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Grabkreuze und ein riesiger Totenkopf: So sieht das diesjährige Bühnenbild der St.Galler Festspiele aus

Felder mit Kreuzen, ein riesiger Totenkopf vor den Türmen der Kathedrale: Giuseppe Verdis Oper «Il trovatore» spielt sich vor grausiger Kulisse ab. Und dann geben die St.Galler Festspiele auch noch politisch zu reden.
Rolf App
Totenkopf vor Kathedrale: Das ist das Bühnenbild der 14. St.Galler Festspiele. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)

Totenkopf vor Kathedrale: Das ist das Bühnenbild der 14. St.Galler Festspiele. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)

Der Mittwochabend ist schön und warm – bis um 22 Uhr ein heftiges Gewitter über dem Stiftsbezirk niedergeht. Überall liegen junge Menschen im Gras, die der ersten Bühnen-Orchester-Probe der St. Galler Festspiele lauschen. «So soll es sein», sagt tags darauf ­Werner Signer, geschäftsführender Direktor des Theaters, den die wieder aufgeflammten Diskussionen um den privilegierten Zugang der Festspiele zur Wiese zwischen Regierungsgebäude und Kathedrale nicht beunruhigen.

«Die Debatte unterstreicht die Wichtigkeit dieses Platzes, den wir in enger Abstimmung mit Kanton, Kirche und Stadt heuer zum vierzehnten Mal bespielen. Und zwar wieder mit einem Stück, das einen Bezug hat zu diesem Ort.» Sieben Abende zu je drei Stunden ist der Platz dann gesperrt.

«Im Prinzip ist das eine wunderbare Idee»

«Im Prinzip» findet Signer es auch «eine wunderbare Idee», jeweils eine Vorstellung auf Grossleinwand auf einen öffentlichen Platz zu übertragen. Die Frage ist nur: Wer soll das bezahlen? «Wir haben beim Opernhaus Zürich nachgefragt; da geht es um einen grösseren sechsstelligen Betrag», erklärt er.

«Und weil unsere Festspiele zu achtzig Prozent selbstfinanziert sind, haben wir schlicht das Geld nicht.»

Ausserdem müsste geklärt werden, ob es dadurch zu Ertragsausfällen käme. Und schliesslich ginge bei einer Übertragung die besondere Aura dieses Platzes verloren.

Geprägt wird diese Aura von jener Bühne, die Frank Philipp Schlössmann für Giuseppe Verdis «Il trovatore» entworfen hat, und auf der Aron Stiehl Regie führt. «‹Il trovatore› hat Kraft und Wucht», sagt Schlössmann. «Die Oper spielt im spanischen Bürgerkrieg irgendwann im Mittel­alter. Sie klingt wie eine düstere Moritat, in der es vor allem um eines geht: den Tod.»

Vor den Türmen der Kathedrale ein riesiger Totenkopf

Diesen Tod setzt das Bühnenbild eindrucksvoll in Szene. Da sind zwei durch einen Graben getrennte Felder mit Grabkreuzen, hinter denen sich vor den Türmen der Kathedrale wie in einem Totentanz ein riesiger Schädel ­erhebt, von dem riesige Vogelschwingen ausgehen.

Frank Philipp Schlössmann hat das Bühnenbild entworfen für «Il trovatore» auf dem St.Galler Klosterhof.

Frank Philipp Schlössmann hat das Bühnenbild entworfen für «Il trovatore» auf dem St.Galler Klosterhof.

Raffiniert sind im dreischaligen Bühnenbild Auf- und Abgänge versteckt, durch die uns Georges Hanimann lotst, der für den Bühnenbau verantwortlich ist. «Grosse technische Herausforderungen haben wir diesmal nicht bewältigen müssen», sagt er.

«Das Hauptproblem war vielmehr, wie wir im Malsaal diese grossen Flächen hinbekommen.»

Regisseur Aron Stiehl arbeitet nicht zum ersten Mal am Theater St. Gallen, aber er inszeniert zum ersten Mal auf dem Klosterhof. «Ich habe vier Jahre als Assistent und Spielleiter bei den Bregenzer Festspielen gearbeitet und gedacht, ich könne viel übernehmen», erzählt er. «Dann aber habe ich erkannt: Man sitzt in St.Gallen näher an der Bühne dran, also musste ich bei der Entwicklung der Szenen kammerspielartiger denken.»

Warum «Il trovatore» so modern ist

Die Wahl von «Il trovatore» weicht zwar vom Konzept der Festspiele ab, sich mit Opern-Raritäten abzuheben. Aber inhaltlich passt die Oper nach Aron Stiehls Meinung gut in diese sakral geprägte Umgebung, die Tod und Leben verbindet.

Muss bei der Entwicklung der Szenen in St.Gallen kammerspielartiger denken als in Bregenz: Regisseur Aron Stiehl.

Muss bei der Entwicklung der Szenen in St.Gallen kammerspielartiger denken als in Bregenz: Regisseur Aron Stiehl.

Auch das Politische des Regierungsgebäudes findet sich gespiegelt: «Il trovatore» erzählt von zwei getrennt aufwachsenden Brüdern, die um eine Frau bis aufs Blut kämpfen. «Da werden Brüder zu Feinden erzogen», erklärt Stiel, «das macht diese Oper ­modern. Man sieht heute, wie sehr die Menschen von Populisten zum Hass angeleitet werden, indem man ihnen sagt: Deine Kultur ist besser als alle andern.»

Diesen Hass bringt Verdi in seiner Musik zum Ausdruck. Doch es gibt auch eine «Insel der Seligen», die man bei der nachfolgenden Probe zu sehen bekommt. Das Totenkopf-Tor geht auf, die umworbene Leonora tritt hervor, Inbegriff des Sanften, Friedlichen. Bevor im dritten Akt die letzte Schlacht geschlagen wird und alles in Gewalt versinkt, gedenken sie und Manrico ihrer Liebe.

«Ich würde das gerne noch einmal machen», sagt via Lautsprecher der Dirigent Michael Balke, dessen Bewegungen über Bildschirme übertragen werden. Er sitzt samt Orchester in einer Box im angrenzenden Polizeihof.

Aron Stiehl hat «Il trovatore» schon einmal inszeniert. Beim ersten Mal sei es schiefgegangen, gesteht er freimütig ein. «Was auch damit zusammenhing, dass man – wie Enrico Caruso gesagt hat – die vier besten Sänger der Welt benötigt.» In St. Gallen aber sei eine hervorragende Besetzung am Werk.

Festspiele St.Gallen: Premiere von «Il trovatore» am Freitag, 28. Juni 2019, 20.30 Uhr. Weitere Vorstellungen bis 12. Juli 2019

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