Spritzige Kunst

Drei Künstlerkollegen, eine Ausstellung. Skizzen von Alfred Kobel, Louis Gross und Daniel Schelling sind in der Galerie von Margrit Oertli ausgestellt. Bilder, geboren aus der Unmittelbarkeit des Augenblicks.

Josef Osterwalder
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Den Skizzen ist die Ausstellung in der Galerie Oertli gewidmet. (Bild: Urs Bucher)

Den Skizzen ist die Ausstellung in der Galerie Oertli gewidmet. (Bild: Urs Bucher)

Skizzare heisst spritzen. Und es ist spritzige Kunst, was die drei St. Galler Zeichner ausstellen. Gleichzeitig ein Gedenkanlass. Bei der Vorbereitung der Ausstellung war Alfred Kobel noch dabei, hat seine Bilder bereits ausgelesen. Doch dann ist er zu Jahresbeginn während eines Aufenthalts auf Sri Lanka gestorben.

Das Ziel der Ausstellung, das Schaffen dreier Freunde zu vereinen, hat nun eine besondere Bedeutung gewonnen. Zum Gedenken ist die Dankbarkeit für vielerlei anregende Gespräche, Impulse und Verbindungen hinzugekommen.

Drei Weisen des Skizzierens

Gemeinsam ist der Ausstellung das Thema Skizze. Doch die Art, wie sie skizzieren, unterscheidet sich. «Wir gehen dabei ganz unterschiedlich vor», sagt Louis Gross. Bei ihm gibt es nur selten den satten, markanten Strich. Vielmehr scheinen die locker gesetzten Linien auf dem Blatt zu tanzen, eine Figur zu umspielen, ständig in Bewegung zu sein. So wie auch viele der Bildthemen Menschen in Bewegung zeigen, beim Gehen, Musizieren, auf der Reise. Entsteht bei Louis Gross das Bild aus den locker gesetzten Umrissen, geht Daniel Schelling genau umgekehrt vor. Bei vielen Skizzen setzt er als erstes die Schwerpunkte, formt mit grossen Farbflächen räumliche Volumen, markiert die Mitte. Erst dann kommt die eigentliche Zeichnung hinzu. Die Figur entwickelt sich aus einer räumlichen Erfahrung heraus, von innen nach aussen.

Nochmals anders der Ansatz bei Alfred Kobel, der bei vielen Skizzen mit einem Minimum an gestalterischen Elementen auskommt. Einmal liegt der Akzent bei der Zeichnung, dann wieder bei der flächig gesetzten Farbe. Je nach Motiv. Beim Porträt von Pic genügen ein paar wenige Andeutungen, und schon hat der Clown seinen verschmitzt-verträumten Ausdruck. Beim kecken Mädchen braucht es nur einen feinen gelben Pinselstrich, und gleich lacht dem Betrachter ein verträumter Naseweis entgegen.

Dreifacher Ausgangspunkt

Die Unterschiede in der Art des Skizzierens kommen nicht von ungefähr, sind die Bilder doch in ganz verschiedenen Situationen entstanden. Louis Gross liebt es, mitten unter den Leuten zu sein, skizziert auf der Fahrt in der Eisenbahn, im Café, bei einem Konzert. Daniel Schellings Skizzen sind meist im Studio, beim Aktmalen entstanden, beschäftigen sich mit der unendlichen Vielfalt des körperlichen Ausdrucks.

Gunst des Augenblickes

Bei Alfred Kobel geht es wiederum um ganz unterschiedliche Situationen, von der Studie für ein Bild bis zur kurzen zeichnerischen Notiz sind sie entweder im Atelier oder auf der Strasse entstanden.

Allen gemeinsam ist aber, dass es in den Bildern um die Gunst des Augenblicks geht. Wie die Fotografie lebt die Skizze aus dem Moment, den es in dieser Form nur einmal gibt. Es braucht lange Erfahrung, um für solche Unmittelbarkeit präsent zu sein.

Bis 26. November, Mühlensteg 3, Di–So, 16–19 Uhr