Spitzzüngige Kulturgeschichte

Das ganze 20. Jahrhundert auf 382 Seiten und in 15 Kapiteln erzählen? Das scheint so verrückt wie es das Jahrhundert war: Mit seinen technischen Erfindungen, Weltkriegen und Moden.

Hansruedi Kugler
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Focus - Lesen - Higgs (Bild: Hansruedi Kugler)

Focus - Lesen - Higgs (Bild: Hansruedi Kugler)

Das ganze 20. Jahrhundert auf 382 Seiten und in 15 Kapiteln erzählen? Das scheint so verrückt wie es das Jahrhundert war: Mit seinen technischen Erfindungen, Weltkriegen und Moden. Der britische Journalist John Higgs aber wirft einen frischen Blick auf Relativitätstheorie, Rockmusik und Mikrochip. Das Resultat: Eine unterhaltsame Geistes- und Kulturgeschichte, in welcher er mit spitzer Feder auch Nihilismus, Existenzialismus und Postmoderne zerzaust. Seine Kapitel startet er mit überraschenden Anekdoten: Der Anarchist Martial Bourdin will das Observatorium in Greenwich in die Luft sprengen, die avantgardistische Muse von Marcel Duchamps hat dessen Readymades vorweggenommen. «Le sacre du printemps» führt zu Sigmund Freud. Higgs schildert die Geburt von Science-Fiction und Rock'n'Roll und landet in der vernetzten Gegenwart. Dabei stellt er scharfsinnige Überlegungen zur prägendsten Bewegung des vergangenen Jahrhunderts an: Den Individualismus, die Freiheit und die Zukunft der menschlichen Gemeinschaft.

John Higgs: Alles ist relativ und anything goes. Insel 2016. 382 S., Fr. 36.90