Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Spielzeiteröffnung am Landestheater Bregenz: Schlachten, Morde, Machtgelüste

Das Landestheater Bregenz startet mit einer Dreifachpremiere in die Saison: Bildgewaltig und inhaltsstark wird der Zustand der Demokratie erkundet. Mit Shakespeares Römerdramen, einer Influencer-Uraufführung, Picknick und Debatten.
Julia Nehmiz
Noch segelt Caesar auf dem Wind der Macht. (Bild: PD/Anja Köhler)

Noch segelt Caesar auf dem Wind der Macht. (Bild: PD/Anja Köhler)

Es ist das alte brutale Spiel von Macht und Gegenmacht: Das Volk leidet, revoltiert gegen «die da oben», wird besänftigt, und «die da oben» lauern nur darauf, wer der nächste ist, dem die Insignien der Macht übertragen werden, wer sie – auch mordend – an sich reissen kann. Um ein friedvolles Miteinander, um Gemeinschaftssinn, gesellschaftliche Solidarität geht es nicht.

Das Landestheater Bregenz rollt in seiner starken – und mit fünf Stunden auch überfordernden – Spielzeiteröffnung am Samstag die Fragen um Macht und Verführung auf. «Cold Songs: Rom» umfasst drei Inszenierungen: zwei Römerdramen von Shakespeare und eine Uraufführung.

«Coriolanus» beginnt vor dem Theater, der Bürger*innenchor des Landestheaters will Revolte und lässt sich doch besänftigen. Marcius Coriolanus ist eine Kampfmaschine (Jürgen Sarkiss berserkert über die ­Bühne), der das Volk als Saupack beschimpft, das aufgehängt ­gehört. Konsul will er nur um seiner selbst willen werden.

Kampfmaschine mit übermenschlicher Kraft: Cajus Marcius Coriolanus (Jürgen Sarkiss, rechts) will Konsul werden.

Kampfmaschine mit übermenschlicher Kraft: Cajus Marcius Coriolanus (Jürgen Sarkiss, rechts) will Konsul werden.

Regisseurin Catharina May kürzt das Drama auf eineinhalb Stunden, inszeniert ein düsteres Schlachtspektakel mit Musik. Die Herrschenden ziehen sich Maskenfratzen über, wer regieren will, muss sich verleugnen.

Harmloser Spielemacher wird politischer Meinungsmacher

Nach dem unheilvollen Auftakt kann man im Foyer picknicken und mit Vorarlberger Expertinnen und Aktivisten über Demokratie, Macht und Menschenrechte debattieren. Für einen Teil des Publikums geht es in der kleinen Spielstätte Box weiter mit der Uraufführung «Der ideale Staat in mir» von Bettina Erasmy.

Alleinherrscher in seiner eigenen Welt: David Kopp als Influencer in Bettina Erasmys «Der ideale Staat in mir» am Vorarlberger Landestheater Bregenz. (Bild: Anja Köhler)

Alleinherrscher in seiner eigenen Welt: David Kopp als Influencer in Bettina Erasmys «Der ideale Staat in mir» am Vorarlberger Landestheater Bregenz. (Bild: Anja Köhler)

Ein Influencer lässt in seiner cleanen Welt «die da draussen» teilhaben an seinen Gedanken. Vom harmlosen Spielemacher (Selfies vor abgehängten Spiegeln! Lustige Fragen beantworten!) wird er zum politischen Meinungsmacher. Das Draussen bricht in Form von Chatnachrichten herein – die Welt ist Krieg, Zerstörung, Überlebenskampf. Der Influencer (David Kopp) buzzert sie locker lächelnd weg. Er ist alleiniger Herrscher in seiner eigenen Welt.

Erasmys Monolog ist leises, kluges Nachdenken über Machtstrukturen, die sich ins Private verlagern. Süffisant lässt sie die Natur zu Wort kommen, der die Menschen schon irgendwie fehlen werden, aber eine neue, andere Spezies wäre ja auch nicht schlecht. Agnes Kitzler inszeniert das heiter und eindringlich zugleich.

Dem tumben Volk einfach etwas vorsingen

Der packende Abend findet in Shakespeares «Julius Caesar» seinen Höhepunkt. Johannes Lepper stellt eine widerwärtige Männerwelt auf die Bühne: Cassius, Casca und Brutus gieren nach Macht, stellen sich dabei tölpelhaft an, verachten und demütigen die Frau, die ihnen lächelnd Zitronen auspressen soll, und ermorden (jeder darf noch einmal zustechen) Caesar.

«Denn Brutus ist ein ehrenwerter Mann»: Antonius (Rahel Jankowsky, vorne) erhebt sich wortgewaltig über die Mörder Caesars.

«Denn Brutus ist ein ehrenwerter Mann»: Antonius (Rahel Jankowsky, vorne) erhebt sich wortgewaltig über die Mörder Caesars.

Von ­wegen «ehrenwert»: Lepper entlarvt bildgewaltig, wie diese Machomänner ticken. Dem tumben Volk kann man einfach mit «uuuhuuu» und «schala­lala-Leichen» singend (Un-)Wahrheiten vorträllern. Doch wenn die Frau in Trauer über Caesars Tod wortgewaltig anhebt («denn Brutus ist ein ehrenwerter Mann»), treibt sie die Machtmänner in den Selbstmord. Hinten flimmern die ­heutigen Caesars über die Bühnenrückwand.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.