St. Galler Tonhallekonzert :
Zweimal Mozart, nur einmal packend

Als Dirigent des Sinfonieorchesters St.Gallen überzeugte der Geiger Julian Rachlin. Als Solist gelang es ihm nicht, den Funken überspringen zu lassen.

Martin Preisser
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Geiger und Dirigent: Julian Rachlin war zu Gast in St. Gallen.

Geiger und Dirigent: Julian Rachlin war zu Gast in St. Gallen.

PD

Julian Rachlin überzeugte im St.Galler Tonhallekonzert letzten Donnerstag als Dirigent viel mehr als solistisch mit der Geige. Das eröffnende Mozart-Violinkonzert G-Dur hatte wenig echte Spannung, die auch dadurch gemindert war, wie der Geiger eher uninspiriert von den Solo- zu kurzen Dirigierpassagen wechselte. Da gab es keine wirkliche Balance zwischen Orchester und Solist. Der Ton von Rachlins Stradivari klang eher introvertiert und mit zu viel romantisierendem Vibrato: Mozart fern von Ideen historischer Aufführungspraxis, Mozart leider doch etwas altbacken.

Kraft und Detailgenauigkeit bei Mozarts Jupiter-Sinfonie

Ganz anders dann Julian Rachlin als Dirigent. Da war in Schuberts Sinfonie «Die Unvollendete» von Anfang an viel Leidenschaft und grosses Faible für sinfonische Kraft zu spüren. Rachlin reizte die dynamischen Extreme überzeugend aus, manche Passagen gemahnten bereits an die Klangballungen späterer Bruckner-Sinfonien.

Auch Rachlins Deutung von Mozarts Jupiter-Sinfonie geriet eindrucksvoll: Durch Kraft, Detailgenauigkeit und durch immer wieder gut eingeführte tänzerische Momente. Die Trauer und innere Unruhe des zweiten Satzes hat Rachlin hierbei genauso stringent herausgearbeitet wie er das Sinfonieorchester St. Gallen zu einem sehr rassigen, furios-feurigen Finale herausforderte. Kurz: Dirigierend spürte man ihn als leidenschaftlichen Musiker, solistisch sprang der Funke nicht über.