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«Starkes Stück, starke Figuren»

Am Theater St. Gallen hat morgen Samstag die Oper «Norma» von Vincenzo Bellini Premiere. Regisseur Nicola Berloffa lässt sie in der Zeit ihrer Entstehung spielen, Operndirektor Peter Heilker sagt, «Norma» sei ihm ein «Herzensanliegen».
Rolf App
Vincenzo Bellini

Vincenzo Bellini

«Liebster Florimo», schreibt Vincenzo Bellini unmittelbar nach diesem 26. Dezember 1831 an seinen besten Freund: «Ich schreibe dir unter dem Eindruck des Schmerzes, eines Schmerzes, den ich dir nicht ausdrücken kann, den du allein aber verstehen kannst. Ich komme aus der Scala, von der ersten Vorstellung der <Norma>. Willst du es glauben? Fiasko!!! Fiasko!!! Glanzvolles Fiasko!!!» Das Publikum sei streng gewesen, fährt der erfolgsverwöhnte Komponist fort. «Ich habe meine Mailänder nicht wiedererkannt, die mit Begeisterung, mit sichtbarer Freude und herzlichem Jubel den <Piraten>, die <Straniera> und die <Somnambula> aufgenommen haben; und ich glaubte, ihnen doch eine würdige Schwester in der <Norma> zu bieten.»

«Übliche Dreiecksgeschichte»

185 Jahre ist das jetzt her. Und heute, in einer ganz anderen Zeit, sagt der St. Galler Operndirektor Peter Heilker: «Vincenzo Bellinis <Norma> gehört zu den allerbedeutendsten Opern, die jemals komponiert worden sind.» Worüber er zunächst einmal selber staunt. Denn: «Wir haben hier die übliche Dreieckskonstellation zwischen dem tenoralen Liebhaber, der sich für die Mezzosopranistin entschieden hat, nachdem er die Sopranistin verlassen hat. Also eine banale Geschichte, die noch dazu in einer seltsamen gallisch-keltischen Druidenwelt spielt.»

Norma, mächtige Priesterin in einem von den Römern besetzten Gallien, muss den Ruf des von ihrem Vater Oroveso angeführten Volkes nach einem Aufstand abwehren, weil sie heimlich den römischen Prokonsul Pollione liebt und von ihm sogar zwei Kinder hat. Doch Pollione wird ihr untreu. Seine neue Angebetete ist ausgerechnet die Priester-Kollegin Adalgisa, die sich Norma nichtsahnend anvertraut. Während sich nun der politische Konflikt zuspitzt, unternimmt Norma alles, um Pollione zurückzugewinnen. Sie scheitert. Doch statt Adalgisa zu verraten, weil sie ihr Keuschheitsgelübde gebrochen hat, wählt Norma das öffentliche Geständnis.

Verdis Lob, Wagners Lob

Bellinis Niedergeschlagenheit nach der Uraufführung währt übrigens nur kurz. Schon nach den ersten drei Abenden schwenkt das Publikum um. Auch seine Nachfahren Giuseppe Verdi und Richard Wagner sind sich für einmal einig. «Welch ein Gedankenflug in diesem ersten Thema», sagt noch der achtzigjährige Verdi zum Anfang von «Norma». «Niemand hat je Schöneres, gleicherart Himmlisches ersonnen.» Verdi lobt die «langen, langen Melodien» Bellinis, und Wagner legt seinen Landsleuten Bellinis Art ans Herz, den Gesang zu behandeln: «Gesang, Gesang und abermals Gesang, ihr Deutschen!»

«Norma» aber ist ihm «von allen Schöpfungen Bellinis diejenige, welche neben der reichsten Melodienfülle die innerste Glut mit tiefer Wahrheit vereint». Diese «tiefe Wahrheit» scheinen die Menschen bis heute zu spüren. «Norma» habe sie immer angesprochen, erklärt auch Peter Heilker. «Neben Gaetano Donizettis <Lucia di Lammermoor> ist sie die einzige Belcanto-Oper gewesen, die sich stets hat behaupten können.»

Er führt dies auf mehrere Gründe zurück. Zusammen mit dem Librettisten Felice Romani habe Bellini es geschafft, alle Handlungen plausibel zu machen. «Das kommt bei den Belcanto-Opern ganz selten vor.» Norma wird nicht wie andere Opern-Protagonistinnen der Zeit wahnsinnig, sondern sie ist eine handelnde, starke Figur. «Sie ist kein leidendes Opfer, allein das vermag zu faszinieren. Stattdessen behauptet sie sich, verzweifelt aber dann an ihrer Liebe.»

Norma, die Handelnde

Musikalisch habe Bellini sehr konzis die Stimmungsumschwünge gestaltet zwischen äusserem, öffentlichem Raum, in dem Norma als Priesterin eine Rolle spielt, und ihrem intimen inneren Raum, wo sie ihre versteckten Kinder hütet. «Mit einer solchen Figur», sagt Peter Heilker, «haben wir viel mehr Identifikationsmöglichkeiten als etwa mit der wahnsinnigen Elvira in den <Puritanern>, Bellinis letzter Oper.» «Norma» sei, kurz zusammengefasst, «ein starkes Stück über starke Figuren». Und so zeitlos wie Puccinis «Tosca», Bizets «Carmen» oder Verdis «La Traviata».

Radikal oder historisch?

Sie in St. Gallen auf die Bühne zu bringen sei ihm deshalb ein «Herzensanliegen» gewesen. Bloss wie? Sie radikal modernisieren, aus Norma eine Partisanenkämpferin machen, wie dies letzten Herbst Cecilia Bartoli widerfahren ist? Oder die Oper umgekehrt im alten Gallien ansiedeln, weit weg also – und vielleicht vor dem Hintergrund von Asterix auch unfreiwillig komisch? «So viel sei verraten», sagt Peter Heilker: «Der Regisseur Nicola Berloffa lässt sie in der Entstehungszeit spielen, in Sizilien, und der Bühnenbildner Andrea Belli hat sich von Luchino Viscontis Film <Il Gattopardo> inspirieren lassen.»

Eine andere Zeit hat bei der Wahl der Sänger eine Rolle gespielt: die Fünfzigerjahre des 20. Jahrhunderts, als Maria Callas ihre grossen Erfolge als Norma feierte und so diese Rolle prägte. «Wir haben mit Yolanda Auyanet einen dramatischen Sopran als Norma und mit Alessandra Volpe als Adalgisa einen Mezzosopran in schönem, dunkelfarbigem Kontrast dazu.» Und, fügt er bei, in Martin Muehle einen Pollione «mit Stahl in der Stimme. Einen richtigen Heldentenor also».

Premiere: Samstag, 19.30 Uhr

Angelehnt an Luchino Viscontis Film «Il Gattopardo»: Szene aus der St. Galler «Norma», mit Levente Páll als Oroveso. (Bild: Iko Freese)

Angelehnt an Luchino Viscontis Film «Il Gattopardo»: Szene aus der St. Galler «Norma», mit Levente Páll als Oroveso. (Bild: Iko Freese)

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