SRF liefert neue Tatort-Folgen trotz Corona pünktlich, die ARD nicht – was machen die Schweizer besser?

Im Herbst werden die neuen Kommissarinnen in der grössten Schweizer Stadt wie geplant im TV ermitteln. Das Ausstrahlungsdatum der deutschen «Tatort»-Folgen ist dagegen noch ungewiss.

Susanne Holz
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Zürcher Kommissarinnen: Anna Pieri Zuercher (l.) als Isabelle Grandjean und Carol Schuler als Tessa Ott.

Zürcher Kommissarinnen: Anna Pieri Zuercher (l.) als Isabelle Grandjean und Carol Schuler als Tessa Ott.

Bild: SRF/Sava Hlavacek

Der Herbst verspricht Spannung im «Tatort»-Universum: SRF bietet neu Zürich und zwei neue Kommissarinnen auf, in Bremen ermittelt bald ein Dreierteam, dessen männliche Mitte man aus «Game of Thrones» kennt. Und dann wäre da die Doppelfolge zu 50 Jahren «Tatort» im Spätherbst.

In dem Zweiteiler spannen erstmals die Teams aus Dortmund und München zusammen. Faber und Batic, Leitmayr und Bönisch – vier Charakterköpfe, die für emotionalen Tiefgang stehen. Doch kann der sonntägliche Fernsehkrimi wie geplant im September in die neue Saison starten? Schauspielproben wie Dreharbeiten konnten coronabedingt einige Zeit nicht stattfinden.

Was den Schweizer Neustart in Zürich betrifft, so teilt SRF mit: «Die beiden ersten Folgen wurden noch vor dem Corona-Shutdown abgedreht. Wie geplant wird die erste Folge im Herbst 2020 und die zweite im Frühjahr 2021 ausgestrahlt.» Wie hat es SRF geschafft, so schnell zu sein? Urs Fitze, Filmchef SRF, führt aus:

«Um Synergien zu schaffen, haben wir uns entschieden, in Doppelfolgen zu produzieren, also zwei Filme mit dem gleichen Team, derselben Regie und am Stück.»

Der Entscheid habe sich im Nachhinein als Glücksfall herausgestellt. «Wir konnten von Dezember 2019 bis Februar 2020 die ersten zwei Folgen in Zürich und Umgebung ohne irgendwelche gesundheitlichen Probleme drehen. Für Crew und Cast war die relativ lange Drehzeit eine Herausforderung, aber heute sind wir alle extrem froh darüber.»

Trotz des Drehs an einem Stück: Die neuen Schweizer Kommissarinnen, gespielt von Anna Pieri Zuercher und Carol Schuler, werden laut Fitze in ihren zwei ersten Fällen zwei völlig verschiedene Verbrechen aufklären. Beim ersten Fall reicht die Erzählung zurück in die Zeit der Zürcher Jugendunruhen.

Und wann startet der Dreh für ­Folge drei? «Die Produktion der nächsten beiden Folgen ist von Januar 2021 bis April 2021 geplant. Wir werden ­wieder zwei Filme am Stück drehen», sagt Urs Fitze.

Urs Fitze, Leiter Fiktion bei SRF

Urs Fitze, Leiter Fiktion bei SRF

Bild: SRF

Bremer «Tatort» geht neue Wege

Und was ist mit der Doppelfolge zum «Tatort»-Jubiläum, Titel: «In der Familie»? Ist die auch schon im Kasten? Gemäss ARD sind die Dreharbeiten in Dortmund und Köln unter der Regie von Dominik Graf abgeschlossen. Doch am 3. März haben unter der Regie von Pia Strietmann in München die Dreharbeiten zu Teil 2 begonnen... dann war plötzlich Pause.

Auch für den ersten Teil müssen noch einige Szenen gedreht werden: Die Produktion gestaltet derzeit ein Wiederaufnahmeszenario unter Berücksichtigung aller gesetz­lichen Hygienevorschriften und hofft, die Dreharbeiten fristgerecht zu be­enden. Der von Bernd Lange geschriebene Jubiläums-«Tatort» erzählt die ­Geschichte eines Dortmunder Restaurantbesitzers, dessen Betrieb ein Tarnunternehmen der ’Ndrangheta ist und einem Mann Unterschlupf gewähren soll, der in München einen Mord begangen hat.

Für die ARD ist nicht absehbar, ob die Filme für alle Sonntagsplätze rechtzeitig fertiggestellt werden können. Man habe keinen verlässlichen Planungsstand. Wann ist denn nun mit dem ersten «Tatort» des neuen Teams aus Bremen zu rechnen? Und für die Fans von «Game of Thrones» mit einem Wiedersehen mit dem Dänen Dar Salim – als Kommissar in der deutschen Hansestadt?

Man weiss es nicht. Radio Bremen teilt mit, dass weder Dreharbeiten noch Sendetermine verschoben werden mussten, und verspricht: «Jasna Fritzi Bauer und Dar Salim werden mit ihrer Kollegin Luise Wolfram, die als BKA-Ermittlerin Linda Selb bereits in fünf Bremer ‹Tatorten› begeisterte, komplett neue Wege gehen.»

50 Jahre «Tatort»: Sommervoting für Fans

50 Jahre «Tatort» und keine Fussball-EM: zwei Gründe, um im Sommer die bäumigsten «Tatort»-Folgen der letzten 20 Jahre zu zeigen – und das per Zuschauervoting. Die Fans entscheiden Woche für Woche, welchen Fall sie Sonntagabend nochmals sehen möchten. Zur Wahl stehen 50 der erfolgreichsten «Tatorte» und zugleich 30 Ermittlerteams aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Soll es die herausragende Luzerner Folge sein, «Ihr werdet gerichtet» (2015), mit den Ermittlern Reto Flückiger und Liz Ritschard, gespielt von Stefan Gubser und Delia Mayer? Oder das gleiche Team, dieses Mal im «Tatort – Kleine Prinzen» (2016)? Wie wäre es mit München und dem schillernden Titel «Wenn Frauen Austern essen» (2003)? Oder möchte man die Nordlichter Stoever und Brockmöller noch einmal der «Habgier» (1999) auf den Grund gehen sehen?

Gewählt wird online über diese Seite hier. Das Voting für den ersten Wunsch-«Tatort» ist diesen Sonntag, 14. Juni. Die «Tatort»-Folge, die bis zum darauffolgenden Freitag die meisten Stimmen auf sich versammelt, wird am Sonntag, 21. Juni, um 20.15 Uhr ausgestrahlt. Direkt nach der Ausstrahlung beginnt das Voting für den zweiten Wunsch-«Tatort» am darauffolgenden Sonntag. Der Wochensieger wird freitags bekannt gegeben. Der letzte Wunsch-«Tatort» wird am 30. August zu sehen sein.

Zusätzlich zu den Sonntagssiegern wird die ARD freitags jeweils um 22.15 Uhr Klassiker aus 50 Jahren «Tatort» zeigen. Ab dem 26. Juni geht es auf Zeitreise durch die deutschsprachige Gesellschafts- und Fernsehgeschichte: mehr oder weniger nah an der Lebenswirklichkeit der einzelnen Regionen und jeweiligen Jahre. (sh)

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