Haas von der Ifpi Schweiz, der Schweizer Musikproduzenten, ausführt, ist das Streaming-Segment der starke Wachstumsmotor. Es hat im letzten Jahr um satte 26 Prozent auf 124.3 Mio. Franken zugenommen und trägt damit 68 Prozent zum Gesamtmarkt bei.

«Streaming hat die Generation 40 Plus erreicht», sagt dazu Ifpi-Präsident und Universal-Chef Ivo Sacchi. Dabei sei das «Potenzial noch längst nicht ausgeschöpft». «Wir sind erst in der Hälfte, was die Marktdurchdringung betrifft», sagt er weiter.

Demgegenüber ist das Downloadgeschäft um 22 Prozent eingebrochen (Umsatz 24.3 Mio. Franken) und trägt nur noch 13 Prozent zum Tonträgermarkt bei. Es dürfte in den kommenden Jahren weiter abnehmen.

Insgesamt ist das Digitalgeschäft gegenüber dem Vorjahr aber um 14 Prozent auf 149 Mio. Franken gewachsen, was 81 Prozent des Gesamtumsatzes entspricht. Damit wird heute mit Streaming fast doppelt so viel umgesetzt wie im Downloadsegment in dessen Rekordjahr 2012.

Im Gegensatz zum boomenden Streaming ist der Umsatz aus dem Verkauf von CDs gegenüber dem Vorjahr nochmals um 14 Prozent gesunken. Gemäss Haas war dieser Umsatzrückgang zu erwarten und entspricht dem allgemeinen langjährigen Trend. Der Umsatz aus dem Verkauf von CDs beträgt noch 17 Prozent des Gesamtmarkts.

Vinyl stagniert auf tiefem Niveau

Gebremst ist in der Schweiz das Revival bei den Vinyl-Langspielplatten. Der Handelsumsatz stagniert bei rund 4 Mio. Schweizer Franken, was nur 2 Prozent des Gesamtmarktes entspricht. Für Sacchi ist Vinyl ein «Lifestyle-Produkt», das heute sein Potenzial ausgeschöpft hat. «Es ist in gewissen Kreisen schick, Vinyl zu kaufen. Wir wissen aber, dass Vinyl gekauft wird, die Musik aber dann doch per Streaming gehört wird», sagt er.

Insgesamt ist Sacchi zufrieden und zuversichtlich. «Das Jahr 2019 brachte für den Schweizer Musikmarkt das vierte Wachstumsjahr in Folge und zudem das stärkste Wachstum seit 1999. Man mag zwar einwenden, dass damals die Umsätze doppelt so hoch waren wie heute und danach 15 Jahre Umsatzrückgang folgten. Dennoch liegen diese schwierigen Zeiten definitiv hinter uns und wir dürfen optimistisch in die Zukunft blicken.»

Schweizer Musiker leiden unter ignoranten Haltung

Das Umfeld für Schweizer Musikschaffende bleibt aber schwierig. Haas verweist auf die wirtschaftlichen Herausforderungen des Streamingmodells für Schweizer Labels und Musikschaffende: «Mit den neuen Abo-Modellen ist praktisch das gesamte Weltrepertoire für die Musikfans so leicht wie nie zuvor abrufbar, wodurch der Konkurrenzdruck steigt», sagt Haas.

Erschwerend ist, dass einige Streaming-Anbieter wie Spotify kaum Schweizer Musik in ihre Playlists integrieren, was massiven Einfluss auf den Musikkonsum hat. Haas spricht von einer «ignoranten, enttäuschenden Haltung». Viele Schweizer Acts hätten «deshalb Schwierigkeiten, ihre Marktanteile im wachsenden Streamingmarkt zu behaupten.»