«St. Gallen überrascht mich ständig»

Sie sei ja fast Ostschweizerin, sagt Stefanie Fischer mit diesem hintersinnigen Lächeln, mit dem sie im Tanzstück «Nüwürüsütät» in der Lokremise auf dem Sandkastenrand balancierte. So verspielt ist sie auch in Richtung St.

Bettina Kugler
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Stefanie Fischer: «Ich folgte meinem Bauchgefühl.» (Bild: pd/Daniel Ammann)

Stefanie Fischer: «Ich folgte meinem Bauchgefühl.» (Bild: pd/Daniel Ammann)

Sie sei ja fast Ostschweizerin, sagt Stefanie Fischer mit diesem hintersinnigen Lächeln, mit dem sie im Tanzstück «Nüwürüsütät» in der Lokremise auf dem Sandkastenrand balancierte. So verspielt ist sie auch in Richtung St. Gallen getänzelt – und hat gut Fuss gefasst in der laufenden Saison, ob auf Korkmehl oder auf Absätzen, wie derzeit im Musical «West Side Story». Aufgewachsen ist Stefanie Fischer in Rüti im Kanton Zürich; dort hat sie früh mit dem Tanzen angefangen, in Zürich ihre Ausbildung gemacht und abgeschlossen.

Ballettsaal mit Balkon

Gleichwohl fühlt sie sich seit dem Sommer wie eine Heimkehrerin. Zunächst wollte sie möglichst weit weg. Ihre erste Stelle führte sie an die Ostsee, nach Kiel. Sechs Jahre lang blieb sie und lernte da ihren Freund kennen; auch er ist Tänzer.

Sie folgte ihm nach Leipzig, brauchte selbst aber erst einmal eine Auszeit. «Ich war an einem Punkt, an dem ich alles hinterfragt habe, was bis dahin mein Lebensinhalt war, wollte wissen: Was für ein Mensch bin ich, wenn ich nicht tanze?»

In Leipzig jobbte Stefanie Fischer in einem Laden, vermisste jedoch schon bald ihren Beruf, «nicht nur die Bewegung, auch das Kreativsein mit anderen, das Theaterleben», wie sie sagt. Eine Weile war sie viel unterwegs, tanzte in diversen Projekten der freien Szene; dann kam das Vortanzen in St. Gallen. Eher spontan hat sie sich dazu entschlossen und kam unvorbereitet auf das Solo, das Tanzchefin Beate Vollack gern gesehen hätte. «Sie fragte mich, ob ich wirklich meine Unabhängigkeit aufgeben wolle», erzählt Stefanie Fischer, «und ich folgte meinem Bauchgefühl. Das sollte man wohl viel öfter machen.» Denn bereut hat sie es keineswegs; sie fühlt sich wohl in der Kompagnie. «Wir sind sehr verschieden und lernen viel voneinander; man muss sich nicht verstellen, um dazuzugehören.» Sie mag die abwechslungsreiche Arbeit am Dreispartenhaus, die Stadt mit ihren verschlafenen Sonntagen.

«St. Gallen überrascht mich ständig», sagt sie; «hier ist so viel möglich. Auch, dass Frauen auf der Strasse tanzen.» Und wo sonst gibt es einen Ballettsaal mit Balkon, von dem aus man Kühen winken kann?

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