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Kolumne

"Sprachliche Moden und Marotten"-Kolumne: Zwei Worte, ein Satz

In seiner Kolumne schreibt Schriftsteller Pedro Lenz diese Woche über eine sprachliche Besonderheit, die besonders zu unserer Zeit passt.
Pedro Lenz
"Schweiz am Wochenende"-Kolumnist Pedro Lenz. Bild: CH Media

"Schweiz am Wochenende"-Kolumnist Pedro Lenz. Bild: CH Media

«Pfrässe!», hört man zuweilen junge Menschen zueinander sagen. So war es auch bei dieser Soldatengruppe, die am Sonntagabend in den Dienst einrücken musste. Drei Soldaten der gleichen Einheit sassen beisammen, als ein vierter den Zug betrat. Etwas überdreht fragte er seine Kameraden, ob sie sich auch aufs Einrücken freuten. «Pfrässe!», sagten diese fast im Chor, was in Standardsprache übersetzt «die Fresse» heisst. «Die Fresse» wiederum ist eine mundfaule Variante des eher derben Befehlssatzes «Halt die Fresse!»

In Zeiten der Effizienz wird vieles abgekürzt. Dabei liegt der Ursprung der Zweiwortsätze eigentlich in der frühen Kindheit von uns allen. Eltern kleiner Kinder sind meist entzückt, wenn ihr Nachwuchs an eines der wenigen Hauptworte, die es bereits kennt, ein einfaches Verb oder sonst ein passendes Wörtchen anhängt. «Mama chumm!» kann so ein Zweiwortsatz eines Kleinkindes lauten oder «Hallo Wawau!» Die neu erworbene Fähigkeit, einzelne Wörter zu kurzen Sätzen aneinanderzureihen, kommt dem Kind und seinem Umfeld als Wunder vor.

Doch während bei Kleinkindern, die gerade sprechen lernen, jeder Zweiwortsatz als Ereignis beklatscht werden darf, sieht es bei Erwachsenen anders aus. Bei uns bildet der Zweiwortsatz oft einen entweder freiwilligen oder unfreiwilligen Angriff auf die Grundregeln der Satzlehre. Nicht selten wirken Zweiwortsätze schlampig, vulgär, unvollkommen oder primitiv. Dabei sollte man auch hier differenzieren. Bei den Jugendlichen gibt es zuweilen Zweiwortsätze, die als augenzwinkernde Hommage an ihre eingewanderten Freundinnen und Freunde aus dem Balkan verstanden werden können: «Gosch Migros?» – «Wotsch Kebap?». Das wären also Zweiwortsätze, die dem Trieb gehorchen, durch bewusste Weglassungen mit der Sprache zu spielen.

Ebenso gibt es Zweiwortsätze, die aus Bequemlichkeit entstehen. Ein Beispiel hierfür ist der schweizerdeutsche Satz «Chasch mer!» Im Hochdeutschen und in voller Länge müsste es heissen: «Du kannst mir den Buckel hinunterrutschen!» oder «Du kannst mir in die Schuhe blasen!» oder sonstetwas in der Art. Ist der Rahmen gegeben, braucht es keinen grammatikalisch vollständigen Satz, um sich klar auszudrücken.

Ein weiterer Grund, Zweiwortsätze zu bilden, kann die Sparsamkeit sein. Früher, als noch überall Telegramme versandt wurden, wurde jedes Wort einzeln verrechnet. Deswegen war es günstiger, einen Zweiwortsatz wie «Ankomme morgen» zu telegrafieren als die sprachlich wohlklingendere Variante «Ich komme morgen an», die vier Wörter enthält und folglich das Doppelte gekostet hätte. Später gab es eine Zeichenbeschränkung bei den SMS. Auch sie verleitete einen dazu, Sätze auf ein Minimum zu reduzieren.

Zweiwortsätze passen in eine Zeit, in der Zeit mit Geld gleichgesetzt wird und alles bis hinein in die Sprache effizient zu sein hat. Wer zu viel Zeit und Raum braucht, um sich auszudrücken, läuft Gefahr, nicht gehört oder mit einem leicht verlängerten Zweiwortsatz gebremst zu werden: «Komm zum Punkt!»

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