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Spurtreue oder die Weichen falsch gestellt? Das Leben eines «Isebähnlers» im Theater

Die Theaterwerkstatt Gleis 5 Frauenfeld lässt in ihrem neuen Stück «Ein Leben in H0» einen passionierten Modelleisenbahner auf sein Leben zurückblicken.
Dieter Langhart
Massstab 1:87: Joe Fenner bei den Proben zu «Ein Leben in H0» in der Theaterwerkstatt Frauenfeld. (Bild: Dieter Langhart)

Massstab 1:87: Joe Fenner bei den Proben zu «Ein Leben in H0» in der Theaterwerkstatt Frauenfeld. (Bild: Dieter Langhart)

Giuseppe Spina ist ein Tausendsassa: Schauspieler und Regisseur, Stückeschreiber und Theaterbetreiber – nur ein «Isebähnler» ist er nicht. Gut, als er Bub war, hatte sein Vater mit ihm eine Modelleisenbahn gebaut, und jetzt, wo sein Sohn ins Alter für ein Märklin-Starterkit kommt, taucht die Idee wieder auf. «Ich war in einem Zwiespalt, schwankte zwischen Faszination und Abstossung», sagt er. Aber dann las Giuseppe Spina sich ins Thema ein, schaute sich YouTube-Filme der Afficionados an, sammelte Material, las gar die Biografie eines Modelleisenbahnbauers.

«Sie sind wie Peter Pan, wollen nie erwachsen werden. Keiner redet ihnen drein.»

Spina vermutet bei diesen einsamen Wölfen ein gewisses Unvermögen, das reale Leben zu meistern. Dann unterhielt er sich mit ihnen – und spürte eine neue Begeisterung für das Thema. «Das Kind in mir meldete sich wieder.»

Ist der Zug für Erwin bereits abgefahren?

Giuseppe Spina setzte sich hin und schrieb ein Stück, das so wunderbar passt zum Spielort gleich hinter Frauenfelds Bahnhof. Er suchte sich Hilfe bei einigen jungen Mitgliedern eines Modelleisenbahnvereins, die ihm beim aufwendigen Bühnenbild zur Seite standen. Und sein Sohn berechnete am Computer die maximal möglichen Steigungen.

Im Monolog «Ein Leben in H0» spielt Joe Fenner (wie Spina Mitgründer und Mitleiter der Theaterwerkstatt) den Erwin, der mit seiner Modellbahn älter geworden ist, der sich Gedanken macht über das Gestern und das Morgen, der sich «wie in einer Zeitblase» befinde, wie Spina sagt. Er legt die Lebensgeschichte als Allegorie an auf das Leben, das diesen Erwin vielleicht auf ein Abstellgleis geführt hat.

Regie führt der Österreicher Christoph Rath, der 2016 in «Blade Runner» als Schauspieler brillierte, einer Coproduktion von Theaterwerkstatt und Winkelwiese. Rath sieht die heutige Jugend als «eigentlich sehr konservativ», sie habe aber viel Tüftlerenergie. Joe Fenner kniet sich in ein Eisenbahnerleben, hatte aber als Bub nie eine Modelleisenbahn («ich scheute mich vor der Nifeli­arbeit»), sein Bruder aber baute Ledischiffe aus Karton. Und er zeigt dann doch all die Details im Bühnenbild her, einer beachtlichen Anlage in der Spurweite H0 und wirkt plötzlich ganz jung.

Premiere: Sa, 27. 10., 20 Uhr, Theaterwerkstatt Gleis 5, Frauenfeld

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