Stolz aufs Vorurteil

«Tatort»

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Nein, der Tatort «Dunkle Zeit» hat wenig zu tun mit den früh eindunkelnden Tagen vor Weihnachten. Im dritten gemeinsamen Fall von Kommissar Falke (Wotan Wilke Möhring) und seiner unnahbaren Kollegin Julia Grosz (Franziska Weisz) wird die Wahrheit verdunkelt von einer rechtspopulistischen Partei namens «Neue Patrioten».

Deren Führung um die Parteihoffnung NinaSchramm (Anja Kling) übt vor den Fernsehkameras der «Systemmedien» perfide Suggestionsgymnastik, und vollführt mit der Wahrheit ein paar lockere Dehnübungen, nachdem Schramms Ehemann samt Auto in die Luft geflogen ist. Videoaufnahmen, dem rechtspopulistischen Nachrichtenportal «Stolz und Vorurteil» zugespielt – nie wurde Jane Austens Entwicklungsroman merkwürdiger zweckentfremdet als in diesem «Tatort» – befeuern Verschwörungstheorien eines linksautonomen Anschlags.

Falke, der einzig mit seinem Raubvogelnamen bei den Rechten auf Sympathien stösst, wehrt sich mit Grosz gegen die Instrumentalisierungsversuche durch die Partei und deren Untergrabungsversuche der Justiz. Privat versetzt ihn sein Sohn jedoch in grössere Probleme, wenn der sich mit apolitischer Gleichgültigkeit auf der Couch fläzt, und meint: «Die haben doch recht.»

Ein Tatort, in dem ein bisschen zu viel «Das ist mein Deutschland» gesagt wird, dem es aber gelingt, die leicht zu überschreitende Linie zwischen Mordfantasie und Mord, verbalen Entgleisungen und ballistischer Entladung aufzuzeigen.

Julia Stephan

Hinweis

Tatort aus Norddeutschland – «Dunkle Zeit». SRF 2, 20.10 Uhr.

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