St.Galler Kleintheater auf Erfolgskurs: «Die Kellerbühne ist der perfekte Theaterraum»

Die Kellerbühne St.Gallen zählt zu den ältesten bestehenden Kleintheatern der Schweiz. Das Budget im Lot, die Auslastung gesteigert: Schon wieder blickt der künstlerischer Leiter Matthias Peter auf eine erfolgreiche Spielzeit der zurück. Wie macht er das?

Julia Nehmiz
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Matthias Peter, künstlerischer Leiter der Kellerbühne, spielt auch in der aktuellen Saison seinen Dostojewski-Soloabend «Der Traum eines lächerlichen Menschen». (Bild: Hanspeter Schiess)

Matthias Peter, künstlerischer Leiter der Kellerbühne, spielt auch in der aktuellen Saison seinen Dostojewski-Soloabend «Der Traum eines lächerlichen Menschen». (Bild: Hanspeter Schiess)

Sie waren wieder erfolgreich. 145 Vorstellungen. 13'138 Besucherinnen und Besucher. Im Schnitt wurden die Vorstellungen von 91 Personen besucht, das entspricht einer Auslastung von 71 Prozent. Die kleine Kellerbühne (138 Plätze) hat sich in der vergangenen Saison erneut behauptet im Kulturbusiness, in dem immer mehr Veranstalter und Angebote um das Publikum buhlen.

Matthias Peter, seit 2004 künstlerischer Leiter der Kellerbühne, hat es geschafft, den Zuschaueranteil sogar zu steigern (in der Vorsaison lag die Auslastung bei 68 Prozent). Wie macht er das? «Ich habe einfach Glück, dass die Kellerbühne eine Institution mit Rückhalt in der Stadt ist», sagt er.

Viele Jahre Erfahrung: Martin Wettstein ist seit 1978 im Vorstand des Vereins Kellerbühne, seit 2010 dessen Präsident. Matthias Peter übernahm 2004 die künstlerische Leitung der Kellerbühne. (Bild:Benjamin Manser)

Viele Jahre Erfahrung: Martin Wettstein ist seit 1978 im Vorstand des Vereins Kellerbühne, seit 2010 dessen Präsident. Matthias Peter übernahm 2004 die künstlerische Leitung der Kellerbühne. (Bild:Benjamin Manser)

Die Kellerbühne ist eines der ältesten Kleintheater der Schweiz. 1965 startete sie den Spielbetrieb, damals als erste und einzige alternative Kulturinstitution neben Stadttheater, Tonhalle und Figurentheater. Das blieb sie fast 20 Jahre, bis die Grabenhalle eröffnete. 1997 kam das Theater Parfin de Siècle dazu. Dann kumulierten sich die Off-Spielstätten und Kulturlokale.

«Immer, wenn etwas Neues aufging, habe ich kurz befürchtet, dass wir Zuschauer verlieren.»

Doch das trat nie ein. Als Matthias Peter die Kellerbühne 2004 übernahm, steigerte er die Zuschauerzahl von 8000 auf 10000. Jetzt hat sie sich bei 13000 bis 14000 eingependelt. Ein Vorteil: «Wir sind die einzigen, die sich Kabarett auf die Fahne geschrieben haben», sagt Peter. Doch neben Kabarett/Comedy setzt er auch auf die Sparten Chanson, Theater, Konzert sowie Lesungen.

Tritt ein «Saalfüller» auf, kommt anderes Publikum

«Das Publikum wechselt, ich bin oft in Vorstellungen, wo ich niemanden kenne», sagt Martin Wettstein. Er ist ein Urgestein der Kellerbühne, seit 1978 im Vorstand des Trägervereins, seit 2010 dessen Präsident. Sein Vorstand schiele nicht nur auf die Zuschauerzahlen, sagt Peter.

«Der Vorstand steht toll hinter mir.»

Dieser behält die Finanzen im Auge: Die Kellerbühne wird jährlich subventioniert mit 80000 Franken von der Stadt, 70000 vom Kanton. Der Eigenfinanzierungsgrad liegt bei 74 Prozent, «einer der höchsten der Region», sagt Peter.

Die Highlights der Saison 2019/2020

Am 4. September startet die Kellerbühne in die Spielzeit 2019/2020 mit Joachim Rittmeyer. Der St. Galler Kabarettist zeigt erneut sein Programm «Neue Geheimnische». Mit Marc Haller alias «Erwin aus der Schweiz» gibt es zum ersten Mal Zauberei in der Kellerbühne. Die Politkabarettisten Sibylle und Michael Birkenmeier zeigen ihr Bühnen-Abschiedsprogramm. Hanspeter Müller-Drossaart spielt zwei Solostücke. Im Februar feiert Manuel Stahlberger mit seinem neuem Programm «Eigener Schatten» in der Kellerbühne Premiere. Matthias Peter inszeniert das Schauspiel «Smith & Wesson». (miz)

Infos und Termine: kellerbuehne.ch

Sein Stammpublikum schätzt Sprechtheater – dafür schlägt auch das Herz des künstlerischen Leiters. Wenn ein «Saalfüller» auftritt, ein bekannter Comedian aus dem TV, ziehe der ein anderes Publikum an.

Simon Enzler feierte schon öfters in der Kellerbühne Premiere: Hier 2015, zuletzt im Februar 2019. (Bild: Ralph Ribi)

Simon Enzler feierte schon öfters in der Kellerbühne Premiere: Hier 2015, zuletzt im Februar 2019. (Bild: Ralph Ribi)

Viele bekannte Künstler kommen immer wieder, obwohl sie grössere Säle füllen könnten. Peters Erklärung: «Die Kellerbühne ist der perfekte Theaterraum.» Das alte Gewölbe umschliesst Bühne und Publikum. Dieses schätzt, dass es nah an den Künstlern sitzt.

Trotzdem: Auch in der Kellerbühne ist nicht alles ausgebucht. Peter musste schon Auftritte absagen, weil fast keine Tickets bestellt wurden. Einen Künstler, den Peter sehr schätzt, lädt er nicht mehr ein: «Ich schäme mich, die Zuschauer haben sein Programm nie angenommen.» Kein Problem, meint Martin Wettstein: «Es darf auch Flops geben.»

Das kommt vor, aber unter Matthias Peter selten. Sein Vertrag läuft noch bis 2022 – und so wie es aussieht, wird er nochmals verlängert.