Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

"Stans lacht": Babyboomer besetzen den Humor

Das Humorfestival Stans steht in seinem 15. Jahr. Zur Eröffnung setzte man mit Massimo Rocchi auf ein komödiantisches Urgestein. Bei seiner Mischung aus älteren Momenten und neuen Nummern bleiben viele Lacher auf der Strecke.
Roman Kühne
Massimo Rocchi in Stans. (Bild: PD/ Roberto Conciatori (Stans, 12.9.2018))

Massimo Rocchi in Stans. (Bild: PD/ Roberto Conciatori (Stans, 12.9.2018))

Viele der bekannten Comedystars der Schweiz sind in die Jahre gekommen. Dies wirkt sich auch auf die Witze aus. Themen wie Wechseljahre, Gesundheitscheck oder die Deformierung des Körpers rücken stärker in den Vordergrund. Beim Circus Knie ist es Helga Schneider, die dieses Jahr über Hitzewallungen und immer tiefer sinkende Hautfalten spottet. Oder, auf einer anderen Bühne, Sergio Sardella, der eingehend seine Figurprobleme erklärt.

Bei Massimo Rocchi spitzt sich diese Weltwahrnehmung durch die graue Brille zusätzlich zu, ist er doch im letzten Jahr 60 geworden. Zur Eröffnung von «Stans lacht» präsentiert er am Mittwoch im Kollegisaal ein buntes Programm, bei dem Vergangenes und neue Gags nahtlos ineinander übergehen.

Dies ist witzig, wenn er beschreibt, wie ihm viele bekannte Persönlichkeiten zum Geburtstag gratulierten, etwa «iCloud». Oder dass der Briefkasten nun «überquellt mit Post». Allerdings vor ­allem mit Werbeblättern von Altersheimen und «einer Schätzung der AHV über meine Altersrente mit einem Angebot für einen Gratiskurs in Thailändisch». Auf der anderen Seite ist es ein Thema, das offenbar momentan mit wenig Variation bearbeitet wird. Es geht um Hautfalten, die Schwerkraft und die Gesundheit. Der Spannungsbogen bei Massimo Rocchi ist – und nicht nur hier – rasch erschöpft.

Auf amüsante Überraschungen, welche die Lachmuskeln strapazieren, folgen absehbare Banalitäten. Doch entspricht es wohl auch etwas dem Schweizer Zeitgeist, seiner in die Jahre gekommenen Bevölkerung. Im Publikum ist auf alle Fälle 50+ deutlich in der Mehrheit. Die Babyboomer dominieren nicht nur die Abstimmungen, sondern drücken auch den Themen des Kabaretts ihren Stempel auf.

Warum hat die Queen ein Täschchen?

Ein Déjà-vu zeigt sich teils auch bei den anderen Nummern. Natürlich gibt es nach wie vor Witziges in Ländervergleichen zu entdecken. So, wenn der Italiener Rocchi im MMM der Migros vor allem «Mangia Massimo Mangia!» sieht. Sonst aber hat sich das Thema «Italienische Mama und die fürsorgliche Grossmutter» wohl schon länger erschöpft. Die ständige Wiederholung von Klischees zu unseren südlichen Nachbarn zieht den Abend eher in die Länge. Überhaupt werden die einzelnen Themen überdehnt.

Zehn Minuten zu verschiedenen Körpergasen und -düften oder der lange Block über die Yogastunden sind doch eher ermüdend. Witziger sind da aktuelle Bezüge. So ist den Engländern bei der Brexit-Abstimmung zum Verhängnis geworden, dass sie alle Fragen «verkehrt» formulieren, wie «ist dieser Stuhl nicht frei». Weshalb die Briten die Frage «Wollen sie nicht austreten?» fälschlicherweise mit nein beantwortet hätten. Oder die philosophische Frage: «Warum trägt die Queen eine Tasche?» Sie habe keine Autoschlüssel, sicher auch keine Hausschlüssel, brauche keine Taschentücher, da nie erkältet – wahrscheinlich sei es «nur eine angenähte Attrappe».

Junge Künstler

Am launigsten ist Massimo Rocchi an diesem Abend, wenn er nur die Mimik sprechen lässt. Grossartig, wie er ein Kamel nachahmt. Oder seine Schlussnummer, in welcher er Oliver Kahn imitiert. Allerdings ist für Pantomimen der Saal zu gross. Gerade auf der Empore ist die Sichtbarkeit zu wenig gegeben, gehen viele der Details in der Mimik des Komikers unter.

Doch zum Glück findet die Komikwoche nicht nur im Kollegisaal statt. Für das 15-Jahr-Jubiläum lassen sich die Organisatoren einiges einfallen. So werden in der Melachere kleine Humorhäppchen serviert. In einem intimen Rahmen, der Saal hat nur 30 Plätze, stellen sich junge Comedians und Slam Poeten vor. «Die Idee ist, in kurzer Zeit begabte junge Künstler vorzustellen», erklärt Albi Christen, künstlerischer Leiter des Festivals. «Man bezahlt 5 Franken und erhält dafür 15 Minuten Lachen. Probieren geht über Studieren.» Darunter findet man etwa den Schweizer Meister in Poetry Slam von 2012, Renato Kaiser, oder den Gewinner des Swiss Comedy Awards von 2014, den im Kongo geborenen Charles Nguela. Daneben lockt Stans noch mit einem Strassenfest in der Schmiedgasse, wo ebenfalls zahlreiche Künstler auftreten.

Hinweis: Humorfestival Stans noch bis und mit Sonntag, den 16. September. Tickets: www.stanslacht.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.