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Das 21st Century Orchestra mit «Star Wars» im Hallenstadion: Stormtroopers und Bratwürste

Das 21st Century Orchestra unter Ludwig Wicki tritt erstmals im Hallenstadion Zürich auf. Der Event vor fast 6000 Zuschauern ist Spektakel und Konzert zugleich.
Roman Kühne
Das 21st Century Orchestra mit «Star Wars – A New Hope» im Zürcher Hallenstadion. (Bild: Eveline Beerkircher (Zürich, 27. Januar 2019))

Das 21st Century Orchestra mit «Star Wars – A New Hope» im Zürcher Hallenstadion. (Bild: Eveline Beerkircher (Zürich, 27. Januar 2019))

Es ist schon fast eine Party, die im Hallenstadion stattfindet. Dies beginnt schon beim Einlass, wo eine lange Menschenschlange wartet. Im Innern herrscht bereits in den Vorräumen eine aufgeregte, freudige Heiterkeit. Knapp 20 verkleidete «Star Wars»-Fans posieren vor den Kameras. Stormtroopers, Sandleute, Ewoks, mindestens zwei Darth Vaders und sogar ein vollgeschminkter Darth Maul ist auszumachen. Selfies mit den Helden unserer Traumgeschichte.

Die Zuschauer decken sich mit Getränken ein. Der Duft von Pommes frites, Kinder, die Eiscreme verschlingen, Bratwürste und Sandwiches prägen das Bild. Eine Feststimmung, fast ein ­wenig Fasnacht, eine fröhliche Erwartung des Kommenden. Trotz dieser Fete-Stimmung ist das Publikum während der ganzen Aufführung erstaunlich ruhig, Das filmende Handy kommt seltener zum Einsatz als im KKL.

Komfortzone verlassen

Wohl gegen 6000 Menschen sind es, die der Premiere des 21st Century Orchestra im Zürcher Hallenstadion entgegenfiebern. Das Luzerner Ensemble verlässt damit quasi die Komfortzone des KKL. Natürlich, das Orchester spielte schon vorher ausserhalb der Leuchtenstadt, in New York, London, Basel oder Lausanne. Kommt hinzu, dass dieses Gastspiel im Hallenstadion nicht nur freiwillig ist (siehe Ausgabe vom 25. Januar). Aber Zwänge schaffen manchmal auch neue Möglichkeiten. Eine Möglichkeit, die das 21st Century im Triumph ergreift.

Das Orchester und sein neues Management lassen dabei nichts anbrennen und setzen mit dem 1. Teil der «Star Wars»-Saga «A New Hope» auf die sichere Karte. Denn trotz der vielen Sequels und Spinn-offs der disneyanerischen Geldmaschine ist und bleibt der Startfilm Massstab und Höhepunkt der Saga. Dies nicht nur auf der Leinwand. In der ernsten Musik sagt man, wenn die Leute ein Stück pfeifen, dann ist es immer aus der «klassischen Epoche», also aus der Zeit von Mozart, Haydn und Konsorte.

Kraftvoll und direkt

In der Filmmusik stammt das gepfiffene Stück wohl mit hoher Wahrscheinlichkeit von der ursprünglichen «Star Wars»-Trilogie und damit der Musik von John Williams. Musikalisch spielt das Orchester mit einer selten da gewesenen Wucht. Elektronisch unterstützt, artikulieren die Musiker unter der Leitung von Ludwig Wicki präzise und emotionell. Die wuchtige Bassposaune, das ausserordentlich kompakte Hornregister oder die satten Trompeten geben dem Leinwandspektakel eine neue Dringlichkeit und Emotionalität.

Der geschlossene Klang in Cello und Violine oder die deutlich homogeneren Holzbläser und die ausgezeichnete Harfenistin machen aus der blossen Filmschau ein Ereignis. Es ist ein überzeugender Auftritt, ein Musizieren auf der Stuhlkante. Da braucht es wohl gute Argumente, möchte man das 21st dazu bringen, nur noch im KKL aufzutreten. Warum sollen die «Erfinder» der Liveaufführungen das nationale Feld einfach der Konkurrenz überlassen?

Zusätzliche Emotionen werden mit gekonnt und sparsam eingesetzten Spezialeffekten untermalt. Die Explosion des Todessterns strahlt mit einem kurzen Scheinwerferblitz durch den Saal. Oder verschiedentlich werden die tiefen Töne überzeichnet, bringen die Sitze zum Zittern. Auf zwei Leinwänden werden links und rechts – wie bei einem Rockkonzert – die Musiker eingeblendet.

Die Leinwand im Hallenstadion ist deutlich grösser als im KKL. (Bild: Eveline Beerkircher (Zürich, 27. Januar 2019))

Die Leinwand im Hallenstadion ist deutlich grösser als im KKL. (Bild: Eveline Beerkircher (Zürich, 27. Januar 2019))

Spektakel auf drei Leinwänden

Faszinierend ist es, Ludwig Wicki direkt bei der Arbeit zuzuschauen. Dann ist auch die Leinwand deutlich grösser als im KKL, wirken die Sternzerstörer noch mächtiger, das Weltall noch weiter. Neben diesen Show-Elementen, wo das Hallenstadion sicher einen Vorteil aufweist gegenüber dem KKL, gibt es auch klare Nachteile. Obwohl das Orchester eigentlich meist exzellent verstärkt wird, hat der Klang doch ­einen Hang zum Metallischen, klingt teils übermässig hart. Ebenfalls ist im KKL der Musikgenuss direkter, konzentrierter.

Etwas unschön ist der Ausklang: Im Hallenstadion, wo sonst Eishockey und Rockmusik auftrumpfen, sind es Hunderte, die mit dem Schlusston nach dem Ausgang streben. Als Zugabe erklingt noch einmal das Eröffnungsmotiv, das man allerdings wegen all der stehenden und gehenden Menschen nur teilweise geniessen kann. Aber es bleibt dabei: eine gelungene Premiere vor grossem Publikum.

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