STELLENWECHSEL: Viel Lärm um nichts

Christoph Nix bleibt Intendant am Theater Konstanz. Er hat sich als Kulturbürgermeister der Stadt Trier beworben, ­vorgestern aber seine Kandidatur zurückgezogen. Die Arbeit geht ihm nicht aus, sein Vertrag läuft bis 2020.

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Theaterintendant Christoph Nix an einem Podiumsgespräch zur Kulturpolitik in Konstanz. (Bild: Dieter Langhart (22.Februar 2016))

Theaterintendant Christoph Nix an einem Podiumsgespräch zur Kulturpolitik in Konstanz. (Bild: Dieter Langhart (22.Februar 2016))

Er hat erst seine Mitarbeiter und die Medien informiert, dann in Trier angerufen. Und dankend abgelehnt, vielleicht neuer Kulturbürgermeister der Moselstadt zu werden: Christoph Nix, Intendant am Theater Konstanz (siehe Ausgabe vom Samstag). Die am Freitag aus Trier angereiste Journalistin wirkte enttäuscht; Laura Ellersdorfer (Leiterin Dramaturgie) und Johannes Schmidt (Nix’ Referent) strahlten: «Wir vom Haus sind sehr froh.»

Und Christoph Nix? «Das war keine leichte Entscheidung.» Er hatte sie bis zuletzt aufgeschoben – morgen wählt Trier den neuen Kulturdezernenten. Nix war einer von rund zehn Bewerbern, er galt in Trier als aussichtsreicher Kandidat, auch wenn er in Köln 2004 und in Leipzig 2008 gescheitert war. Nix ist Jurist, zum Amt hätten neben Kultur auch Recht, Ordnung, Tourismus gehört. Nix ist klug, hat kürzlich zum zweiten Mal dissertiert. Nix gilt in Konstanz als streitbarer Geist, mit Kulturbürgermeister Andreas Osner hat er sich längst überworfen. «In der offiziellen Kommunalpolitik wird unsere gute Theater- und Kulturpolitik nicht immer geachtet», sagte er am Freitag schlicht.

Dutzende von ­Sympathiekundgebungen

Und Christoph Nix hat eine grosse Fangemeinde. Er sprach von einer «ungeheuren Sympathie» von Bürgern, die in «Dutzenden von Briefen und Mails an den Oberbürgermeister und mich dazu aufgefordert haben, meine Theaterarbeit fortzuführen». Mit diesem Zuspruch habe er «so nicht gerechnet». Und auch seine Frau habe ihm in der Nacht davor zugeredet und ihn bewogen, auf die neue Herausforderung («eine verführerische Perspektive») zu verzichten. Das Amt hätte ihn gereizt, auch noch in der viertletzten Spielzeit. Bis 2020 läuft sein Vertrag, dann ist Christoph Nix 66. 2006 übernahm er die Intendanz von Dagmar Schlingmann, seither sind die ­Zuschauerzahlen gestiegen, von 70000 auf über 100000. Und Nix hat auch sonst einiges vor in seinem Haus. So will er eine verbindliche Budgetvereinbarung für die letzten beiden Spielzeiten – trotz des Überschusses von 300000 Euro. «Damit können wir die Gagen etwas anheben und eine neue Tonanlage kaufen.»

Knatsch um das Sommertheater Überlingen

2014 liess Nix ein Organisationsmodell für das Stadttheater ­erstellen, als Grundlage für eine neue Dienstordnung. Sie wäre ja in seinem Arbeitsvertrag festgelegt, doch der Oberbürgermeister habe stattdessen ein Gutachten in Auftrag gegeben – ohne Nix’ Wissen. «Wir bekommen nicht einmal eine Kreditkarte fürs Theater.» Natürlich sei es «eine persönliche Geschichte», räumt er zu Osner ein.

Und schwenkt zum Sommertheater Überlingen. Die Stadt Überlingen hatte das Budget halbiert, das war für Nix nicht tragbar. Stadt und Förderverein betonten zwar vor kurzem, nach wie vor bestehe ein Interesse am Theater Konstanz, kommenden Sommer aber arbeiten sie mit einem Schauspieler zusammen. «Wir haben Überlingen ein Angebot gemacht», sagt Nix, «zwölf Vorstellungen von ‹Iphigenie auf Tauris› – aber ohne Infrastruktur. Beim einem solchen Budget liegt das nicht mehr drin.»

Die Zeit vor dem Telefonat mit Trier reicht nur noch für zwei Sätze. Der nächste Autorenwettbewerb zwischen den Theatern Konstanz und St. Gallen sei in Gefahr wegen Schauspieldirektor Jonas Knecht. Die Idee einer Dreiländer-Theaterkooperation mit Liechtenstein schliesslich bleibt im Zimmer des Intendanten unbeantwortet stehen.

Dieter Langhart

dieter.langhart@tagblatt.ch