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Status Quo spielen seit 57 Jahren: Mit Rückgrat und Durchhaltewillen

Das Erfolgsrezept von Status Quo funktioniert auch nach einem halben Jahrhundert noch. Überprüfen lässt sich das in Schupfart.
Hanspeter Künzler
Unverwüstlich seit 57 Jahren: Richie Malone, Francis Rossi und John Edwards (v.l.). am 15.9.2019 im Hyde Park London. (Bild: Dave Hogan/Getty )

Unverwüstlich seit 57 Jahren: Richie Malone, Francis Rossi und John Edwards (v.l.). am 15.9.2019 im Hyde Park London. (Bild: Dave Hogan/Getty )

Am 29. Mai feierte Francis Rossi den siebzigsten Geburtstag. Gerade ist das 33. Album von Status Quo erschienen, der Band, die er noch als Schulbub vor 57 Jahren gegründet hat. Es heisst «Backbone» – «Rückgrat» – und belegt im Schreibmoment in den britischen Charts den vierten Platz.

Man habe keinerlei Pläne verfolgt, als man sich Ende des vergangenen Jahres in Rossis Heimstudio traf, behauptet die Band. Einzig und allein der Lust am Spielen und Improvisieren habe man sich hingeben wollen. Und siehe da, plötzlich hätte sich eine Reihe von neuen Songs angesammelt, deren Qualität dem Ruf der Band in keiner Weise hätte Schaden antun können. «Das war uns wichtig», sagt Rossi. «Quo hat so viel erreicht und bedeutet so viel für viele Menschen, da darf die Qualität einfach nicht nachlassen.»

Schnörkellos statt Macho-Geröhr

Natürlich serviert Quo mit «Backbone» keine Überraschungen. So was hat die Band seit 1970 nicht mehr getan. Nach zwei psychedelisch angehauchten Pop-Alben und dem Hit «Pictures of Matchstick Men» unterzog sich die Band damals einer radikalen Neuorientierung. Spass und Party waren ihr wichtig. Sie erkannte, dass psychedelisches Säuseln eher zu nebligen Träumereien führte als zu bierseliger Fröhlichkeit.

Schon mit dem Titel des dritten Albums - «Ma Kelly’s Greasy Spoon» – markierte man ganz genau die Umgebung, von der man hoffte, sie würde den neuen, blues-rockigen Stil goutieren: «greasy spoons» wurden die simplen Cafés genannt, die damals in Grossbritannien allgegenwärtig waren, wo man weisse Böhnchen auf Toast verschlang und mit klebrigen Löffeln im übersüssten Tee ruderte. Es war ein kühner Schritt.

Rundum verstiegen sich sogenannte «Progressive Rock»-Bands in immer komplizierteren, längeren Kompositionen, Virtuosität war gefragt, Tiefgang gefordert. Poppige Direktheit dagegen wurde nicht zuletzt von der Musikpresse verachtet. «Ma Kelly» wurde weitgehend ignoriert, genauso wie der nächste Wurf, «Dog of Two Head». Aber Status Quo folgten weiterhin ihrer Nase – und dann klickte es endlich.

Mit «Piledriver», veröffentlicht im Jahr 1972, reduzierte man den Sound noch mutiger aufs Minimum. Damit war das noch heute wirksame Erfolgsrezept geschaffen: noch weniger Akkorde, dafür treibende Boogie-Riffs, Melodien, die an Ohrwurmigkeit kaum zu überbieten waren, und schliesslich eine Stimme – die von Francis Rossi – die in ihrer schnörkellosen Einspurigkeit einen lakonischen Sinn für Humor suggerierte, der sich wohltuend vom Macho-Geröhr der Konkurrenz absetzte.

Altersweisheiten von Francis Rossi

Es verwundert wenig, dass Rossi das letzte aktive Urmitglied von Quo ist. Der zweitletzte Mitstreiter, der Rhythmus-Gitarrist Rick Parfitt, war gesundheitlich schwer angeschlagen, als er im Dezember 2016 in Marbella an den Folgen einer Schulterverletzung starb. Offenbar waren seine letzten Tage für alle Menschen um ihn herum schwierig. «Er war nicht mehr der Rick Parfitt, den ich gekannt hatte», berichtete Rossi dem englischen Record Collector-Magazin. «Es war traurig und schlimm.»

Umso erstaunlicher ist es, dass Rossi nach den zwei Alben mit akustischen Versionen von Quo-Hits, die noch mit Parfitt entstanden waren, der Zauberformel noch einmal elf typische Quo-Songs abgerungen hat. Der siebzigste Geburtstag habe ihm arg zugesetzt, sagt er. Erst jetzt sei ihm so recht bewusst geworden, dass er sich nicht mehr auf der Berg-, sondern auf der Talfahrt befinde. «Ständig wächst die Zahl der Gefahren, die einem in diesem Alter auflauern. Das ist die Realität. Sie ist nicht zu ändern.»

Ob er sich zu Zeiten von «Matchstick Men» hätte vorstellen können, mit siebzig immer noch zu rocken, wurde er im Frühstücksfernsehen gefragt. Er lachte auf. «Damals glaubten wir nicht einmal, dass wir das noch mit dreissig tun würden.» Noch heute beschäftige er sich mit jedem Detail von Quo, gesteht er. «Pausenlos hänge ich am Telefon und rede mit meinen Leuten.» Er könne nicht stoppen. «Es ist nicht gesund, ich weiss. Aber ohne diese Obsession gäbe es keine Quo.»

Schupfart Festival 20. bis 22. September. Status Quo: Fr 20.9., 21 Uhr.

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