ST.GALLEN: Lack und Leder in der Lokremise St.Gallen

Die Tanzkompanie St.Gallen inszeniert die letzten Tage des römischen Kaisers Caligula als Sex-Orgie in Lack und Leder. Das Stück überzeugte bei der Uraufführung am Mittwoch mit kraftvollem Tanz und starken Bildern.

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Aufnahme bei den Probearbeiten zum Tanzstück Caligula in der Lokremise. (Bild: Urs Bucher)

Aufnahme bei den Probearbeiten zum Tanzstück Caligula in der Lokremise. (Bild: Urs Bucher)

Caligulas Herrschaft war geprägt von willkürlichen Urteilen, grausamen Hinrichtungen und ausufernder Gewalt. Nach nur vier Jahren Herrschaft wurde der römische Kaiser Caesar Augustus Germanicus, besser bekannt unter dem Namen Caligula, ermordet. Der kroatische Choreograf Ronald Savkovic hat die Geschichte einer der berüchtigtsten Herrscher der römischen Antike auf besondere Weise inszeniert.

Frauen und Männer in Lack und Leder mit Masken beherrschen die Szenen im Tanzstück «Caligula», das am Mittwochabend in der Lokremise St.Gallen uraufgeführt wurde. Unweigerlich tauchen Assoziationen zur Bestseller-Trilogie «Fifty Shades of Grey» auf, mit welcher die britische Autorin E. L. James die Welt der Sado-Maso-Szene sozusagen salonfähig gemacht hat.

Ähnlichkeiten gibt es auch zwischen den Hauptfiguren. Christian Grey wie Caligula sind machtgierige Männer mit Hang zu pervers-brutalen Sexpraktiken. Im Grunde sind beide nichts weiter als gross gewordene traumatisierte Kinder auf der Suche nach Liebe und Anerkennung.

Wie im Roman und in der Verfilmung des Bestsellers gelingt es dem kroatischen Choreografen Ronald Savkovic die Schatten des grausamen römischen Kaisers Caligula in faszinierende Bilder zu verwandeln. Der temporeiche und kraftvolle Tanz ist nicht nur höchst ästhetisch, sondern auch unterhaltsam. Bühnenbildner Armand Vilaf steckt den Rahmen mit einer minimalen Ausstattung und transparenten Vorhängen. Die Musik von Miroslav Bako ist eindringlich, zuweilen aber etwas zu laut.

Starke Tänzerinnen und Tänzer

Die 15 Tänzerinnen und Tänzer in schwarz oder weiss ziehen das Publikum in einen Sog. Ausdrucksstark, kraftvoll und unermüdlich lassen sie die Zuschauer während des gut einstündigen Stücks an ihrem Schicksal teilhaben. Ab und zu fallen unnötigerweise Sätze wie: «Denke daran, dass mir alles erlaubt ist und gegen alle».

Den wechselnden Launen des unberechenbaren Mannes kann sich lange keiner entziehen. Es dauert unerträglich lang, bis die Patrizier sich endlich gegen die fortgesetzten Demütigungen zu wehren beginnen. «Caligula» wird noch fünf Mal aufgeführt.

www.theatersg.ch