St.Galler Lehrer-Band will der «heuchlerisch-heilen Schlagerwelt» ans Bein pinkeln

Unter dem Bandnamen «Der Schwager und Konsorten» bringen die vier Musiker ihre erste Platte als Doppelalbum heraus mit teils provokativen Texten heraus – ein Leckerbissen für Vinyl-Fans.

Leoni Noger
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«Der Schwager und Konsorten» (von links nach rechts): Morten Qvenild, Urs Germann, Simon Noger, Oli Rohner.

«Der Schwager und Konsorten» (von links nach rechts): Morten Qvenild, Urs Germann, Simon Noger, Oli Rohner.

Bild: Claudio Bäggli

Wenn es einen schrägen Vogel in einer Familie gibt, den man mag, der aber oft abstruse Sachen von sich gibt, dann kann das nur der Schwager sein. Dies dachte sich der 46-jährige Primarschullehrer Urs Germann, als er vor über acht Jahren für seine Ein-Mann-Band einen Namen suchte. Das Musikprojekt des St.Gallers hat sich ausgedehnt und heute musiziert der Schwager mit seinen «Konsorten» Morten Qvenild an den Tasten, Simon Noger am Bass und Oli Rohner am Schlagzeug.

«Wie es der Zufall will, reimt sich Schwager auch auf Schlager», sagt Gitarrist und Sänger Urs Germann. «Mit den deutschen Texten meiner Songs wollte ich der heuchlerisch-heilen Schlagerwelt eins ans Bein pinkeln.» Die Lieder im Singer-Songwriter-Stil hören sich aufs erste wie Schlager an: seicht, harmlos und kitschig. Doch Germann will zeigen, dass Friede, Freude, Eierkuchen nicht dem echten Leben entspricht. Am Ende der ersten Strophe kippten die Songtexte oft ins Unerwartete eindeutig zweideutig: «Immer humorvoll und überspitzt, aber niemals vulgär oder primitiv», sagt der St.Galler.

Provokative Texte

Dass der Autor dieser auch provokativen Texte eine Lehrperson ist, mag irritieren. Doch Germann trennt die beiden Welten klar: «Was in den Liedtexten steht, sind keine Gedanken, die ich beim Arbeiten in der Schule habe. Das sind zwei Paar Schuhe.»

Für alle vier Lehrer ist die Musik ein grosses Hobby geworden. Morten Qvenild ist ausgebildeter Musiker und besitzt ein kleines Tonstudio nahe des St.Galler Stadtparks, wo die Band während des letzten Jahres ihre neunzehn Songs aufgenommen hat. Laut Germann war es das Ziel, so viel wie möglich live und mit analogen Instrumenten einzuspielen. «Wir haben auch mal Blasinstrumente, Akkordeon und Mandoline selbst gespielt», sagt er, «vielleicht etwas Old School, aber so, wie es der Schwager eben mag.»

Der Traum aller Vinyl-Freaks

Auf allen Streamingplattformen aber auch auf Vinyl erhältlich: das erste Album von «Der Schwager und Konsorten».

Auf allen Streamingplattformen aber auch auf Vinyl erhältlich: das erste Album von «Der Schwager und Konsorten».

PD

Die insgesamt 72 Minuten Musik von «Der Schwager und Konsorten» haben ein ganzes Doppelalbum gefüllt. Die Songs sind auf allen Streamingplattformen zu finden, doch Germanns Medium war von Anfang an die Schallplatte: «Jeder Vinyl-Freak bekommt bei unserer Platte feuchte Augen!» Die Band hat auf ihrer Scheibe vielerlei Schnickschnack eingebaut: Einen «Hidden-Track», einen seltenen «Inside-out-cut», also eine Plattenseite, die von innen gegen aussen spielt, oder drei Songs, die nicht gestreamt werden können. Germann sagt:

«Es ist nicht anstrengend, unsere Musik zu hören, und sie macht auch nicht nachdenklich. Wir bieten Unterhaltung und wollen gute Stimmung verbreiten.»

Im ausverkauften Theater 111 in St.Gallen hat «Der Schwager und Konsorten» ihr Programm das erste Mal live gespielt. Rund um die Songs hat die Band eine kleinkunstartige Performance entwickelt.

Germann schreibt bereits an neuen Songtexten. Vielleicht gebe die Band damit eine Single heraus: «Doch erst einmal wünschen wir uns, mit der aktuellen Platte zu touren und einige Konzerte zu spielen.»

Platte erhältlich unter: https://derschwager.bandcamp.com/releases