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ST. GALLER FESTSPIELE: Das Singen der Loreley

Den urdeutschen Rheinmythos umspielen zwei Konzertabende mit Chorliedern der Romantik und mit barocken Gambensonaten.

Draussen im Klosterhof, in Alfredo Catalanis Oper «Loreley», tut sie nichts anderes. Dennoch käme uns nicht in den Sinn, nach drei Stunden Drama, Höllen- und Geisterbahnfahrt, wenn Walter sich in irrer Verzweiflung das Leben nimmt, lakonisch zu resümieren: «Das hat mit ihrem Singen die Loreley getan.» So aber war es gut 150 Jahre lang in aller Munde, vertont von Friedrich Silcher für die bürgerliche Geselligkeit im Singverein. Sanft strömt der Rhein, in immer gleichen Dur-Strophen: traurigschön.

Im Volkston, aber ohne naive Inbrunst

Man braucht da feine Antennen, um zu merken, dass Heinrich Heines Gedicht bereits die verträumte Märchenseligkeit der Romantik säuselnd ironisierte. Nicht aber, wenn das Vocalconsort Berlin Silchers «Loreley» singt, in einem Arrangement für Zeitgenossen: Hier wird die Distanz zur Rheinromantik und zur erzählten Geschichte überdeutlich hörbar. Man schmunzelt nachsichtig, wie beim Betrachten einer Kitschpostkarte. Und ergötzt sich am vorzüglichen Chorklang, an der präzise auf den Punkt gebrachten Gestaltung des Arrangements: einer Bearbeitung für vier Stimmen a cappella, die alles tut, um nicht «volkstümlich» naiv zu wirken. Es wird wo immer möglich ironisch geblinzelt, dies selbstverständlich auf höchstem Niveau. Gleichwohl wirkt das Ganze etwas aufdringlich, auch in den übrigen fünf «Volksliedern», die das Ensem­ble unter der Leitung von David Cavelius am Freitagabend beim Festspielkonzert «Schattenreiche» sang: wohlbekannte Lieder vom Wandern, von klappernden Mühlen und lustigen Jägerlein.

Ernster nahm das Vocalconsort die Chormusik des Biedermeiers: die frühlingsfrisch bis herbstlich melancholisch gestimmte Landlust eines Mendelssohn Bartholdy, die raffiniert ausgearbeiteten Gesänge op. 42 von Brahms und seine mitreissenden Klavierquartette op. 112. Hier begeisterte der Kammerchor mit sorgfältiger, aber nicht pedantischer Sprachbehandlung, mit Homogenität und Leichtigkeit der Stimmen, bei gutem Bassfundament. Es geht in die versunkene Welt der Stadt Vineta, in alte Kirchentonarten mit «Darthulas Grabgesang» – und in zwei schillernden, zart tonmalerischen Klaviersoli des Pianisten Philip Mayers mit Franz Liszt an den Rhein, den schönen Strom der Loreley. Der nicht erst die Romantiker bezauberte.

Das war bereits am Abend zuvor im Barocksaal der Stiftsbibliothek zu hören: im Konzert der beiden Gambisten Romina Lischka und Liam Fennelly. Mitgebracht hatten sie Sätze aus Sonaten von Johannes Schenck (1660–1712), gesammelt unter dem Titel «Le Nymphe di Rheno». Ausserdem Suitensätze des Engländers Matthew Locke und Charakterstücke des Franzosen Sainte-Colombe, des legendenumrankten Erfinders der siebten Saite.

Mit der Gambe an Rhein und Donau

In eine andere Klangwelt liessen die beiden eintauchen: intime, nach innen gerichtete Musik zwischen Melancholie und barocker Tanzfreude. Der Atem des Bogens auf den Saiten und subtile Verzierungen hauchen dieser Musik Seele ein; die Instrumente singen, fast physischer als die kultivierten Stimmen der Berliner Vokalisten. Hinzu kommen die kleinen, nicht berechenbaren Zugaben des Augenblicks: die Sonne, die zur Bach-Fantasie d-Moll noch ihre Strahlen in den Saal wirft; der Schlag der Glocke, just nach dem letzten Ton.

Bettina Kugler

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