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Abschied: Dirigent Robert Jud hat Laien zu Höchstleistungen angespornt

Ein Vierteljahrhundert hat Robert Jud das Orchester Musikfreunde St. Gallen geprägt und gezeigt, dass man auch mit Laien anspruchsvolle Orchesterliteratur spielen kann. Am Donnerstag verabschiedet sich der humorvolle Dirigent mit tschechischer Musik.
Martin Preisser
Dirigent Robert Jud: Seit 25 Jahren Garant für anspruchsvolle Orchesterarbeit mit Laien. (Bild: Benjamin Manser)

Dirigent Robert Jud: Seit 25 Jahren Garant für anspruchsvolle Orchesterarbeit mit Laien. (Bild: Benjamin Manser)

Langweilig wird es Robert Jud ­sicher nicht, wenn er am Donnerstag nach einem Vierteljahrhundert am Pult des Orchesters Musikfreunde St. Gallen den Dirigierstab aus der Hand legen wird. Er übt täglich zwei Stunden Orgel und lernt Rätoromanisch. Das Vallader, das man im Unterengadin spricht, hat ihn schon während des Landdienstes wegen des kernigen Klangs begeistert. Inzwischen kann der 70-jährige Musiker, der lange an der Kantonsschule am Burggraben unterrichtete, romanische Zeitungen lesen. Was ihn auch begeistert, ist das Programmieren und Zusammenbauen von kleinen Robotern.

Die letzten 25 Jahre hat Robert Jud, der älteste Sohn von zwölf Kindern, mit Laien Sinfonien «zusammengebaut». Etwa das erste Tschaikowsky-Klavierkonzert, die zweite Sinfonie von Brahms oder die opulent besetzten «Vedrate di Chiesa» (Kirchenfenster) von Ottorino Respighi mit Laien auf ein echtes Konzert-Niveau zu bringen, das ist ihm gelungen und sein Markenzeichen in der St. Galler Musiklandschaft geworden.

«Mit Laien darf man nicht alles auf einmal wollen»

«Laien haben das Gespür, man muss es nur herauskitzeln können», sagt Robert Jud, Vater von fünf Kindern. «Ich brauche einfach mehr Geduld als mit Profis, wenn ich taktweise üben lasse oder den Laien auch mal in Erinnerung rufe, dass die Note Eis wie ein F klingt.» Mit Laien zu arbeiten heisse auch, nicht alles auf einmal zu wollen, sondern sich der Partitur Schritt für Schritt anzunähern. «Es ist interessant, dass Laienmusiker viele Partien aus sinfonischer Musik für sich alleine nicht spielen können, aber im Kollektiv dann über sich hinauswachsen», erzählt Jud.

Mit der Präzision komme die Spielfreude, sagt der Dirigent, der seine Ansichten im Gespräch gerne in humorvolle Sätze packt. Diese Präzision hat er die vergangenen 25 Jahre aufgebaut und vor allem den Streicherklang optimiert. Als Kantonsschullehrer hatte Robert Jud immer auch die Möglichkeit, begabte junge Spieler ins Orchester aufzunehmen. Manche sind nach dem Studium zu den Musikfreunden zurückgekehrt, etwa der jetzige Präsident des Orchesters, Gaudenz Weber.

Das Theater war nicht seine Welt

Robert Jud konnte über all die Jahre immer auch seine Erfahrungen mit Berufsorchestern in die Arbeit mit dem Orchester Musikfreunde einbringen. Heute sagt er: «Ich hätte als Dirigent von Profiorchestern eine sehr steile Karriere machen müssen, um die Werke zu realisieren, die ich mit dem St. Galler Laienorchester in der Tonhalle gespielt habe.» Vor seiner St. Galler Zeit war Jud drei Jahre Kapellmeister in Regensburg und sechs Jahre in Innsbruck. Die Welt des Theaters hat ihn nicht angezogen. «Ich habe gemerkt, ich bin kein Theatermensch, Theater ist mir immer wie ein Ghetto erschienen.»

Trotzdem erinnert er sich gerne an einen Höhepunkt der Innsbrucker Zeit, als er Bergs «Wozzeck» dirigierte. «Am Anfang kam ich kaum durch die Partitur, am Schluss hätte ich jede falsche Note gehört. Diese Oper ist ein absolutes Weltstück.»

Robert Jud, der aus Altstätten stammt und neben Klavier und Orgel sehr gut Geige spielt (was ihm bei der Orchesterarbeit zugute kommt), hat mit dem Orchester Musikfreunde St. Gallen immer auch jungen Nachwuchssolisten ein Podium geschaffen, auf dem sie erste solistische Erfahrungen sammeln konnten.

Pianist Benjamin Engeli zum sechsten Mal zu Gast

Der heute bekannte Trompeter Immanuel Richter ist als junger Musiker mit ihm aufgetreten oder die heute renommierten Pianisten Manuel Bärtsch, Adrian Oetiker und Benjamin Engeli. Der ist am Donnerstag Solist in Antonín Dvořáks selten gespieltem, aber faszinierendem Klavierkonzert und damit zum sechsten Mal dabei. «Benjamin Engeli tickt musikalisch wie ich», freut sich Robert Jud auf den ­Solisten. «Er ist bescheiden, er spielt einfach los und bringt das Klavier wunderbar zum Singen.»

Lampenfieber hat Robert Jud in all den Jahren nicht gekannt. Sobald er am Pult stehe, könne er die Musik einfach laufen lassen. Neben Dvořák erklingen am Donnerstag auch Smetanas «Vyšehrad» und die «Moldau». Sein Nachfolger beim Orchester Musikfreunde St. Gallen steht bereits fest: «Es ist Robert der Zweite», sagt Robert Jud. Mit Robert Bokor, selbst ein hervorragender Geiger und Dirigent des Kammerorchesters Arpeggione in ­Hohenems, bleibt das Orchester in St. Galler Händen. Bokor war Juds Wunschkandidat.

Abschiedskonzert: Do, 6.12., 20 Uhr, Tonhalle St. Gallen

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