Filmkritik
«Star Trek Beyond»: Raumschiff Enterprise legt den Rückwärtsgang ein

«Star Trek Beyond» ist bereits der dreizehnte Kinofilm, der auf der Serie Raumschiff Enterprise von Gene Roddenberry basiert. Der neueste Streifen zur Science-Fiction-Saga orientiert sich an den alten TV-Episoden: Weniger Action, mehr Gequatsche.

Lory Roebuck
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Spock auf der Kommandobrücke in der Enterprise: In «Star Trek Beyond» stehen wieder die Figuren und Dialoge im Zentrum – nicht allein die Action.

Spock auf der Kommandobrücke in der Enterprise: In «Star Trek Beyond» stehen wieder die Figuren und Dialoge im Zentrum – nicht allein die Action.

Paramount Pictures

Es geschieht gleich zu Beginn: Der Warpantrieb versagt, die beiden Hecktriebwerke brechen ab und dann wird die Enterprise sogar geköpft. Das ikonische Raumschiff zerfällt in seine Einzelteile, wenige Momente später ist es völlig zerstört. Trekkies – wegen des 50. Jubiläums ihrer geliebten Franchise eigentlich gerade in Feierlaune – wird ob dieser Szene das Herz bluten.

Es ist eine Szene mit Symbolwirkung. Auch die Macher von «Star Trek Beyond» wollen mit etwas brechen: mit der jüngeren Vergangenheit der Franchise. Sieben Jahre ist es nun her, seit J.J. Abrams mit einer verjüngten Enterprise-Besatzung eine neue «Star Trek»-Kinoserie lancierte.

Das Filmplakat zu «Star Trek Beyond»

Das Filmplakat zu «Star Trek Beyond»

Paramount Pictures

Der US-Regisseur brachte Action, Dynamik und Herz rein, putzte das verstaubte Raumschiff wieder heraus. Mit Erfolg: «Star Trek» (2009) und seine Fortsetzung «Star Trek Into Darkness» (2012) spielten an den weltweiten Kinokassen zusammen über 850 Millionen Dollar ein.

Film erhört Fankritik

Es gab aber auch Kritik, vor allem vonseiten der Trekkies, den Fans der alten «Raumschiff Enterprise»-Fernsehserie. Wo bleiben die Abenteuerlust, der Erforschungsgeist und die smarte Sozialkritik von einst, fragten sich diese. Ihr Vorwurf: «Star Trek» habe sich dem Geschmack der Massen verkauft und sei zum seelenlosen Blockbuster mutiert.

Diese Fans erhört hat Simon Pegg, der Enterprise-Ingenieur Scotty spielt und selbst ein Trekkie ist. Pegg hat auch das Drehbuch zu «Star Trek Beyond» geschrieben und dabei eine radikale Kurskorrektur vorgenommen. Statt auf den permanenten Adrenalinrausch setzt er viel stärker auf die Figuren. Dabei orientiert sich Pegg deutlich am Geist der alten TV-Folgen. Auf der Leinwand entpuppt sich das als grosse Stärke des neuen Films – aber auch als seine grösste Schwäche.

So geht es weiter mit «Star Trek»: Vierter Kinofilm und TV-Serie

Paramount Pictures erteilte am Montag einem vierten Kinofilm mit der jetzigen Kirk- und- Spock-Generation grünes Licht. Vieles ist noch unklar, ein Schmankerl gab das Hollywood-Studio allerdings schon bekannt: Neben Chris Pine als Captain Kirk kehrt auch Chris Hemsworth als dessen Vater George Kirk zurück. Zur Erinnerung: Kirk Senior hatte im ersten neuen «Star Trek»-Film (2009) sein Leben geopfert, um seinen Sohn zu retten. Jetzt also das wundersame Wiedersehen. Zudem kehrt «Star Trek» nächstes Jahr ins Fernsehen zurück. Eine brandneue TV-Serie mit einem neuen Schiff und neuen Figuren wird ab September in Toronto gedreht. Die ersten 13 Episoden werden dann ab Januar 2017 auf dem Streamingportal Netflix zu sehen sein. (LOR)

Das sieht dann so aus: Die Enterprise-Crew gerät in eine Falle und wird voneinander getrennt. Mitten in einer fremden Welt müssen sich Captain Kirk und Co. in kleinen Grüppchen zurechtfinden – und wieder zueinander. Wenn dabei der emotionslose Spock und der fatalistische Pille über Sterblichkeit sinnieren und sich gegenseitig in Galgenhumor überbieten, sind das einsichtsvolle Charaktermomente, bei denen es jedem Trekkie doch noch warm ums Herz wird.

Genauso liebevoll erweist der Film auch dem 2015 verstorbenen Ur-Spock-Darsteller Leonard Nimoy seine letzte Ehre. Ihm ist «Star Trek Beyond» genau so gewidmet wie Nebendarsteller Anton Yelchin, der vor wenigen Wochen tödlich verunglückt ist.

Unvergesslich: Leonard Nimoy in seiner Rolle als Mr. Spock. Der Schauspieler starb 2015 im Alter von 83 Jahren.

Unvergesslich: Leonard Nimoy in seiner Rolle als Mr. Spock. Der Schauspieler starb 2015 im Alter von 83 Jahren.

Keystone

Handkehrum fühlt sich die Filmhandlung klein an, nivelliert, ja fast belanglos. «Star Trek Beyond» passt vielleicht auf einen Fernsehbildschirm, ist einer grossen Kinoleinwand aber unwürdig. Regisseur Justin Lin, der für die «Fast & Furious»-Filme bekannt ist und hier von J.J. Abrams das Steuer übernommen hat, bringt enttäuschend wenig Drive rein.

Seine Actionszenen sind kaum erinnerungswürdig, die langfädigen Dialoge schon gar nicht.
Mit «Star Trek Beyond» hat die Enterprise den Rückwärtsgang eingelegt. Das macht vielleicht Trekkies happy. Die Millionen neuen Fans und die Durchschnittszuschauer aber werden den Saal eher mit einem Achselzucken verlassen. Für die Zukunft der Franchise (siehe Kasten) keine guten Aussichten.