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Sterben hilft gegen Zynismus

Lesbar Literatur

Lucy Fricke: Töchter. Rowohlt, 240 S., Fr. 30.–

«Wir waren die Töchter von Vätern, die erst im Ruhestand die Zeit fanden, mit uns zu reden.» Weil sie Schweine oder abwesend waren. Thema und Erzählperspektive: Töchter. Der Ton: sarkastisch, verletzt, höhnisch. Erzählerin Betty, Schriftstellerin mit Schreibstau, dehnt ihren Ekel auf die ganze Welt aus: «Was am Ende einer Ehe blieb, war das Sofa, auf dem man sich besaufen oder erschiessen konnte.» Wehleidig ist dieser tolle Roman aber keine Sekunde. Gut so. Humor ist bei diesen Töchtern Notwehr gegen ihren anschwellenden Zynismus und gegen den modernen Zwang der Selbstverwirklichung, der im Scheitern steckenbleibt. Lucy Fricke schreibt im mitreissend-ruppigen Stil auch über ein aktuelles Thema: Sterbebegleitung. Betty muss ihrer Freundin Martha dabei helfen, deren Vater in die Schweiz zum Sterben zu ­begleiten. Der Vater spuckt Blut, pisst in die Hose und braucht Morphium – aber sprüht vor sarkastischen Lebenseinsichten. Und dann kommt alles anders: wegen einer uralten Liebe.

Hansruedi Kugler

Castle Freeman: Der Klügere lädt nach. Nagel & Kimche, 208 S.,

Fr. 28.–

«Situationen» – und wie man sie regelt

Sollte wirklich schon Schluss sein mit ihm? Die Frage schwingt immer mit im neuen, nunmehr dritten Roman Castle Freemans aus dem Revier von Sheriff Lucian Wing. Schauplatz ist Vermont in der tiefsten nordamerikanischen Provinz: endlose Wälder, wenige Hinterwäldler. Hier gilt zwar das Gesetz, wird aber vielleicht doch ein wenig anders gelebt und interpretiert. Wing hat mit seiner bewährten Methode – Abwarten und aus genügend Distanz im Auge behalten – bislang einigermassen erfolgreich kleine Halunken verscheucht; selbst die Russenmafia war gegen seine Langmut machtlos. Diesmal allerdings trieft Wing vor Selbstmitleid. Seine Frau Clemmie hat ihn vor die Tür gesetzt, die Mutter wird wunderlich, er schläft nicht gut auf dem Bürosofa – schon steckt er in einer «Situation», die reichlich ungemütlich ist. Jemand scheint ihm «zuarbeiten» zu wollen mit kleinen Denkzetteln; Wings Posten wackelt. Freeman aber bleibt cool, setzt weiter auf ­knappe, vielsagende Dialoge und ­rettet seinen Sheriff gerade noch rechtzeitig aus der Patsche.

Bettina Kugler

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