Start-up Beethoven

Randnotiz

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Klassische Orchester ent­decken ein bei Pop-Bands beliebtes Finanzierungsmodell. Das jüngste Beispiel ist das Luzerner Sinfonieorchester, das in der nächsten Saison mit einem «Benefizkonzert» «Crowd­funding» für sein Orchesterhaus betreibt. Dabei ist Crowd­funding ein Inbegriff dafür, wie technologischer Fortschritt die Gesellschaft verändert. Da wirkt die Gleichsetzung dieser hippen Innovation mit einem altmodischen Benefiz paradox.

Aber einmal mehr entpuppt sich eine Innovation als Rückgriff auf alte Wurzeln. Die Anfänge des Crowdfunding gehen nämlich zurück bis zu den «Subskriptionen» im 18. Jahrhundert. Auch damals stellten «viele Personen einen oftmals kleinen Betrag zur Verfügung» und ermöglichten so «die Realisierung eines Projekts». So definiert das «Crowdfunding Monitoring 2017» das Finanzierungsmodell, über das letztes Jahr in der Schweiz 128 Millionen Franken vermittelt wurden und das sich besonders für Start-ups, KMU und Musikprojekte eignet.

Auslöser waren im 18. Jahrhundert nicht technologische, sondern soziale Veränderungen. Mozart und Beethoven mussten sich als freischaffende Künstler neue Geldquellen erschliessen: Sie suchten Subskribenten, die mit vorab zugesicherten Bei­trägen die Finanzierung ihrer Konzerte sicherstellten. Ein Vorschuss für die Start-up-Unternehmen der späteren Klassikstars – dazu passt, dass im Benefiz in Luzern Beethovens neunte Sinfonie gespielt wird: ein Werk, das mit der Verbrüderung «aller Menschen» die Crowd auch musikalisch feiert.

Urs Mattenberger