Starglanz trotzt Regen

Ein Hauch Cannes am Filmfestival Locarno zur Europapremiere von «Cowboys & Aliens». Harrison Ford wird mit einem Leoparden für sein Lebenswerk geehrt.

Andreas Stock/Locarno
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Hollywood in Locarno: Harrison Ford, Festivaldirektor Olivier Père, Daniel Craig, Olivia Wilde und Regisseur Jon Favreau (von rechts). (Bild: ky/Jean-Christophe Bott)

Hollywood in Locarno: Harrison Ford, Festivaldirektor Olivier Père, Daniel Craig, Olivia Wilde und Regisseur Jon Favreau (von rechts). (Bild: ky/Jean-Christophe Bott)

Zwar regnet es kräftig am Samstagabend in Locarno. Aber bei so vielen Hollywoodstars hält das Filmfreunde nicht davon ab, sich ausgerüstet mit Pelerinen und Schirmen auf die Stühle der Piazza Grande zu setzen. Regisseur Jon Favreau und die Schauspieler Daniel Craig, Harrison Ford und Olivia Wilde zeigen sich nicht nur beeindruckt von der grossen Leinwand, sondern davon, dass so viele Leute sich trotz dieses Wetters ihren Science-Fiction-Western «Cowboys & Aliens» ansehen kommen. Und exakt zum Hollywoodaufmarsch legt der Regen eine Pause ein. Begeistert werden die Stars von den rund 8000 Besuchern auf der Bühne unter einem grossen Schirm begrüsst. Am lautesten Harrison Ford, der mit einem «Lifetime Achievement Award» geehrt wird. Ein etwas müde wirkender Ford bedankt sich artig und wiederholt, was er an der Pressekonferenz sagte: «Ich habe enorm Glück gehabt in meiner Karriere und mit grossartigen Regisseuren und Kollegen arbeiten dürfen. Ich bin sehr dankbar dafür.»

Erstaunlich humorlos

Eine «moderne Version eines 50er-Jahre-Westerns» und eine Hommage an das Genre schwebte Jon Favreau vor, wie er sagte. Darum habe er auch auf 3D verzichtet. Ganz klassisch, mit einem Unbekannten ohne Namen, der in ein Städtchen reitet und bald in eine Schiesserei im Saloon verwickelt ist, beginnt «Cowboys & Aliens». Und dann haben bald schon die Ausserirdischen ihren Auftritt. «Der Witz steckt im Titel», sagte Daniel Craig an der Pressekonferenz. Und dieser Witz ist einer der wenigen in einem zwar ordentlich unterhaltsamen, aber erstaunlich humorlosen Film. Denn der New Yorker Regisseur meint es mit seiner Hommage ernst. Aber immerhin gibt es einen Craig, der seine «Eastwood»-Rolle knochentrocken («Ich bin gar nicht so tough») und mit Selbstironie interpretiert. Und Harrison Ford gibt in der Rolle eines Viehbesitzers wieder mal einen knorrig-knurrenden Tyrannen, hinter dessen harter Schale ein gutes Herz pocht.

Muntere Fragerunde

Die Pressekonferenz vor der Piazza-Vorführung war zwar der akkreditierten Presse vorbehalten, aber zahlreiche Festivalbesucher nutzten die Möglichkeit, als Zaungäste dabei zu sein. Mit der Stars gebührenden Verspätung von 15 Minuten durfte Festivaldirektor Olivier Père die Gäste begrüssen. Der 69jährige Ford verdrehte die Augen und schnaufte theatralisch durch, als ihn Père an seine erste grössere Rolle in einem Western erinnerte: das war 1979 in «The Frisco Kid». «Es hat Spass gemacht, wieder mal auf einem Pferd zu sitzen», meinte Ford.

«Wie jedes Kind wollte ich mal ein Cowboy sein», sagte Daniel Craig, und Olivia Wilde fügte an, dass das Western-Genre zwar als Männer-Genre gelte, sie aber Westernfilme immer gemocht habe. Die aus der TV-Serie «Dr. House» bekannte Schauspielerin («Es ist nett, immer nach medizinischen Ratschlägen gefragt zu werden») ist im Film nicht bloss attraktive Staffage, sondern ihr kommt eine heldenhafte Rolle zu.

Für den grössten Lacher in einer munteren, knapp dreiviertelstündigen Fragerunde waren Craig und Ford verantwortlich. Auf die Frage, ob er nie Regie führen wollte, antwortete Ford, er könnte so eine Verantwortung nicht tragen und wolle einen Film nicht kontrollieren – worauf Daniel Craig in lautes Lachen ausbrach. «Oh halt den Mund», bellte Ford scherzhaft zurück. Und Craig grinste weiter vor sich hin.

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