Strawinsky und Wagner auf CD

«Ich bin immer am besten damit gefahren, ein Stück in seiner Eigenart klingen zu lassen», sagt Philippe Jordan auf die Frage nach seinem Stil. «Um es an einem Beispiel zu erläutern: Verdi muss anders gespielt werden als Wagner – wobei man natürlich eine bestimmte Klangvorstellung hat.

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«Ich bin immer am besten damit gefahren, ein Stück in seiner Eigenart klingen zu lassen», sagt Philippe Jordan auf die Frage nach seinem Stil. «Um es an einem Beispiel zu erläutern: Verdi muss anders gespielt werden als Wagner – wobei man natürlich eine bestimmte Klangvorstellung hat.» Zwei CD-Produktionen zeigen, wo Jordan und sein Orchestre de l'Opéra National de Paris stehen. Die eine, beim Label «Naïve» erschienen (V5332), stellt Igor Strawinskys «Le Sacre du Printemps» ins Zentrum. Flankiert wird das kühne Stück von Claude Debussys «Prélude à L'Après-midi d'un Faune» und Maurice Ravels «Boléro». Gesamteindruck: Der «Sacre» kommt sehr tänzerisch daher, als jenes Ballett, als das er entstanden ist. Im «Prélude» zaubert Jordan zarteste Orchesterfarben, der «Boléro» besticht durch zügiges Tempo und kluge Steigerung. Das verleiht ihm eine gewisse Eleganz, etwas Fliessendes, das die Aufnahme insgesamt auszeichnet.

In eine ganz andere musikalische Welt entführen die sinfonischen Auszüge aus Richard Wagners «Ring des Nibelungen» und die von Nina Stemme als Brünnhilde gesungene Schlussszene aus der «Götterdämmerung», die bei «Erato» auf zwei CDs herausgekommen sind (Nr. 50999 9341 4227). Es ist eine andere Welt, doch die Qualitäten bleiben dieselben: Die Musik fliesst, ist durchsichtig, Jordan macht Wagners viele Feinheiten hörbar. Zum Beispiel im «Walkürenritt», der bei aller Heftigkeit etwas beeindruckend Elegantes bewahrt. (R. A.)