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Ein neues HSG-Kunstwerk: «Stägeli uf, Stägeli ab»

An der Universität St.Gallen gibt es ein neues Kunstwerk. Zilla Leutenegger hat die ebenso poetischen wie verspielten Wandzeichnungen geschaffen. Sie erzählen von der Einsamkeit an der Spitze und sollen künftige CEOs nachdenklich stimmen.
Christina Genova
Zilla Leuteneggers neun Meter hohe Wandzeichnungen sind wetterfest. (Bild: Urs Bucher)

Zilla Leuteneggers neun Meter hohe Wandzeichnungen sind wetterfest. (Bild: Urs Bucher)

Sie ist oben angekommen. Gläserne Decken musste sie bei ihrem Aufstieg keine überwinden, dafür aber ein labyrinthisches System von Treppen. Glücklich wirkt sie nicht an der Spitze. Nachdenklich bewegt die Figur, die in den Werken Zilla Leuteneggers immer wieder als eine Art Alter Ego auftaucht, eine herabhängende Lampe. Die ­ortsbezogene Wandarbeit befindet sich in einem der vier Lichthöfe des HSG-Gebäudes an der Müller-Friedberg-Strasse 6/8 in St.Gallen. Nach einem Umbau wurde es 2017 neu eröffnet. Nun kommt nach zwei Jahren die Kunst dazu: Neben Zilla Leuten­eggers Wandzeichnung sind es eine Fotoserie der Mexikanerin Betsabée Romero und Lithografien aus einer Schenkung der ­Erker Galerie.

Zilla Leutenegger bei der Vernissage in St.Gallen. (Bild: Alexander Griesser, 28.3.2019)

Zilla Leutenegger bei der Vernissage in St.Gallen. (Bild: Alexander Griesser, 28.3.2019)

Kunst als Teil des Unialltags

Kunst am Bau hat an der HSG Tradition. Sie besitzt eine Kunstsammlung von über 50 Werken, darunter solche von Hans Arp, Gerhard Richter oder Roman Signer. Der Grundstein dafür wurde vor über 50 Jahren beim Bau des Hauptgebäudes gelegt, als namhafte Künstler zur Realisierung von Kunstwerken eingeladen wurden. Kunst sollte nicht museal ausgestellt, sondern Teil des Unialltags und öffentlich zugänglich sein. Das ursprüngliche Konzept verfolgt man bis heute. Bei jedem Erweiterungsbau kamen neue Werke hinzu, immer vollumfänglich finanziert durch Sponsoren. Zuletzt wurde im ­Dezember 2017 ein Werk des neuseeländischen Künstlers Julian Oliver eingeweiht.

Der Titel von Zilla Leuteneggers Werk lautet «Das Treppenhaus». Ein solches befindet sich tatsächlich auf der anderen Seite der Wand. Die Zeichnungen machen dies sichtbar. Der Untertitel «Lonely at the top» kam später dazu. Er spielt auf den gleich­namigen Popsong von Randy Newman an, der die Einsamkeit an der Spitze ironisch besingt. Es ist eine implizite Botschaft der Künstlerin an die zukünftigen CEOs, die im Gebäude ein und aus gehen:

«Ich fände es schön, wenn ich sie nachdenklich stimmen könnte.»

Was Zilla Leutenegger beim Aufbau auffiel, war, dass von Seiten der Studenten wenig Interesse an ihrem Tun bekundet wurde. In den Büros gegenüber hob kaum einmal jemand den Blick von seinem Bildschirm. Das ist für sie, die häufig Kunst-am-Bau-Projekte realisiert, sehr ungewohnt. Die Studenten seien wohl so sehr mit sich und ihrer Zukunft beschäftigt, dass sie wenig Zeit für anderes hätten.

20 Minuten Zeit pro Zeichnung

Zilla Leutenegger hat für ihre Wandarbeit die Sgraffito-Technik neu für sich entdeckt und zum ersten Mal angewendet. Diese kommt ursprünglich aus Italien. Sie ist aber auch an Fassaden im Engadin und Bergell verbreitet und der in Chur aufgewachsenen Künstlerin deshalb bestens vertraut. Bei einem Sgraffito werden zwei verschiedenfarbige Verputze übereinander auf die Wand aufgetragen – der dunkle zuerst, der hellere darüber. Danach werden die Linien in den noch feuchten Verputz geritzt, sodass die ­darunterliegende Schicht zum Vorschein kommt. Das muss schnell gehen, denn innert 20 Minuten ist der Putz trocken und steinhart. Zilla Leuteneggers reduzierte, archaische Zeichnungen harmonieren ausgezeichnet mit der alten Technik.

Erstaunlich, dass die Künstlerin, in deren Schaffen die Zeichnung einen grossen Stellenwert hat, nicht schon früher damit gearbeitet hat. Dank der neuen Technik sind ihre Zeichnungen nun erstmals wetterfest. Eine hölzerne Leiter führt ins Bild hinein und ist die Schnittstelle zwischen der dritten und der zweiten Dimension.

Mit der Leiter steigt man von der dritten in die zweite Dimension. (Bild: Urs Bucher)

Mit der Leiter steigt man von der dritten in die zweite Dimension. (Bild: Urs Bucher)

Mit der Leiter in die zweite Dimension

Insgesamt hat Zilla Leutenegger elf Tableaus realisiert, die sich über eine Fläche von 10,5 auf 9 Meter erstrecken. Ihre Anordnung erinnert an ein Leiterspiel. Wie beim Brettspiel gebe es auch im Berufsleben mehrere Wege, ans Ziel zu kommen, sagt die Künstlerin. Und nicht immer ­verlaufe eine Karriere gradlinig, eben: «Stägeli uf, Stägeli ab». Welchen Weg wohl Zillas Alter Ego genommen hat? Die alleroberste Etage hat sie noch nicht erreicht. Eine weitere Treppe führt hoch zu einer verschlossenen Tür. Wer weiss, was sich ­dahinter verbirgt.

  • Zu den Kunstwerken an der HSG gibt es eine kostenlose Broschüre zum Download.
  • Die Kunst-App Art@HSG kann über den App Store oder Google Play heruntergeladen werden. Sie erkennt Kunstwerke auf dem HSG-Campus, sobald der Besucher mit dem Smartphone oder Tablet in der Nähe ist.

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