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ST.GALLEN: «Abracadabra» in der Stiftsbibliothek

Die Stiftsbibliothek widmet ihre Sommerausstellung der Geschichte der Medizin im Mittelalter. «Abracadabra – Medizin im Mittelalter» spannt anhand von einmaligen Handschriften den Bogen vom Medizinalwissen in der Antike bis zur spätmittelalterlichen Heilpraxis.
Der Arzt mit den Attributen Uringlas, Medizinflasche und Büchern. Putte im Barocksaal der Stiftsbibliothek St.Gallen um 1770. (Bild: Stiftsbibliothek St.Gallen)

Der Arzt mit den Attributen Uringlas, Medizinflasche und Büchern. Putte im Barocksaal der Stiftsbibliothek St.Gallen um 1770. (Bild: Stiftsbibliothek St.Gallen)

ST.GALLEN. Die Ausstellung befasst sich mit der Entwicklung von Medizin und Krankensorge von etwa 500 bis 1500. Die Geschichte der mittelalterlichen Medizin sei voll von Merkwürdigkeiten, Widersprüchen und Überraschungen, sagte Stiftsbibliothekar Cornel Dora am Dienstag vor den Medien.

Die Stiftsbibliothek St.Gallen besitzt eine der grössten Sammlungen medizinischer Texte aus dem Frühmittelalter. Die Heilkunde stand auf zwei Beinen: Zum einen auf der schriftlich überlieferten Antiken Medizin, zum anderen auf volksmedizinischem Wissen, das mündlich weitergeben wurde.

Magie und Medizin
Die Wirksamkeit der Therapien war beschränkt, weshalb Kranke für allerhand magische Praktiken und Wunderheilungen empfänglich waren. «Abracadabra ist ursprünglich kein Zauberwort aus einem Märchen, sondern sollte vielmehr gegen Malaria helfen», sagte Dora. Das Wort erscheint zum ersten Mal im Liber medicialis, einem medizinischen Handbuch des römischen Gelehrten Quintus Serenus um 200 nach Christus.

Bei der Überlieferung dieses Werkes spielt das Kloster St.Gallen eine wichtige Rolle. Zwei der ältesten Handschriften sind laut Dora nämlich st.gallischen Ursprungs. Beide befanden sich vermutlich seit dem 9. Jahrhundert in der St.Galler Klosterbibliothek und gehörten zur Sammlung von medizinischer Literatur, auf die sich auch Notker der Arzt stützen konnte.

Die Klöster waren vom 6. bis 11. Jahrhundert die wichtigsten Orte der medizinischen Praxis. Sie bewahrten das Wissen und die Mönchsärzte wendeten es an. Im 7. Jahrhundert richtete der St.Galler Gründerabt Otmar das älteste schriftlich bezeugte Spital für Aussätzige der Schweiz ein.

Wegen der Ansteckungsgefahr mussten Aussätzige getrennt vom Rest der Bevölkerung leben. Das Spital befand sich ausserhalb des Klosters im Blauen Haus (heute Chocolaterie). «Abt Otmar wandte sich gegen die Ausgrenzung der Kranken und pflege sie dort persönlich», sagte Dora.

Aderlasshaus und Klostergarten
Zu den wichtigsten Zeugen der frühmittelalterlichen Spitalgeschichte gehört der St.Galler Klosterplan. Dieser zeigt eine ausgereifte Spitalanlage unter anderem mit Krankensaal, Aderlasshaus, Ärztehaus, Apotheke und Heilkräutergarten.

Dank dieser und anderer Zeugnisse werde deutlich, dass die Klostermedizin in St.Gallen auf hohem Niveau betrieben wurde, sagte der Stiftsbibliothekar. Der St.Galler Benediktinermönch Notker der Arzt, der auch am Hof Kaiser Otto des Grossen wirkte, gilt als wichtigster Vertreter der frühmittelalterlichen Klostermedizin.

Die Ausstellung widmet sich auch der christlichen Krankensorge, welche in der Medizingeschichte oft vergessen worden sei. Mit der Geschichte des barmherzigen Samariters und andere Episoden aus der Bibel zeigt die Ausstellung anhand von Aufzeichnungen die Einbettung der Krankenpflege in ein religiöses Wertesystem.

Zur Ausstellung ist ein reich illustrierter Katalog erschienen, der anhand der Quellen der Stiftsbibliothek einen Überblick über die mittelalterliche Medizingeschichte gibt. Zusammen mit der Universität St. Gallen veranstaltet die Stiftsbibliothek vier öffentliche Vorlesungen. (sda)

Die Ausstellung findet vom 8. März bis zum 6. November 2016 statt.

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