Starker Schreibnachwuchs

Die fünf Kandidaten für den Schweizer Buchpreis wurden gestern bekanntgegeben. Die Liste zeigt «die Originalität des sprachlichen Schaffens in der Schweiz», sagt die Jury.

Valeria Heintges
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Fünf Autoren haben es auf die Auswahlliste zum Schweizer Buchpreis geschafft. Drei von ihnen, Jonas Lüschers «Frühling der Barbaren», Jens Steiners «Carambole» und Ralph Dutlis «Soutines letzte Fahrt», standen bereits auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis. Dazu kommen Henriette Vásárhelyis «Immeer» und Roman Grafs «Niedergang».

Alle des Preises würdig

«Mit grosser Überzeugung hat die Jury nach einer engagierten Diskussion fünf Titel ausgewählt, die alle des Preises würdig sind», sagt Jury-Sprecherin Christine Lötscher. «Insgesamt spiegeln sie die eindrückliche Spannweite und die Originalität des literarischen Schaffens in der deutschen Schweiz wider.»

So schreibt der in Heidelberg lebende Schaffhauser Dutli sprach- und bildgewaltig über den Lebenslauf des russisch-französischen Malers Chaim Soutine, den er delirierend im Leichenwagen quer durch das besetzte Frankreich schickt. Der Zürcher Jonas Lüscher erzählt in seiner Novelle mit Witz und wohltemperiertem Sarkasmus die Finanzkrise als grotesken Showdown in einer tunesischen Oase. Henriette Vásárhelyi, die in Ostberlin geboren wurde und in Bern lebt, beschreibt ein kompliziertes Dreiecksverhältnis und tiefe Trauer, der Zürcher Steiner das soziale Gefüge in einem Dorf und der Winterthurer Roman Graf nutzt den Aufstieg auf einen Berg, um die wachsende Hybris eines jungen Schweizers zu entlarven.

Vier Autoren unter 40 Jahren

Auffällig, dass vier Autoren zwischen 1974 und 1978 geboren wurden, nur Ralph Dutli schert als 59-Jähriger aus. «Insbesondere die Vielfalt der Schreibweisen einer jungen Autorengeneration hat uns begeistert», sagt denn auch Lötscher.

Im Dörlemann-Verlag dürften gestern die Korken geknallt haben: Der kleine, aber feine Zürcher Verlag ist der einzige Schweizer Verlag auf der Liste und mit Steiner und Vásárhelyi gleich doppelt vertreten.

Die fünf Nominierten begeben sich im Oktober auf eine Lesereise durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Den Start machen zwei Auftritte an der Frankfurter Buchmesse Mitte Oktober. Ausserdem lesen sie an den Festivals «Zürich liest» und an der «Buch Basel». In Basel wird auch am 27. Oktober der Gewinner gekürt. Er erhält 30 000 Franken, die anderen vier Finalisten jeweils 2500 Franken. Der Schweizer Buchpreis wird seit 2008 verliehen. 2012 erhielt Peter von Matt die Auszeichnung für die Essaysammlung «Das Kalb von der Gotthardpost».

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