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Spiel mit der Angst

Die Macher von The Cabin in the Woods verpassen dem Horrorfilm eine Frischzellenkur. Darin beobachten Forscher eine Gruppe Jugendlicher in einem verlassenen Waldhaus. Das Wochenende wird zur grausigen Reality-Show.
Walter Gasperi

Der Slasher-Film, in dem ein sadistischer Killer serienweise Opfer abschlachtet, erlebte in den 70er- und 80er-Jahren mit Filmen wie «Halloween» (1978) und «Freitag der 13.» (1980) seine Blüte. Bald wiederholten sich die Geschichten. Einen Ausweg aus der Monotonie fand erst Wes Craven, als er in «Scream» (1996) mit einer klassischen Slasher-Geschichte eine Reflexion über das Genre verband.

Ausgelaugte Stories parodieren

Regisseur und Drehbuchautor Drew Goddard («Lost») und Co-Drehbuchautor und Produzent Joss Whedon («The Avengers») kennen sich im Genre bestens aus. Bewusst war ihnen, dass man dem Horrorfilm nur noch neue Facetten abgewinnen kann, wenn man die ausgelaugten Geschichten wie zuletzt Eli Craig in «Tucker and Dale vs. Evil» parodiert oder mit den Versatzstücken lustvoll spielt.

Die abgedroschene Geschichte von fünf befreundeten Studenten, die ein ausgelassenes Wochenende in einer Hütte im Wald verbringen wollen, wird von Anfang an gebrochen durch eine zweite Handlungsebene. Irgendwo unter der Erde liegt nämlich eine sterile Kommandozentrale, wo ein Team von Wissenschaftern und Technikern die Jugendlichen über Videoschirme beobachtet und über ein Schaltpult auch die Ereignisse lenkt. Kein Entkommen scheint es für die fünf gezielt nach Genreklischees ausgewählten Protagonisten zu geben. Nur die Ungeheuer, gegen die sie kämpfen müssen, können sie – ohne sich dessen bewusst zu sein – frei wählen. Und in der Kommandozentrale schliesst man indessen Wetten ab, welchen Verlauf das grauenvolle Geschehen im Wald nehmen wird.

Spielball einer höheren Macht

An Peter Weirs «The Truman Show» erinnert dieser Ansatz von Menschen, die, ohne es zu wissen, in einer – in diesem Fall grausigen – Reality-Show mitspielen und Spielball einer höheren Macht sind. Hier wie dort droht das System aber auch bald durch Pannen zu zerbröckeln.

Im Gegensatz zum gesellschaftskritischen Ansatz Weirs nützen Goddard und Whedon die zweite Handlungsebene für ein liebevolles Spiel mit dem Genre. Die spannungssteigernden Manipulationen der beiden leitenden Wissenschaftler (Richard Jenkins und Bradley Whitford) sind mit den inszenatorischen Tricks von Regisseur und Drehbuchautor gleichzusetzen. So werden die Spielregeln des Horrorfilms offen gelegt. Gleichzeitig spiegeln sich im restlichen Forscherteam, das gespannt dem Schicksal der Jugendlichen folgt, die Emotionen und Sensationsgier des Kinopublikums.

Dass hier die Machart ausgestellt wird, ist der Spannung aber kaum abträglich, denn Goddard und Whedon treiben die Handlung mit überraschenden Wendungen immer weiter, gehen vom Slasher- zum Zombiefilm über und führen schliesslich die beiden Erzählebenen in einem apokalyptischen Finale zusammen.

Blutige Slasher-Szenen

Man kann zwar angesichts der hanebüchenen und durchgeknallten Story den Kopf schütteln, andererseits muss man auch stets darüber staunen, welch raffiniertes Spiel Goddard und Whedon hier treiben. Hoch ist der Unterhaltungswert, denn die Lust, die den Machern die Arbeit an «The Cabin in the Woods» sichtlich bereitete, überträgt sich direkt auf den Zuschauer. Zuzusehen, wie hier mit Versatzstücken des Horror-Genres ein Spiel mit doppeltem Boden entwickelt wird, bereitet grosses Vergnügen, und auch wenn an blutigen Slasher-Szenen nicht gespart wird, so mischt sich aufgrund der lustvoll-verspielten Inszenierung, die sich selbst nicht allzu ernst nimmt, unter die Spannung und das Entsetzen immer wieder böses Lachen.

«The Cabin in the Woods» läuft im Kino.

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