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SPEICHER: Ein Herisauer zeichnete gegen Nazis und für den Landschaftsschutz

Wegen einer Zeichnung des Herisauers Jakob Nef wurde der "Nebelspalter" 1933 in Deutschland verboten. Eine Ausstellung im Museum für Lebensgeschichten in Speicher erinnert an den mutigen Künstler.
Christina Genova
Wehrhaft: «Ond i gheie nüd om» von Jakob Nef war am 9.8.1940 das Titelblatt des «Nebelspalters». (Bild: PD)

Wehrhaft: «Ond i gheie nüd om» von Jakob Nef war am 9.8.1940 das Titelblatt des «Nebelspalters». (Bild: PD)

Christina Genova

christina.genova@tagblatt.ch

Einem nach dem andern wird das Hirn abgesägt und ein Korsett verpasst. Im Juli 1933 zeichnet ­Jakob Nef eine Reihe von Bürgern, die zu bewegungsunfähigen Befehlsempfängern zurechtgestutzt werden. "Gleichschaltung!" lautet der Titel dieser Karikatur, die im Juli 1933 auf der letzten Umschlagseite der Rorschacher Sa­tirezeitschrift "Nebelspalter" erscheint. Sie ist auf die Nationalsozialisten gemünzt, die nach ihrer Machtergreifung syste­matisch jede Opposition unterdrücken. Die Botschaft kommt an: Nefs Karikatur führt dazu, dass der Verkauf des "Nebelspalters" umgehend in ganz Deutschland verboten wird.

Ab 1923 ist der Herisauer Künstler und Grafiker Jakob Nef freier Mitarbeiter des "Nebelspalters". Neben Carl Böckli, René Gilsi, Gregor Rabinovitch und Heinrich Danioth wird er zu einem der wichtigsten Zeichner der Satirezeitschrift, vor allem in den Jahren 1933 bis 1945. Während des Dritten Reiches bezieht der "Nebelspalter" als einzige deutschsprachige Satirezeitschrift klar Stellung gegen jeglichen ­Totalitarismus.

Kritik an Schweizer ­Nazisympathisanten

Jakob Nef ist von Anfang an ein vehementer Gegner des Nationalsozialismus. Sein Sohn Jörg erinnert sich, dass der Vater regelmässig verlauten liess: "Die Deutschen können den Bodensee aussaufen oder den Mond herunterholen, aber gewinnen werden sie nicht." Hans Widmer, der in St.Gallen lange Jahre das Auktionshaus Widmer führte, besitzt mit rund 800 Originalen die grösste Privatsammlung von Zeichnungen Jakob Nefs, und weiss viel über dessen Leben und Wirken. Es ist ihm ein Anliegen, dass Nef als Zeitzeuge und Zeichner, dessen Werk von zeitgeschichtlicher Bedeutung ist, nicht in Vergessenheit gerät. Deshalb hat er ihm unter dem Titel "Ond i gheie nüd om …" im Museum für Lebensgeschichten in Speicher eine Ausstellung eingerichtet, mit vielen Leihgaben aus seiner Sammlung: "Jakob Nef glaubte, was er zeichnete. Sein Mut war bemerkenswert – er machte keine Konzessionen", sagt Widmer.

Über seine Motivation zu zeichnen, schreibt Jakob Nef: "In meinem Fall war es (…) der Wunsch zur Predigt, der mir Stift und Messer in die Hand drückte." Alltagssatire war seine Sache nicht – die meisten von Nefs Zeichnungen sind politisch. Sie decken auf und legen den Finger auf den wunden Punkt. Etwa, wenn er in einer reduzierten Schwarz-Weiss-Zeichnung die Silhouetten einer Gruppe von Frontisten darstellt, darunter auch einen Offizier. Die Männer stehen um eine zum ­Hakenkreuz ergänzte Schweizer Fahne. Die Zeichnung, welche die vielen Nazisympathisanten, die es auch in der Schweizer Armee gab, anprangert, wurde erst 1946 veröffentlicht. Sie entstand, so vermutet Hans Widmer, schon 1933, war dem "Nebelspalter" aber wohl zu brisant.

Die Gier der Banker

Einige von Jakob Nefs Karikaturen haben bis heute nichts an ­Aktualität verloren und wirken ­visionär: Schon in den 1930er-Jahren, als man darüber in der Öffentlichkeit noch kaum diskutierte, setzte Nef sich mit seinen Zeichnungen für den Landschaftsschutz ein, etwa indem er die Zersiedelung als gefrässiges Ungeheuer darstellte, das sich durch Wiesen und Wälder frisst. Die Gier der Banker prangert er bereits 1933 an und 1953 kritisiert er die Aussonderung der über vierzigjährigen Arbeitnehmer aus der Arbeitswelt.

Wohl über 3000 Karikaturen hat Jakob Nef im Laufe eines ­halben Jahrhunderts geschaffen, bis er sich 1964 zur Ruhe setzte. Als er 1977 starb, liess sein Sohn Jörg ihm folgenden Bibelspruch in den Grabstein meisseln: "Wer wahrhaftig ist, der sagt frei, was recht ist, und ein wahrhaftiger Mund besteht ewiglich."

Bis 30.9., im Hof Speicher, täglich 9 bis 17 Uhr. Eine Broschüre ist in der Ausstellung erhältlich; weitere Literatur: Peter Witschi (Hg.): Ein Appenzeller Nebelspalter. Appenzeller Hefte 2005. www.museumfuerlebens geschichten.ch

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