Sternenhimmel in der Galerie: Künstler Helmut Wenczel aus Eschikofen zeigt seine Weltallbilder

In der aktuellen Ausstellung in der Galerie Kunstgrenze in Konstanz gehen vier Künstlerinnen und Künstler unterschiedlich an das Thema Weltall heran.

Judith Schuck
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Schicht um Schicht zu den Sternen: Helmut Wenczel aus Eschikofen lässt den Betrachter seiner Bilder in den Himmel eintauchen.

Schicht um Schicht zu den Sternen: Helmut Wenczel aus Eschikofen lässt den Betrachter seiner Bilder in den Himmel eintauchen. 

Bild: Donato Caspari

«We are stardust, we are golden, we are billion years old carbon», sangen Crosby, Stills, Nash & Young 1969 in Woodstock. Auch der Thurgauer Helmut Wenczel begreift sich als eine Existenz, die aus dem Sternenstaub ferner Galaxien entstanden ist. Das klingt nach Science-Fiction, ist aber inzwischen wissenschaftlich bewiesen. Unsere Bausteine, die Atome, bestehen aus Partikeln, die bei der Explosion einer Supernova ins Universum geschleudert wurden.

In der Ausstellung «Noch ein Stern» zeigt Wenczel fünf Werke unter dem Titel «Sterne». Seit 15 Jahren widmet sich der in Eschikofen bei Frauenfeld lebende Künstler dem Thema Weltall. In seinen Bleistiftzeichnungen und Aquarellen geht er vom hellsten Punkt aus und verliert sich allmählich in der Dunkelheit. «Ich arbeite sehr langsam, Schicht um Schicht», erklärt der 60-Jährige, denn erst mit der Zeit entstünde die richtige Tiefe. So kann der Betrachter in die funkelnden Sternenkonstellationen eintauchen.

Wenczel ist im Bündnerland aufgewachsen. «Dort sind uns die Sterne näher als hier unten.» Als Bub sei er ausserdem grosser Fan von Serien wie «Raumschiff Enterprise» gewesen. Heute beschäftigt ihn die Frage, wo wir herkommen. Gibt es noch anderes Leben im All?

Das Universum bezeichnet Wenczel als «Multiversum» – denn es gebe nicht nur eine Galaxie, sondern unendlich viele. Der Mensch nehme sich viel zu wichtig:

«Von der Evolution her betrachtet sind wir ein kleiner Haufen voller Elend. Wir sind noch gar nicht so lange hier.»

Diese Gedanken umkreisen den in seriellen Zyklen arbeitenden Künstler seit geraumer Zeit. «Beim Malen selbst denke ich an nichts. Das ist wichtig, denn Denken lenkt nur ab.» Um die Hell-Dunkel-Akzente richtig zu setzen, brauche es viel Konzentration. Zwar dienen ihm als Vorlage Aufnahmen des Hubble-Teleskops; die Motive, die er wählt, seien aber «Ausschnitte von irgendwoher. Die Benennung der Sterne ist nicht wichtig, sondern das, was das Bild seelisch transportiert.»

«Es ist mir ein inneres Bedürfnis, etwas zu vermitteln, was die Seele berührt», sagt Helmut Wenczel.

«Es ist mir ein inneres Bedürfnis, etwas zu vermitteln, was die Seele berührt», sagt Helmut Wenczel.

Bild: Donato Caspari

Was Wenczel darstellen möchte, sind Gefühle, nicht Wissenschaft: «Bei Sternenexplosionen entsteht sehr viel Energie. Es ist mir ein inneres Bedürfnis, etwas zu vermitteln, was die Seele berührt», sagt der Künstler. Er selbst schöpfe aus seinen Werken Energie für den Tag.

An der Wand gegenüber hängen die Werke des Fotografen Florian Schwarz. «Florian macht im Grunde das Gleiche wie ich, nur umgekehrt, im Negativ.» 2019 wurde das Kunstbuch «A Handful of Dust» des 40-jährigen Konstanzers für den Deutschen Fotobuchpreis mit Silber ausgezeichnet. Schwarz besuchte Sternenobservatorien auf der ganzen Welt und fotografierte deren Ansichten sowie die Menschen, die in der Umgebung der Beobachtungsstationen leben.

Skulpturen verweisen auf ausserirdisches Leben

Die beiden anderen in «Noch ein Stern» vertretenen Künstler stammen ebenfalls aus Konstanz: Zum einen der Kurator selbst, Johannes Dörflinger, der sich in Acrylbildern sowie poetisch mit den Himmelsgestirnen auseinandersetzt. Zum anderen Maren Maurer. Sie lebt heute in Köln und schuf eigens für die Ausstellung zwei skulpturale Installationen aus Keramik und Sand, die auf Leben ausserhalb der Erde verweisen.

Ausstellung bis 30.3.

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