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ST.GALLEN: "Wir wollen nicht nur Erwartungen bedienen"

Ende Oktober 2006 eröffnete das Kulturlokal Palace am Blumenbergplatz seinen Probebetrieb. Ein Gespräch über die Anfangszeit, kritische Stimmen und darüber, wie man musikalische Strömungen wahrnimmt.
Andreas Stock
Blick vom Balkon auf den Barbereich im Palace. Vor zehn Jahren wurde das Kulturlokal eröffnet. (Bild: Hanspeter Schiess)

Blick vom Balkon auf den Barbereich im Palace. Vor zehn Jahren wurde das Kulturlokal eröffnet. (Bild: Hanspeter Schiess)

Mit «Gastrecht» startet morgen im Palace eine «Carte blanche»-Reihe. Ein Gespräch mit Damian Hohl und Annick Bosshart von der Betriebsleitung.

Damian Hohl, was ist Ihre prägendste Erinnerung an den Start des Palace?

Hohl: Besser als an den ersten Abend erinnere ich mich an die zwei nächsten und das Konzert von Grizzly Bear. Die inzwischen berühmte Band war das erste Mal in Europa und hatte ein Foto unseres Backstage-Raums im ehemaligen Vorführraum des Kinos auf ihre Homepage gestellt, weil er ihnen so gut gefallen hatte. Ich erinnere mich auch, wie wir im Sommer 2006 in verschiedenen Räuberhöhlen der Stadt darüber diskutierten, welche Bands wir einladen könnten.

Zwei Jahre lang war es ein Probebetrieb. Was war die grösste Herausforderung?

Hohl: Es war fast so etwas wie eine Laborsituation, und wir haben einfach ausprobiert. Das Palace wurde nicht als fertiges Konzept eröffnet, sondern hat sich entwickeln müssen. Während uns die Programmation relativ leicht fiel, waren die Herausforderungen administrativer Natur. Plötzlich mussten wir uns mit Musikrechten und der Buchhaltung auseinandersetzen. Ein Vorteil war, dass Leute mit dabei waren, die Erfahrungen aus der «Frohegg» im Bleicheli und dem «Hafenbuffet» Rorschach mitbrachten.

Annick Bosshart, es gibt eine romantische Vorstellung davon, wie es ist, im Palace mitzuarbeiten. Die Realität besteht dann aus Formalitäten?

Bosshart: Ich hatte als Gast auch diese romantische Vorstellung. Als ich zunächst hinter der Bar und später in der Betriebsleitung arbeitete, habe ich gemerkt, was es alles braucht. Die Gefühle, wenn ein Konzert einem selbst und dem Publikum gefällt, sind aber noch viel schöner, wenn man um die Arbeit davor weiss.

Hohl: Das Musikbusiness kann mühsam sein. Aber es gibt viele Momente, die solche Mühen überstrahlen. Wenn die Band ankommt, die Gäste erwartungsvoll ins Palace strömen, es ein gelungenes Konzert wird.

Annick Bosshart und Damian Hohl. (Bild: Andreas Stock)

Annick Bosshart und Damian Hohl. (Bild: Andreas Stock)

Das Publikum hat gewisse Erwartungen, was im Palace zu erleben ist. Doch ihr versucht, solche Erwartungen zu brechen. Ein Balanceakt?

Hohl: Es ist ein Balanceakt, ja. Wir machen ein Programm, das viele Interessen abzudecken versucht, aber wir wollen nicht nur Erwartungen bedienen. Es ist in unserem eigenen Interesse, in Bewegung zu bleiben. Wir nehmen neue Strömungen oft frühzeitig auf, aber sie verlieren sich manchmal auch wieder.

Bosshart: Es ist unser Anspruch, Neues zu zeigen und beim Publikum das Interesse für Neues zu wecken. Natürlich gibt es jene, die gerne Vertrautes haben. Aber zumindest ein Teil des Publikums erwartet von uns auch, dass sie Unerwartetes und Überraschendes erleben können.

Was ist im Moment für eine Strömung zu beobachten?

Hohl: Das lässt sich nicht an einer bestimmten Strömung festmachen. Das Programm spiegelt die Interessen der Programmgruppe wider, die sich intensiv mit Populärmusik auseinandersetzt. Letzte Saison war auffallend viel Gitarrenmusik zu hören, während zu Beginn dieser Saison mehr hybride, globale Sounds aus Südamerika und Afrika im Fokus stehen. Aber wir wollen die Breite an relevanter neuer Musik spiegeln.

Welche Kritik hört ihr am häufigsten?

Bosshart: Was die Programmation betrifft, am ehesten, dass wir zu elitär seien. Was wohl damit zu tun hat, dass manche Konzerte sich nicht gleich erschliessen. Das ist uns bewusst, weshalb wir viele Bemühungen in die Gegenrichtung unternehmen. Das Palace soll ein offenes Haus sein. Darum halten wir beispielsweise die Eintrittspreise bewusst niederschwellig und verzichten auf Türsteher. Dennoch wollen wir natürlich auch Kanten bieten für jene, die solche suchen.

Hohl: Dahinter steckt keine Strategie, sondern ein Selbstverständnis. Natürlich ist es so, dass man vor den Kopf gestossen sein kann, was auf der Bühne passiert. Aber das ist der Anspruch an uns und an unser Publikum: dass ein Konzert auch für Irritationen sorgen darf, dass darüber diskutiert wird, aber dass man vor der Bühne auch tanzen kann.

Eine Kritik aus der Anfangszeit kam von Ostschweizer Bands, die sich ausgeschlossen fühlten. Diese Kritik scheint nun weniger laut?

Hohl: Das kann ich bestätigen. Aber als wir eröffneten, ging es erst einmal darum, sich die ganze Welt zu erschliessen. Wir haben das Palace schon immer als einen Ort gesehen, der über die Stadt und die Region hinausgeht. Mittlerweile haben sich beispielsweise Plattentaufen von Ostschweizer Bands etabliert, denen wir eine Plattform bieten, wenn sie in unser Programm passen.

Und wohin geht die Zukunft?

Bosshart: Das Palace soll ein offenes, solidarisch betriebenes Haus bleiben, das auch politische Diskussionen zulässt. Auf der Suche nach Neuem wollen wir am Bestehenden weiterarbeiten. Das «Gastrecht»-Projekt bringt das exemplarisch zum Ausdruck.

Hohl: Das Jubiläumsprogramm ist ein gutes Beispiel. Es ist ein gemeinschaftliches Projekt mit Beteiligten, die teils erstmals in der Planung mitwirken. Es tauchen immer mal Leute auf, die sich für das Haus interessieren, hier zu arbeiten beginnen und hineinwachsen. Dieses Interesse wird das Palace am Leben erhalten.

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