Staatsterroristen bei der Arbeit

Der Film «Manuscripts Don't Burn» zeigt mit nie gesehener Offenheit die Unterdrückung von Regimegegnern im Iran. Ein Politthriller von Mohammad Rasoulof, der einem den Atem stocken lässt. Morgen startet der Streifen im Kinok.

Geri Krebs
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Terror im Iran: Szene aus «Documents Don't Burn». (Bild: pd)

Terror im Iran: Szene aus «Documents Don't Burn». (Bild: pd)

Zwei Auftragsmörder, die im Dienst der iranischen Regierung stehen, erhalten die Anweisung, drei regimekritische Schriftsteller zu liquidieren. Für die beiden Männer ist der Auftrag ganz normal – sie erledigen einfach ihren Job. Die drei oppositionellen Schriftsteller müssen sterben, weil sie die einzigen drei Manuskripte eines nie publizierten Romans besitzen, in dem offen und ausführlich die Hintergründe eines missglückten Mordanschlages auf einen Bus beschrieben werden. In dem Bus befanden sich 21 dissidente Schriftsteller, und ausgeführt wurde der Anschlag im Jahr 1995 von Agenten des iranischen Geheimdienstes.

Lächerliches Machtgehabe

Basierend auf einem realen Fall aus seinem Heimatland, schildert der 1973 in der iranischen Stadt Schiras geborene Mohammad Rasoulof während zweier atemlos spannender Filmstunden diese unglaubliche Geschichte. Er hat dazu die Form eines klassischen, meisterhaft erzählten Politthrillers gewählt. Und obwohl der gewollt düstere Film von der Erbärmlichkeit eines totalitären Regimes handelt, das zwecks Ausschaltung politischer Gegner vor keinem Verbrechen zurückschreckt, gibt es auch immer wieder befreiende Momente grimmigen Humors, in denen das ganze System, repräsentiert von den beiden Schergen, der Lächerlichkeit preisgegeben wird. So etwa, wenn einer der Killer, der im Gegensatz zu seinem Kollegen nicht fest, sondern nur auf Auftragsbasis beim Geheimdienst angestellt ist, den Kollegen bittet, das Auto bei einem Bancomaten anzuhalten. Er muss nachsehen, ob das Honorar für seinen letzten Mord endlich überwiesen wurde.

«Manuscripts Don't Burn» ist bereits der fünfte Langspielfilm Mohammad Rasoulofs, sein vorheriger Film, «Good Bye», lief 2012 am Filmfestival Fribourg ausserhalb des Wettbewerbs, Rasoulof war damals in Fribourg Mitglied der Jury.

Hohen Preis bezahlt

«Good Bye» handelte von einer jungen Anwältin, der die Ausübung ihres Berufs untersagt wurde und deren Mann aus politischen Gründen untertauchen musste. Die Frau ist schwanger und möchte abtreiben, darf das aber nur mit beglaubigter Unterschrift des Ehemanns.

So versucht sie auszureisen, um die Abtreibung im Ausland vornehmen zu lassen – doch auch der Antrag auf ein Ausreisevisum bedarf der Zustimmung des Mannes. Nach vielen Irrfahrten hat sie dennoch das Visum in der Tasche. Als der Flug verschoben wird, braucht sie ein Hotelzimmer. Das gibt es für allein reisende Frauen nur mit Unterschrift des Mannes. Man fragte sich schon damals, wie es möglich war, dass Rasoulof jenen Film drehen konnte. Er erzählte von weitgehend heimlichen Dreharbeiten und wie er ihn aus dem Iran herausschmuggelte.

Das gilt auch für «Manuscripts Don't Burn», und am Ende des Films steht anstelle der Credits nur ein Satz: Zum Schutz der am Film Beteiligten bleiben ihre Namen ungenannt. Rasoulof schmuggelte den Film 2013 ans Festival Cannes, wo er den Preis der internationalen Filmkritik (Fipresci) erhielt. Es ist keine Übertreibung, «Manuscripts Don't Burn» als einen der mutigsten Filme zu bezeichnen, der je aus einer Diktatur in unsere Kinos kam. Der Preis, den Rasoulof für die Offenheit, mit der er die Zustände in seiner Heimat anprangert, bezahlt, ist extrem hoch: Als er im Oktober letzten Jahres nach mehrmonatigem Aufenthalt in Europa in den Iran zurückkehrte, wurden ihm bei der Einreise Pass und Laptop abgenommen. Kurz darauf brach der Kontakt zu ihm ab.

Kinok: Morgen Fr, 21.30 Uhr; Di, 20.5., 20.30 Uhr

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