«Batman forever»: Regisseur Joel Schumacher ist tot

Er schuf Blockbuster wie «Batman Forever» oder «Flatliners» und ebnete Stars wie Julia Roberts oder Matthew McConaughey den Weg in den Hollywood-Olymp. Jetzt ist Regisseur Joel Schumacher im Alter von 80 Jahren gestorben.

Daniel Kothenschulte
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Regisseur Schumacher hat seinen Traum gelebt.

Regisseur Schumacher hat seinen Traum gelebt.

Bild: Imago Images

Grosse Filmpreise hat Joel Schumacher nie gewonnen. Die Kritik nahm ihn oft gerade ernst genug, um sich an seinen Werken abzuarbeiten. Und doch prägte er das amerikanische Kino seit den 1980er-Jahren wie nur wenige andere Filmemacher. Der Regisseur von «Flatliners», «Batman Forever» oder «Das Phantom der Oper» konnte auch grossen Mainstream-Filmen eine unverkennbare Handschrift geben: Es war der Glamour des Videoclip-Zeitalters, in dem sich Schumacher zu Hause fühlte; seine Kulissen waren oft bunter und die Geschichten greller als andere. Sein Stil polarisierte, aber es war doch wenigstens ein Stil – und das ist allerhand in einer Industrie, in der das Formelhafte oft mehr zählt als das Originelle.

Nach einem Designstudium war Schumacher als Kostümbildner zum Film gekommen, Woody Allens «Der Schläfer» und «Innenleben» gehörten zu seinen ersten Engagements. Gleichzeitig schrieb er die Drehbücher zu der poppig-schrillen Komödie «Car Wash» und zum «Wizard Of Oz»-Remake «The Wiz» mit Diana Ross und Michael Jackson.

Ein gutes Auge für junge Talente

Seine erste wichtige Regiearbeit war 1985 der Coming-of-Age-Film «St.Elmo’s Fire» mit frühen Auftritten von Demi Moore, Emilio Estevez und Andie MacDowell. Schumacher hatte ein Auge für junge Talente; Colin Farrell, Kiefer Sutherland und Matthew McConaughey verdanken ihm entscheidende Rollen auf dem Weg zum Starruhm.

1987 folgte Schumachers berühmtestes «Brat Pack Movie», wie man die jugendlichen Ensemblefilme inzwischen nannte: «The Lost Boys» kombinierte die Unmittelbarkeit dieses Genres mit der Fantastik des guten alten Vampirfilms. Drei Jahre später folgte mit «Flatliners» ein ähnlicher Genremix, der heute vor allem wegen seiner zur Drehzeit noch unbekannten Hauptdarstellerin, Julia Roberts, in Erinnerung blieb. Der Shooting Star der frühen 1990er-Jahre bedankte sich mit der Hauptrolle in Schumachers Folgefilm, dem romantischen Melodram «Entscheidung aus Liebe». 1993 zeigte das Festival von Cannes seinen bis heute umstrittensten Film «Falling Down» im Wettbewerb: Der Amoklauf eines konservativen Normalbürgers polarisierte, weil der von Michael Douglas gespielte Antiheld hemmungslos «politische Unkorrektheiten» von sich gab. Für den offen homosexuellen Schumacher, einen grosszügigen Spender für die Demokratische Partei, lag es indes fern, sich mit den populistischen Thesen zu identifizieren. Tatsächlich ist es wohl eher die Lust am virtuellen Tabubruch, am Eintauchen in einen makaberen Albtraum, die «Falling Down» jenseits des Glamours zu einem typischen Schumacher-Film macht. Mehr von seinen humanitären Ansichten verriet «Die Jury» («A Time To Kill»), die zweite seiner Grisham-Verfilmungen: Matthew McConau­ghey brilliert als Anwalt eines Schwarzen, der wegen des Mordes am Vergewaltiger seiner Tochter vor Gericht steht.

Weniger glücklich erwies sich sein aufgesetzt wirkender Stilwille für das Batman-Franchise, dem Schumacher wenig mehr als karnevaleske Buntheit hinzufügen konnte. «Batman und Robin» gilt unter Fans als schlechtester Beitrag der Serie. Schumacher reagierte, indem er sich neu erfand: Sein Folgefilm, der Thriller «8mm», überraschte mit einem minimalistischen Filmstil und brachte ihm eine Einladung zur Berlinale ein. Noch reduzierter war das Kammerspiel «Nicht auflegen!», das in einer Telefonzelle spielte.

«Ich glaube, ich bin einer der glücklichsten Menschen, die je gelebt haben», sagte Schumacher in einem Interview. «Ich habe meinen Traum bekommen. Ich habe ihn so viel grösser bekommen, als ich ihn je träumen konnte.» Mit 80 Jahren ist der Filmemacher in New York einem Krebsleiden erlegen.