SPIELZEITERÖFFNUNG: Zum Auftakt ist gleich der Teufel los

Mit einem umfangreichen Premierenwochenende meldet sich das Theater Konstanz aus der Sommerpause zurück. Den Star macht «Der Meister und Margarita». Statt des Theaterfests im Herbst locken Bälle und Tanzpartys im Frühling.

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Das Spielzeitmotto am Theater Konstanz. (Bild: PD)

Das Spielzeitmotto am Theater Konstanz. (Bild: PD)

Premiere hat morgen Freitag im Stadttheater Michail Bulgakows «Der Meister und Margarita» in der Regie von Andrej Woron, und der ist bekannt für bildgewaltige Inszenierungen. Worum geht es da? In Moskau ist der Teufel los. Und da niemand mehr glaubt, ist es an ihm zu beweisen, dass Gott existiert. In der Person des Schwarzmagiers Voland lehrt er die Städter das Fürchten und lässt sie an ihrer Wahrnehmung zweifeln. Gespenstische Ereignisse verwirren Menschen und Behörden, Köpfe rollen, Grundan­nahmen werden ad absurdum ­geführt. Der unberechenbare ­Voland, einen höllischen Chaos-Trupp im Schlepptau, treibt es wild und entlarvt das obrigkeitshörige Bürgertum als verkom­mene Gesellschaft, deren Welt nichts ist als ein Apparat, der mit Willkür, Opportunismus und Denunziation funktioniert. In diesem Klassiker der russischen Literatur steht Voland für Stalin. Der Meister, Autor eines unveröffentlichten Romans über Pontius Pilatus und Jesus, ist ein Alter Ego Bulgakows. Und Margarita sein weiblicher Gegenpart, der Opferbereitschaft und Liebe verkörpert.

Michail Bulgakows zwischen 1928 und 1940 entstandenes Meisterwerk ist eine fantastische Reise durch die inneren Welten des Zweifels, eine Streitschrift gegen die Feigheit, eine Satire auf das stalinistische System, eine philosophische Auseinandersetzung mit Sinn oder Unsinn von Kunst. Wie aktuell dieser Stoff ist, unterstreicht die Tatsache, dass nächste Woche «Der Meister und Margarita» auch in einer Inszenierung am Zürcher Neumarkt-Theater Premiere hat.

Glaube, Fanatismus und die bedingungslose Liebe

In der Spiegelhalle feiert am Samstag die aberwitzige Groteske «Adams Äpfel» des dänischen Filmregisseurs Anders Thomas Jensen Premiere. Ingo Putz inszeniert die bitterböse Komödie über den schmalen Grat zwischen Glaube und Fanatismus und über die Macht der Selbsttäuschung. Ergänzt wird der Premierenreigen durch eine junge Regiehandschrift: Leonie Böhm geht frei um mit Kleists «Penthesilea» und stellt am Sonntag in der Werkstatt des Theaters Konstanz die Frage nach der Realisierbarkeit einer bedingungslosen Liebe in unserer heutigen Zeit.

Schon jetzt darf man sich auf ein Frühjahrswochenende der grossen Bälle freuen. Denn statt des gewohnten Theaterfestes im Herbst bietet das Theater Konstanz kommenden Mai eine innovative Alternative für Musik- und Theaterfreunde und für Tanzfreudige. Es präsentiert an drei Orten vom grossen, glamourösen Orchesterball bis zu Tanzpartys, Livemusik und Ausschnitten aus den musikalischen Inszenierungen des Theaters alles, was das Herz begehrt und in die Beine geht. Ein tanzbares musikalisches Angebot für alle Genera­tionen.

Auf der Suche nach einer Antwort auf die Frage «Ist da wer?» zeigt das Theater Konstanz in dieser Spielzeit klassische und moderne Stoffe, aussergewöhnliche und junge Regien, Musik und Wortgewalt, Gottvertrauen und Zweifel. Eine spannende, her­ausfordernde Spielzeit. (dl)

Fr–So, 29.9.–1.10. theaterkonstanz.de