Interview
Sängerin Stefanie Heinzmann: «Manchmal träume ich von einem Bürojob»

Stefanie Heinzmann wollte nie berühmt sein und ihr Lebensplan war ein ganz anderer. Die Walliser Pop- und Soulsängerin spricht im Interview über ihre Kindheit, dem «Promi-Dasein» und warum ihr Freund partout nicht im Rampenlicht stehen will.

Desirée Müller
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Die 31-jährige Sängerin aus dem Wallis steht seit elf Jahren auf der Bühne – am 7.November tritt sie im Casino Herisau auf. (Bild: Benedikt Schnermann)

Die 31-jährige Sängerin aus dem Wallis steht seit elf Jahren auf der Bühne – am 7.November tritt sie im Casino Herisau auf. (Bild: Benedikt Schnermann)

Wie sieht ein normaler Tag bei Ihnen aus?

Stefanie Heinzmann: Einen normalen Tag hat es in den letzten elf Jahren keinen mehr gegeben. (lacht) Oft starten meine Tage mit einer Reise. Heute habe ich Glück, da ich an zwei Abenden in der gleichen Stadt auftrete. So kann ich heute Mittag mit meinen Eltern essen gehen.

Was halten Ihre Eltern von Ihrem Künstlerleben?

Ich war mitten in der Handelsschule, als ich die Castingshow von Stefan Raab gewann. Noch ein Jahr lang schleppte ich die Schulbücher mit von Auftritt zu Auftritt. Ich versprach meinen Eltern immer wieder, dass ich den Abschluss mache. Aber ich war unglaublich überfordert mit der Situation. Irgendwann hat mein Papa meine Schultasche genommen und gesagt: «Meitli, du hat einen 100-Prozent-Job. Du kannst die Schule beenden, wenn du nicht mehr Musik machen möchtest.» Diese Entscheidung nahm mir den ganzen Druck.

Wollten Sie immer schon Sängerin werden?

Seit ich 14 Jahre alt bin, nehme ich Gesangsunterricht und habe in so ziemlich jedem Chor im Wallis mitgesungen.

«Aber keine Sekunde lang daran gedacht, dass ich einmal von der Musik leben könnte. »

Ich ging davon aus, dass ich nach der Ausbildung einen Bürojob annehme und als Hobby weitersinge. Aber ich träumte davon, Tierärztin zu werden oder in einer Tierrettungsstation zu arbeiten. Leider bin ich auf so ziemlich alle Tierhaare allergisch.

Träumen Sie an strengen Tagen von einem «Bürojob»?

Um 8 Uhr den Computer hoch- und um 17 Uhr wieder runterfahren – ja an manchen Tagen wäre das der Hammer. Der Job als Künstlerin hört nie auf. Egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit, der Kopf ist immer am Organisieren. Aber ich denke, es ist typabhängig, ob man so ein Leben führen möchte. Mir gefällt es. Aber ein geregeltes Arbeitsleben ist gewiss auch beneidenswert.

Mit 14 Jahren begann Stefanie Heinzmann Gesangsunterricht zu nehmen. (Bild: Benedikt Schnermann)

Mit 14 Jahren begann Stefanie Heinzmann Gesangsunterricht zu nehmen. (Bild: Benedikt Schnermann)

Was werden Sie tun, wenn Ihre Musikkarriere vorbei ist?

Die Musikindustrie ist in der Tat sehr schwer einzuschätzen. Ich habe keine Ahnung, wie lange mein Erfolg anhält. Man ist aber nie zu alt für eine Weiterbildung. Vielleicht werde ich irgendwann doch noch die Berufsmatura nachholen.

Können Sie sich überhaupt noch vorstellen, wieder ein «normaler Mensch» zu sein?

Ich habe das «Promi-Dasein» nie gesucht. Man gewöhnt sich aber schnell an ein solches Leben. Aber ich brauche nicht viel zum Glücklichsein. Jedoch habe ich mich kürzlich dabei ertappt, wie ich mich zu Hause nach einer Tournee gefragt habe, wo jetzt das Catering bleibt. Es wäre eine Umstellung, aber ich würde schnell wieder im «normalen» Alltag ankommen.

Wie waren Sie als Kind?

Ein ziemlicher Wirbelwind und laut Erzählungen meiner Eltern ein richtiges Plappermaul. Die beiden führten ein Restaurant und wir Kinder waren oft bei den Gästen, die ich anscheinend immer unterhalten habe mit meinen Geschichten. Ob sie wollten oder nicht. Ich hatte schon immer gerne Leute um mich.

Erinnern Sie sich an Ihren ersten Auftritt als Sängerin?

Das war in der Oberstufe. Ich war dreizehn Jahre alt und die Schule veranstaltete eine Aufführung der Schulband.

«Ich sang einen Song von Aretha Franklin und es klang einfach nur grottig. »

Sähe ich den Auftritt heute nochmals, würde ich im Erdboden versinken.

Und trotzdem wurden Sie eine erfolgreiche Sängerin – und Influencerin.

Obwohl ich viele Instagram-Follower habe, sehe ich mich gar nicht als Influencerin. Nur ganz selten gehe ich eine Kooperation ein. Wie mit Coca-Cola, für die ich die Coca-Cola-Music-Squad Kampagne unterstützen durfte, bei der junge Musiker gefördert werden. Aber einfach so wahllos ein Produkt, das ich nicht mal benutze, in die Kamera halten, nur weil ich Geld dafür bekomme – das ist gar nicht mein Ding.

Wie schaffen Sie es, dass noch kein einziges Foto von Ihnen und Ihrem Freund an die Öffentlichkeit gelangte?

Da ich nicht gerade Madonna bin, scherten sich keine Paparazzi um mich und mein Privatleben. Irgendwie respektieren es die Leute, wenn sie uns gemeinsam sehen. Mein Freund ist sehr stolz auf mich, scheut aber das Rampenlicht. Ihn werde ich niemals auf den roten Teppich bringen. (lacht)

Im November treten Sie zum zweiten Mal im Casino Herisau auf. Verstehen die Appenzeller Ihren Walliser Dialekt?

Erstaunlicherweise ja! Nach dem letzten Konzert in Herisau mischte ich mich unter die Leute und unterhielt mich blendend. Ich hatte wirklich einen genialen Festivalsommer. Aber ich geniesse nun die Tournee in kleineren Lokalitäten wie dem Casino Herisau. Hier weiss ich, dass die Menschen extra wegen meiner Musik ein Ticket kaufen und einfach mit mir einen Abend verbringen möchten. Das ist eine unglaubliche Ehre und rührt mich immer wieder.

Zur Person

Die Walliser Pop- und Soulsängerin gewann 2007 einen Casting-Wettbewerb, der im Rahmen von Stefan Raabs Fernsehshow «TV total» ausgestrahlt wurde. Seither erhielt sie Auszeichnungen wie den Echo, den Comet oder den Swiss Music Award und trat mit Künstlern wie Joss Stone und Lionel Richie auf. Aktuell ist sie auf Tournee und präsentiert ihre neuen Songs. Am 7. November macht Stefanie Heinzmann im Casino Herisau Halt.

www.stefanieheinzmann.de