Speed-Dating mit Experten

Die Idee zu «Schaffe!» ist Klaus Hersche gekommen, als er noch Beauftragter der Thurgauer Kulturstiftung war. Die «Tauschbörse des Wissens» bringt Experten und Gäste an einen Tisch – aber «wir alle sind Experten», sagt er.

Dieter Langhart
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Klaus Hersche Kulturvermittler, bis 2015 Beauftragter Thurgauer Kulturstiftung (Bild: Dieter Langhart)

Klaus Hersche Kulturvermittler, bis 2015 Beauftragter Thurgauer Kulturstiftung (Bild: Dieter Langhart)

ERMATINGEN. «Ich schaffe doch den ganzen Tag!» Solche und ähnliche Antworten hat Klaus Hersche etwa an der Wega in Weinfelden erhalten, als er sich unter die Leute mischte und ihnen von seiner Idee erzählte. «Schaffe!» nennt er die Idee, denn wir alle schaffen irgendwie, irgendetwas. Aber Hersches Idee reicht weiter: Er will, dass wir unser Wissen, unsere Expertise austauschen, und zwar nicht zufällig oder beliebig ausufernd, sondern in einem Speed-Dating mit Experten, die ihr Fachwissen und ihre Berufserfahrung einbringen.

Im Hier und Jetzt

Mit diesem analogen, persönlichen Austausch im Hier und Jetzt soll der rasend schnellen, virtuellen Vernetzung etwas entgegengesetzt werden. Organisiert haben die «Tauschbörse des Wissens» das Kulturamt, die Kulturkommission und die Kulturstiftung des Kantons Thurgau.

Genau fünfzig Persönlichkeiten hat Hersche eingeladen, aus allen Sparten, auch wenn «etwas viel Kulturleute» darunter seien. «Manche Angesprochene waren am geplanten Tag bereits besetzt, andere waren betupft, dass ich sie nicht angefragt habe.»

Beide Seiten profitieren

Die Experten ihres Fachs sitzen auf der einen Seite der Tische im «Zelglihof»; ihnen gegenüber nimmt je ein Gast Platz, dann fragen und reden sie – zehn Minuten. Drei bis vier solcher Durchgänge sieht Hersche vor, damit jeder möglichst viel profitiere. Auf beiden Seiten, betont er, «denn wir alle sind Experten, jeder in seinem Bereich».

Als Gäste sind ebenfalls Menschen aus allen beruflichen und gesellschaftlichen Bereichen angesprochen. Sie ziehen einen Namen pro Runde; sollte er nicht passen, dürfen sie ihn auch untereinander tauschen. Und natürlich sollen die Gespräche später weitergehen. «Wir wollen Türen öffnen», sagt Hersche.

Bewährte Vorbilder

Die Idee lehnt sich an erprobte Formate an: den «Schwarzmarkt für nützliches Wissen und Unwissen» in Deutschland und der Schweiz oder die Salons de Modeste in Fribourg, wo Menschen einmal im Jahr unbekannte Gäste einladen. Die Salons kennt Hersche aus seiner Zeit als Mitgründer und später Leiter des Festivals Beluard Bollwerk International. Die Salons de Modeste seien bald zur Tradition geworden, auch wenn es gedauert habe, bis nicht nur Kulturschaffende mitgemacht hätten.

Er erwähnt die Ausserrhoder Kulturlandsgemeinde. Auch sie vermittle beim «Grundbedürfnis nach Vernetzung», um Menschen jeder Couleur mit Kulturschaffenden zusammenzubringen. «Dabei ist es so einfach», sagt Optimist Hersche und lacht.

Die Werte der Arbeit

In den Projektunterlagen zu «Schaffe!» steht: «Arbeit ist in unserer Gesellschaft mit spezifischen Werten wie Rechtschaffenheit, individueller Selbstverwirklichung oder gesellschaftlichem Nutzen verknüpft.» Was bedeutet «schaffe» für Klaus Hersche? Er nennt die umgangssprachlichen Synonyme «maloche» und «bügle» oder Sätze wie «ich liebe meinen Job trotz Stress». Ein Bauer habe den Innerrhoder einmal gefragt, was er beruflich tue. «Ich mache Theater.» Die Rückfrage: «Und sonst?» Wenn Hersche Aussagen über Künstler höre wie «Die sölled mal schaffe», antworte er, dass auch Nichtkünstler kreativ seien und Künstler ebenso hart arbeiteten.