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St.Galler Komponist verfilmt sein Requiem: Hier geht die Seele nach dem Tod ins Licht

Christoph Schnell hat sein letztes Jahr uraufgeführtes «Requiem X» jetzt auch verfilmt, ohne dabei die packende Musik zu überdecken. Morgen ist Premiere in der Kantonsbibliothek St.Gallen.
Martin Preisser
Ein Allrounder: Komponist Christoph Schnell.Bild: Lisa Jenny

Ein Allrounder: Komponist Christoph Schnell.Bild: Lisa Jenny

Der Tod hat in diesem Film und in dieser Musik nichts Erschreckendes. Die Seele geht ins Helle. Normalerweise untermalt Musik den Film, bei Christoph Schnells «Requiem X» ist es genau umgekehrt. Die Musik ist das Drehbuch, sie wird filmisch untermalt. Und dieses «Drehbuch» ist packend und fesselnd.

Schnell hat ein Requiem komponiert, das aus einem Guss geschaffen scheint, dicht, vorwärtsdrängend und klangintensiv, eben wie ein spannender Plot. Im Juni 2018 wurde es in der St.Galler Linsebühlkirche uraufgeführt. Vom Vorarlberger Arpeggione Kammerorchester und vom Londoner Sonoro Chor unter der Leitung des St.Galler Geigers und Dirigenten Robert Bokor.

Begeisternde japanische Taiko-Trommeln

Dass ein Komponist, der auch Informatiker ist, sein eigenes Werk verfilmt, ist recht einmalig und zeigt Christoph Schnell als einen Allroundkünstler, der mit dem Visuellen wie mit dem Musikalischen gleich souverän umzugehen scheint. Man sieht in Schnells bereits 18. Film als Rahmenhandlung die Uraufführung in der Linsebühlkirche in Schwarz-Weiss. Seltsam fern, fast historisch wirkt das, obwohl es erst ein Jahr her ist. Besonders begeisternd wirkt hier der Einsatz der japanischen Taiko-Trommeln. Das Rituelle, oft sehr plastisch dargestellt, bildet nicht nur hier den roten Faden durch das kraftvolle Requiem.

Bilder der Nasa begleiten die Reise der Seele

Dieser Film braucht keine «Handlung», die Musik selbst ist die Handlung. Dass sich das präzise so erschliesst, ist eine Leistung des Films. Christoph Schnell als Regisseur lädt die musikalische Dramatik um Leben und Tod mit animierten Standbildern, mit 3D-Scans und komplexen Computeranimationen auf. Besonders überzeugen in der Bildsprache, welche die musikalische Aussage nie einfach plakativ übermalt, Bilder der Nasa, die das Weite, das Kosmische der Requiems-Idee verstärken. Christoph Schnell vermeidet nicht die dunklen Elemente des Lebens und seiner Flüchtigkeit und Zerbrechlichkeit. Er zeigt Bilder von Krieg und Inferno, von Schnelllebigkeit und Verfall, oft mit symbolhaften Elementen.

Und doch kommt der Regisseur und Komponist immer wieder auf die Hoffnung zurück: Nach dem Tod wartet in diesem Requiem das Licht. Unvergängliches weitet sich ins Unendliche. Betörende Elemente des Schwebenden zeigen hier filmische wie musikalische Wirkung.

Eine thrillerartige Handlung

Wer die Uraufführung gehört hat, wird im Film nochmals an eine kompakte, konzentrierte und geschlossene Interpretation erinnert. Christoph Schnell überrascht in diesem «Requiem X» auch mit einem speziellen «Agnus Dei». Er hat es im Bolero-Rhythmus geschrieben. Dieser Teil bildet einen Kulminationspunkt des ganzen Requiems, intensiv und drängend, schlicht eindrucksvoll.

Kurz: Wer Musik um Leben und Tod als thrillerartige Handlung erleben und Sterben als Reise ins Lichtvolle sehen will, dem sei dieser Film empfohlen.

Hinweis

Fr, 19.30; So, 17 Uhr, Kantons­bibliothek Vadiana, Notkerstrasse 22, St.Gallen

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