Spiderman erobert das Palace

Ist das Palace wieder Kino? Das neue Banner zur «Erfreulichen Universität» könnte es glauben lassen.

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Bild: pd

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Ist das Palace wieder Kino? Das neue Banner zur «Erfreulichen Universität» könnte es glauben lassen. Oder was haben die schrillen Filmplakate von Star Wars, Spiderman und Batman im Kultur- und Debattenhaus verloren? Es ist die siebte, von Künstlerhand gezeichnete Flagge, die dem Palace jährlich zur Saisoneröffnung eine Ausstellung in der Vitrine und eine Riesenfahne auf der Bühne beschert. André Butzer, Michaela Melian, Peter Kamm. Jutta Koether, Albert Oehlen, Roberto Ohrt sind die bisherigen Künstler der Banner-Reihe.

Heuer ist die Flagge stolz signiert: «Andy Hope 1930», dazu ein Runenkreuz. Filme und Datum passen auf den ersten Blick nicht zueinander. Doch Andy Hope ist Andreas Hofer, geboren 1963 in München, ein Künstler, der die Frage des Namens als eine Möglichkeit der Identitätenkonstruktion sieht. Manchmal ist er auch Lord of Illusion oder Silver Surfer. Seit 2000 tritt er vorwiegend als Andy Hope auf, kürzlich bei Hauser & Wirth in London, 2005 auch schon in St. Gallen im Zusammenhang mit «Patientenhaus – Das nackte Leben» von Peter Kamm im Ausstellungssaal Katharinen.

Für «Mystic Gods» sind Bild- und Textausschnitte als im öffentlichen Stadtraum von Plakatwänden abgerissene Fetzen zusammengebracht und auf eine Aquarellmalerei collagiert. Die Bezugnahme auf Werke und Techniken aus Kunst- und Politgeschichte zieht sich durch das Schaffen von Andreas Hofer – wie auch durch seine Namensgebungen. Mühelos finden Film- und Comic-Welt, Science-Fiction, Urbanistik und mittelalterliche Archaik zusammen. Mit dem Eckdatum 1930 im Namen rekurriert er unter anderem auf das Ende der Russischen Avantgarde, das Auftauchen des Begriffs der Entarteten Kunst – oder auch auf den ersten Tonfilm, der im Palace 1930 zu sehen war: «Sonny Boy, The Singing Fool». Andreas Hofer zeigt mit dem Banner eine Welt, in der Verwüstung und Rettung, Fakt und Phantasie sich überlagern. Das hat auch mit Stadtplanung zu tun. Andy Hope ist mehr als ein Name, er ist Programm. Auch im Palace-Programm. Ursula Badrutt Schoch

«Erfreuliche Universität» mit Edgar Heilig zur Frage: «Wie prägt Infrastruktur das Stadtbild?»: Di, 2.10., 20.15 Uhr