Spiel mit dem Limit: «Pit Stop» tanzt hochtourig

ST. GALLEN. Wie immer steht das Rote Velo bedeutungsvoll neben dem Eingang. Dabei soll es drinnen, in der Grabenhalle, diesmal so richtig vorwärts gehen. Nicht gemütlich, sondern in Höchstgeschwindigkeit unsichtbarer Boliden.

Bettina Kugler
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ST. GALLEN. Wie immer steht das Rote Velo bedeutungsvoll neben dem Eingang. Dabei soll es drinnen, in der Grabenhalle, diesmal so richtig vorwärts gehen. Nicht gemütlich, sondern in Höchstgeschwindigkeit unsichtbarer Boliden. Gleichwohl dem Motto von Albert Einstein treu, das sich die Tanzkompanie Rotes Velo bei ihrer Gründung vor vier Jahren gegeben hat: «Das Leben ist wie ein Fahrrad. Man muss sich vorwärts bewegen, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren.»

Witzige Wiederholungsschleifen

Das neue Stück «Pit Stop», hervorgegangen aus einer in Argentinien erfolgreich gezeigten Produktion von Exequiel Barreras, spielt mit rasanter Bewegung. Mit mechanischen Abläufen, dem Witz maschinenartiger Wiederholungsschleifen und ihrem zuweilen beklemmenden Gegenstück, dem Stillstand. Und es beginnt mit Gleichgewichtsverlust: wenn sich die Männer in der Boxengasse gegen einen mächtigen Widerstand stemmen, taumeln und nach hinten sinken. Vier Mechaniker mit starken Nerven, starken Armen und präzisen Fingern, nicht eben gewohnt, viel Worte zu verlieren – aber genau das tun sie jetzt, in einer Reihe aufgestellt.

Kraftstrotzend in der Schwebe

Statt ihre Tempolust sofort in Tanzenergie zu wandeln, ziehen sie die Handbremse, reden, raufen, spielen mit der Spannung des Wartens. Sprechen deutsch, englisch, französisch, vietnamesisch als Tobias Spori, Jack Widdowson, Yannick Badier, Hoang Anh Ta Hong, so wie es auf ihren Overalls steht: ein fassungsloser Männerchor, nach Erklärungen und Gesten schnappend, mit individuellen Stories im Werkzeugkasten. Was die daraus entwickelten Minimal- und Hardrock-Tanzsequenzen noch kraftvoller und härter wirken lässt, das Duett zur Bach-Arie «Komm, süsses Kreuz» noch zarter und verletzlicher: im Schwebezustand zwischen Seele und Maschine.

So, 19.4., 20 Uhr, Grabenhalle; Sa, 2.5., 21 Uhr, Lokremise St. Gallen