Stravinsky, elegant

HÖRBAR KLASSIK Müsste man einen jungen Schweizer Musiker nennen, der es weit gebracht hat, so müsste rasch der Name des 38jährigen Philippe Jordan fallen. Der Chefdirigent der Pariser Oper hat in Bayreuth den «Parsifal» dirigiert und bereits bedeutende Orchester geleitet.

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fc - hörbar - debussy

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HÖRBAR KLASSIK

Müsste man einen jungen Schweizer Musiker nennen, der es weit gebracht hat, so müsste rasch der Name des 38jährigen Philippe Jordan fallen. Der Chefdirigent der Pariser Oper hat in Bayreuth den «Parsifal» dirigiert und bereits bedeutende Orchester geleitet. Was er kann, das zeigt Jordan mit dem «Orchestre de l'Opéra national de Paris» auf einer CD, in deren Zentrum Igor Stravinskys «Sacre du printemps» steht. Flankiert wird das vor urtümlicher Wildheit strotzende Ballett von Debussys erotisch-verträumtem «Prélude à l'après-midi d'un faune» und von Ravels «Boléro». Jordan gestaltet Stravinskys «Bilder aus dem heidnischen Russland», wie der «Sacre» im Untertitel heisst, mehr elegant als wuchtig, wählt zügige Tempi und arbeitet die komplexen Rhythmen sorgfältig heraus. Auch Fortissimo-Stellen wirken unter seiner Hand durchsichtig und schlank. Dasselbe gilt für den Debussy und den Ravel. Sehnsüchtig-flüchtig kommt «L'après-midi» daher, und der «Boléro» beeindruckt durch seine klug kalkulierten Steigerungen. Das Orchester arbeitet präzis, es hört sich unangestrengt an, ohne zu routiniert zu wirken.

Debussy/Stravinsky, Ravel: Prélude à l'après-midi d'un faune, Le Sacre du printemps, Boléro: Orchestre de l'Opéra de Paris, Philippe Jordan, Naïve V 5332

Bach, tänzerisch

Nils Mönkemeyer hat Humor und lange Arme, die ihm das Violinspiel verleidet haben. Er kennt alle Witze über die Bratsche, sein von den Komponisten eher mit Missachtung gestraftes Instrument. Viel Original-Repertoire hat er nicht, so behilft Mönkemeyer sich auch damit, andere Kompositionen umzuschreiben. Zum Beispiel die Cellosuiten von Johann Sebastian Bach – über die es im übrigen ein ganz wundervolles Buch von Eric Siblin gibt. Die ersten drei dieser Suiten hat Mönkemeyer jetzt auf CD eingespielt, dazu vier moderne Kompositionen. Er liebt das Tänzerische bei Bach, man spürt es schon im ersten Prélude, und seine Bratsche – ein modernes Instrument – klingt heller, unbeschwerter, als es ein Cello vermöchte. Das Sangliche kommt stärker zum Ausdruck. Mönkemeyer betont, dass Bach selber Bratsche gespielt habe und nicht Cello. «Ich vermute, dass er einige Stellen auf der Bratsche ausprobiert hat.»

Nils Mönkemeyer: Bach und mehr, Sony CD 88765434782 Eric Siblin: Auf den Spuren der Cello-Suiten – Johann Sebastian Bach, Pablo Casals und ich, Irisiana 2009, 370 S., Fr.31.90

Rolf App

fc - hörbar - mönkemeyer

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